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neue kleine Erkenntnisse Tag für Tag

13.06.16
Heute Nachmittag war Sandatraining besonders ungut. Die lokale Recyclinganlage hat mal wieder den Müll verbrannt. So schlimm hat es bisher noch nie gerochen. Als ob eine riesige Ladung Autoreifen in Flammen stünde. In jeder möglichen Sekunde habe ich mir das T-Shirt vor die Nase gehalten. Bis auf Alex hat das sonst niemand gemacht. Ich frag mich, wie die das Training überstanden haben. Nach ca. einer Stunde war die Luft wieder klarer. Ich hatte ein komisches Gefühl im Hals und etwas Kopfschmerzen. Vielleicht war es auch zum Teil mein Kopf der einen Widerwillen entwickelt hat bei dem Gestank zu trainieren.
Ich weiß nicht ob mein English hier besser oder schlechter wird. Ich spreche zwar fast ausschließlich English, aber einige sprechen es so schlecht, dass ich manchmal das Gefühl habe mir auch die schlechten Fähigkeiten abzugucken.

14.06.16
An diesem Tag habe ich nichts geschrieben. Ich schreibe einen Tag rückwirkend. Mein Qi ist mal wieder schwächer. Der Tag ist recht entspannt. Alle sind gut drauf. Spannende Zeilen.

15.06.16
Die letzten drei Nächte hab ich sehr unruhig geschlafen. Ständig wache ich auf und drehe mich von Seite zu Seite. Es fühlt sich so an, als ob mein Körper viel regeneriert. Sobald sich ich mich sehr entspanne, fängt alles an sich eigenartig anzufühlen. Muskelzucken, Kribbeln und andere schwer beschreibbare Empfindungen. Ich habe leichte Kopfschmerzen. Eigenartig.
Heute war wieder Sparrinngtag. Ich musste wieder gegen Sam kämpfen. War wieder recht einfach. Und eine Runde gegen Locke. Während des Sparrings kam ein neuer Schüler aus Ungarn an. Peter. Er wird sechs Monate hier bleiben. Er hat schon viel Martial Arts Erfahrung, hat sogar ein paar „Cage Fights“ gemacht. Er hat auch direkt beim Sparring mitgemacht. Er ist wohl der erfahrenste Kämpfer von allen Schülern hier. Beeindruckend. Er hat sogar Shifu zu Boden geworfen.
Es ist wieder ein freudiger Tag mit guter Laune. Ich merke, dass ich immer entspannter werde. Dennoch hab ich eben in sozialen Interaktionen gemerkt, wie sich manchmal leichte Spannung in meinem Körper aufbaut. Vielleicht hilft mir das körperliche Training damit besser umgehen zu lernen und wieder schneller zu entspannen. Jetzt ist schon fast Schlafenszeit. Gerade habe ich mich so fit gefühlt, dass ich Powertraining machen wollte. Die Energie hebe ich mir lieber für morgen auf.

