Skip to content →

Wettkampf ohne Wettkampf

07.08.16
Von der Welt fühle ich mich hier manchmal abgeschnitten. Wenig kriege ich von Europa mit. Ab und zu zeigt mir Facebook wieder wichtige Ereignisse auf und erinnert mich daran, doch mal in die deutschen Nachrichten zu schauen. Da wird mir dann etwas bang, was in letzter Zeit alles passiert. Ist das immer so mit Nachrichten, dass man sich nach Informationsbeschaffung tendenziell schlechter fühlt?

08.08.16
Mein Rechner macht immer öfter komische Sachen. Mal schauen ob er noch lange durchhält. Gestern beim Skypen ist mir aufgefallen, dass meine Webcam seit der Reparatur anscheinend nicht mehr funktioniert.
Morgen ist ein Kung Fu Wettkampf. Heute wurde ich noch gefragt ob ich nicht doch mitmachen möchte. Okay, also werde ich wohl Tai Ji und Wing Chun performen. Wir werden eine Gruppe von ca. 15 Leuten sein, die hinfährt. Manche werden nur Zuschauer sein. Ich hatte mich erst nicht freiwillig gemeldet, dass ich mit will, da ich das Gefühl hatte nicht gut genug zu sein. Aber Chinesen freuen sich so sehr über Ausländer, dass es wohl fast egal sein wird, wie gut wir sind.

09.08.16
heute gibt es ein wenig Vorbereitungstraining für morgen. Wie wir auf die Bühne laufen etc. Nachtmittags fahren wir dann los.

Chenglish Chinesische Übersetzung Schild
Chenglish

10.08.16
Zurück von unserer kleinen Reise. Ich bin etwas geschlaucht. Neue Eindrücke sind anstrengend. Es war schön weitere Dinge von China zu erfahren. Das anstrengendste am Reisen kann das Autofahren sein. Auf der Hinfahrt bin ich erst auf dem Trittbrett die ersten paar Meter gefahren. Dann wurde festgestellt, dass wir nur 12 Sitze für 14 Personen in den zwei gemieteten Bussen für unsere Fahrt zum Kung Fu Wettkampf haben. Also habe ich mich in den Kofferraum verfrachtet. Da gab’s zumindest Beinfreiheit, allerdings keine Schulterfreiheit.
Angekommen in Changyuan ist die Luft sehr versmogt. Die Stadt ist erwartungsgemäß hässlich. Es ist angeblich eine sehr reiche Stadt. Im Gegensatz zu Dengfeng gibt es hier sehr viele Hochhäuser. Alle sehen gleich grau aus. Das Hotel in dem wir unterkommen hat westliche Standards. Ein leicht heruntergekommenes, aber qualitativ recht hochwertiges Hotel. Angeblich das wohl beste in der Stadt. Das Abendessen ist überzeugend. Mein erstes wirklich chinesisches Essen. An einem riesigen runden Tisch mit drehbarer Glasplatte in der Mitte. Alle Speisen werden dort serviert und jeder nimmt sich wovon er möchte. Das Konzept gefällt mir sehr. Es gibt viele Leckereien. Leider ist aber auch das meiste mit Fleisch. Also beschränkt sich meine Auswahl etwas. Nach dem Abendessen gehen die meisten noch eine Runde um den Block drehen. Ich bleibe im Hotel und gehe lieber früh schlafen. Ich möchte fit sein und bin von letzter Nach noch müde.
Neuer Tag beginnt mit okayem Frühstück. Anschließend fahren wir durch die Stadt zur Kung Fu Show / Turnier. (Wieder im Kofferraum.) Wir sind mal wieder die Stars. Alle wollen Fotos mit uns machen. Alle starren uns an. Viele haben noch nie Ausländer gesehen. Wir betreten die recht große Hallo. Hunderte von Kindern und auch einige Erwachsene stehen aufgereiht auf dem Parkett. Wir bilden eine dieser Reihen. Dann beginnt die Show mit ein paar Reden. Anschließend werden wir zur Seite verwiesen und einige sehenswürdige Perfomances werden dargeboten. Wir wärmen uns für unseren kommenden Auftritt ein wenig auf und schauen dem Spektakel zu. Dann eine Planänderung. Wir fahren zurück zum Hotel, wir werden wohl erst Nachmittags unser Können vorführen. Also die leichte Aufgeregtheit für später aufheben. Aus irgendeinem Grund bleiben wir nicht um uns die anderen anzuschauen.
Bis zum Mittagessen vertreiben wir uns die Zeit mit einkaufen und im Hotelzimmer gammeln. Chinesisches Fernsehen ist auch nicht groß anders als in Deutschland. Das Mittagessen ist wieder aufwendig wie das Abendessen. Ein Festmahl. Zu viel für uns. Eine Reste bleiben übrig. Wir sollen startklar im Hotelzimmer warten, bis wir gesagt bekommen, dass es losgeht. Unser Mittagsschlaf wird unterbrochen. Wir treffen uns in Andis Zimmer zu einem Meeting. Wieder mal Neuigkeiten für uns. Wir dürfen nicht am Wettkampf teilnehmen. Die Polizei, die lokale Regierung oder so, hat etwas dagegen, dass Ausländer hier Kung Fu performen. Der vorgeschobenen Grund ist, dass sie Angst um unsere Sicherheit haben, dass die Chinesen irgendwie komisch mit uns interagieren könnten. Was auch immer. Der eigentliche Grund ist bestimmt ein anderer. Wer weiß. Ein wenig schade. Es wäre spannend gewesen vor einem so riesigen Publikum etwas vorzuführen. Wir hätten ein wenig über unseren eigenen Schatten springen müssen. Als Trost fahren wir in die Schule von Shifus Shifu. Cosmin hat dort für eine Weile Englisch unterrichtet. Die Schule zu sehen finde ich spannend. Immer in den Besonderen Situationen habe ich keine Kamera einstecken oder ich bin nicht motiviert zu Filmen. Die Kinder wirkten glücklich. Der Shifu scheint auch ein sehr guter Lehrer zu sein. Disziplin gepaart mit Wärme und Herz. Das Gebäude ist ganz schön heruntergekommen. Viel dreckiger als unsere Schule. Dort führen wir nun unserer Formen vor kleinem Publikum vor. Die Stimmung ist sehr entspannt. Anschließend bekommen wir von Shifus Shifu noch etwas MeiHuaQuan beigebracht. Ein schöner Fastabschluss des Tages. Dann doch noch mal zur Kung Fu Show. Wir dürfen zwar nicht teilnehmen, aber Zertifikate dafür, dass wir teilgenommen haben, kriegen wir dennoch. Eigenartig. In der Wartezeit modeln wir fleißig weiter. Auf der Rückfahrt werfen wir Jonathan in Zhengzhou raus. Er muss sein Visum verlängern gehen. Die Gelegenheit nutzen wir zum Abendessen. Zhengzhou bei Nacht in einem kleinem Bistro. Die Kleinigkeiten sind die spannendsten Erfahrungen. Die die am nächsten am Leben alltäglichen dran sind.
Endlich wieder zu Hause. So fühlt es sich hier schon an. Ich habe das Gefühl, all das hier mehr wertzuschätzen, nachdem ich wieder andere Teile Chinas gesehen habe.

Kung Fu Kids Changyuan
Kung Fu Kids Changyuan

11.08.16
Wir bekommen unsere Urkunden von unserem „Auftritt“. Das fühlt sich sehr fake an. Ist es ja auch …
Powertraining war heute softer. Wu Shifu ist momentan nicht da. Er dreht angeblich einen Film, bzw. ist für die Kampfszenen verantwortlich. Ich hoffe er kommt bald wieder.

12.08.16
Heute haben wir wieder den großen Berg bestiegen. Der den ich an Tag drei das erste mal erklommen bin. Heute war es ähnlich anstrengend. Ich bin fitter und es war deutlich heißer. Meine Füße tun angenehm weh.
Heute ist eine Show vorm Tempel. Außerdem wird eine Hochzeit im Dorf gefeiert. Die Show ist enttäuschend. Alles ist fake. Trommelmusik wird von Trommelmenschen performt, die nicht trommeln. Das gleiche mit Gitarren. Dann doch noch echte Livemusik. Ein Soloflötenspieler. Nicht gut. Besser doch Musik vom Band. Im Hintergrund laufen eigenartige billig produzierte Visualisierungen. Nach kurzer Zeit gehen wir zurück ins Dorf ein Bier trinken in einer der lokalen „Kneipen“. Wir werden von der Hochzeitsmusik beschallt. Ich fühle mich wie auf einer schlechten Party in Deutschland. Die Lieder kommen mir großteils bekannt vor. Back Street Boys und Schlagerähnliche Musik. Meist in chinesisch gecovert. Es gibt ein Feuerwerk. Die Feier geht gar nicht so lange wie erwartet.

13.08.16.
Ein Tag großteils vorm PC. Eigenartige Youtube Videos schaue ich mir an. Mein Hirn wirkt leicht verwirrt.

Published in China

One Comment

  1. Eva Eva

    Ich mag diese Tagebuch-mäßigen Einträge, mit einem Eintrag pro Tag sehr gerne! Ich hoffe du behältst sie bei. Ich glaube bei Zusammenfassungen würde diese besondere intensive Stimmung, die durch die ganzen Details und die klare Strukturierung der einzelnen Tages-Einträge vermittelt wird, verloren gehen. Danke für deine regelmäßigen Blogeinträge! Es ist so schön in sie einzutauchen und innerhalb eines Augenblicks selbst in China zu sein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.