16.06.16
Lebe im Moment. Daran muss ich mich immer wieder erinnern.
An jedem meiner Unterarme befindet sich ein riesiger angeschwollener blauer Fleck vom Sparring gestern. Nach dem einen Jahr werden meine Unterarme stählern sein.
Heute gab’s sowas wie einen Frühjahrsputz für mich. Statt dem morgendlichen Training habe ich die meisten Winkel meines Zimmers gereinigt. Sogar Fenster habe ich geputzt, was ich bei mir zu Hause mehr als ein Jahr lang nicht gemacht habe.
Jetzt kommt vielleicht wieder etwas Spannendes. Während des Powertrainings bin ich mit Alex ins Gespräch gekommen. Es gibt eine Übung, die ich nicht ansatzweise schaffe. Langsame Liegestütze. Das heißt Liegestütz bis runter und unten eine Minute lang halten. Nachdem davor schon einige andere Übungen gemacht wurden. Ich schaffe nicht mal 20 Sekunden. Da Alex der Powermensch ist fragte ich ihn, ob er die Übung schafft. Er meinte es sei kein Problem für ihn. Es sei alles nur eine Kopfsache. Ich bin ja auch stark dafür, dass alles nur eine Kopfsache ist, aber in dem Moment dachte ich mir: Das meiste ist zwar eine Kopfsache, aber es gibt auch physische Grenzen. Er sagte, ich habe wohl einfach den Part meines Gehirns nicht trainiert, der für meine Liegestützmuskeln verantwortlich ist. Da machte es ein kleines Klick in meinem Kopf. Ich habe mittlerweile schon recht viele Liegestütze in meinem Leben gemacht und dafür kann ich sie noch nicht besonders gut. Mein Nacken ist der wohl verspannteste Bereich in meinem Körper und sehr wichtig dafür. In bestimmten sozialen Situationen ist das der Bereich, in dem ich am ehesten Spannung verspüre. Es hat alles ein wenig mehr Sinn ergeben. Dinge, die ich eigentlich schon wusste haben sich neu zusammengesetzt und ein weiteren Beitrag zum Zusammensetzen des Puzzles beigetragen.
Nach dem Powertraining hat mich Peter massiert. Er kann das sehr gut und hat eine fiese Stelle unterhalb meines linken Schulterblatts massiert. Es war sehr Schmerzhaft. Genau die Stelle, die für die ganzen Verspannungen hauptverantwortlich ist. Ich bin gespannt auf weitere Erkenntnisse. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich nichts weiß und noch so unglaublich viel von allen Menschen lernen kann.

17.06.16
Nun scheint es langsam richtig heiß zu werden. Heute Nacht haben anscheinend die meisten schlecht geschlafen. So auch ich. Ich fühle mich nach dem Aufwachen besonders müde.
Die Schule wird immer sozialer. Heute sind schon wieder drei neue Schüler gekommen. Zwei Teenager aus Russland und ein Äthiopier. Hier sind gerade Schüler aus mehr als 10 verschiedenen Nationen. Doch sind alle irgendwie gleich. Den größten Unterschied verspüre ich zu den Einheimischen. Vermutlich aber auch nur wegen mangelhafter Kommunikation. Schon wieder super viel gegessen.
Auf der einen Seite mag ich das sozialere Leben. Auf der anderen Seite habe ich auch das Gefühl mich darin manchmal zu verlieren und Dinge zu tun, die unnötig sind. Auch ein Verlangen nach Bestätigung. Die Balance finden.

18.06.16
Heute ist außer Sonnenbaden und Fargo schauen nicht viel passiert. Schon wieder ist ein neuer Schüler angekommen. Wir nähern uns langsam der 30 Schüler.

19.06.16
Gestern Mittag war mein letztes Essen. Heute Mittag hab ich im Hof ein wenig chinesisches Schach mit Anja gespielt und dabei erfahren, dass wohl die meisten diese Woche ihr Bi Gu Fasten starten. Also doch auch ich wohl früher als erwartet. Heute Abend werde ich eine Kleinigkeit essen. Morgen dann auch noch mal ein wenig essen und Shifu darum bitten mir den Rest der Tai Chi 24 Form beizubringen, damit ich es während des Fastens üben kann. Ich werde also vermutlich morgen den letzten Tag meinen Computer und damit mein digitales Tagebuch zur Verfügung haben. Irgendwie ist das gerade alles so plötzlich. Aber na gut, ich freu mich aufs Fasten. Mindestens 10 Tage möchte ich es machen. Der nächste Blogbeirtag wird voraussichtlich in zwei Wochen erscheinen.

20.06.16
Gerade habe ich Shifu gesagt, dass ich gerne ab morgen zehn Tage fasten möchte. Hier wird es Bi Gu genannt. Er meinte, dass zehn Tage zu viel seien, ich solle drei Tage machen. Da ich es schon einmal vier Tage gemacht habe, konnte ich ihn davon überzeugen wenigstens für sieben Tage die Erlaubnis zu kriegen. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten dann noch mal länger Fasten.

Published in China

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