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Besuch aus Deutschland

Schon wieder ein paar Wochen her, dass ich das letzte mal hier etwas von mir hören lassen habe. Es wird wohl unregelmäßig bleiben. Bleibt gespannt.
Die Bilder in diesem Post stammen von Yi und Tobi, danke euch dafür!

15.08.16
Im Morgengrauen mussten wir heute miterleben wie ein paar Kinder von einer Schule nebenan für irgendetwas bestraft wurden. Erst gab es sehr harte Schläge mit einem Stab auf den Hintern. Fünf Stück pro Kind. Schon nach dem ersten Schlag weinten zwei von ihnen. Anschließend mussten sie mit Füßen erhöht, Liegestützposition halten. Bestimmt 30 Minuten lang. Ich schaffe vielleicht eine Minute. Immer wenn sie zu viel geweint haben, sich beschwerten oder ihre Haltung zu schlecht wurde, gab es weitere Schläge.
Es ist Putztag. Statt Training putzen alle ihren Zimmer. Danach werden noch die Matten mit denen wir trainieren gesäubert. Ich muss noch mal temporär aus meinem Zimmer. Vermutlich für fünf Tage. Ich bin wieder in dem Raum, in den ich schon mal ausweichen musste. Er riecht nicht gut. Im Bad tropft das Wasser und hinter den Tapeten schimmelt es. Ich lasse einfach immer Fenster und Tür auf und den Ventilator laufen. Die paar Tage überlebe ich es wohl.
Ich hatte nun eine Woche Stretchingpause. Sie bewirkte Wunder. Anscheinend ist nicht nur das Fasten besonders wohltuend für die Flexibilität, sondern auch das Ruhen. Abends gab’s mal wieder Geburtstagsfeier und -torte. Heute ist Monkey Alex der Befeierte.

Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi
Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi

16.08.16
Gefühlt mindestens ein mal pro Woche fällt der Strom aus. Manch mal nur kurz, manch mal ein paar Stunden. Ich frage mich ob es sich lohnt so schlechte Stromleitungen zu verlegen und immer wieder einen Elektriker Hand anlegen zu lassen.
Ich bin wieder zuckersüchtig. Zum Glück war ich immer noch kein Geld holen und kann mir kein Eis kaufen.
Nach dem Powerstretching tut mir heute wieder meine Hüfte besonders weh. Ich spüre sie bei jeder Bewegung.

17.08.16
Heute ist der Tag des Geistes. Sowas wie für uns vielleicht Freitag der 13. ist. Deshalb gibt es zum Frühstück keine Pancakes, wie sonst jeden Tag. Die bringen angeblich Unglück. Mal schauen was der Tag mit sich bringt.
Das Unglücklichste was mir heute passiert ist, ist, dass mir eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen ist. Tag fast überstanden. Zähne putzen und ins Bett.

Alter Mann © Yi & Tobi
Alter Mann © Yi & Tobi

18.08.16
Zum Frühstück Stand ich beim Essen an als ich sehe, dass mein Honig nicht am erwarteten Platz ist. Seit gestern ist eine neue Gruppe von neun Amerikanern hier. Ich stelle kurz mein Geschirr ab um ihnen zu erklären, dass die Saucen und Co. Von Schülern gekauft sind und sie sie bitte nicht einfach nehmen sollen ohne zu fragen. Währenddessen sehe ich gerade noch wie meine Chilisauce um einen riesigen Klecks reduziert wird. Die eine entschuldigt sich und meint sie werden dann eigenes kaufen. Ich drehe mich um und will mein Geschirr, das ich vor 10 Sekunden abgestellt habe wieder nehmen und es ist weg. Auch das muss anscheinend geklärt werden. Das Unangenehmste daran finde ich die eigenartige Selbstverständlichkeit, mit der manche Menschen handeln. Dass sie nicht auf die Idee kommen zu fragen, bevor sie sich etwas nehmen. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein Problem.
Heute ist schon eher der Tag des Geistes für mich. Erst die obige Geschichte, dann ist mir wieder eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen. (in dem Bad, das zu meinem momentanen Zimmer gehört, ist immer eine Pfütze) Diesmal war der Schaden am Klopapier größer. Dann beim Powertraining wollte Josh sowohl mich als auch Peter gleichzeitig tragen. Nach drei Metern sind wir alle auf mich gefallen. Jetzt brennt meine aufgeschürfte Haut am Rücken und meine Hose wurde zerstört. Die kleinen Schäden zwischendurch.

19.08.16
Als ich auf dem Gipfel des Dharmabergs angekommen bin, fängt der Regen langsam an stärker zu werden. Nach nur kurzer Zeit auf dem Rückweg, bin ich bis auf die Haut durchnässt. Der hier bisher vielleicht stärkste Regen. Lange ist es her, dass ich durch so einen angenehmen Sommerregen gelaufen bin. Wieder angekommen plantsche ich noch ein wenig und springe dann unter die Dusche. Der Strom mag den Regen anscheinend nicht. Das Abendessen findet im Dunkeln statt.
Manchmal fällt mir auf, dass ich Wortfindungsschwierigkeiten habe. Ich glaube das ständige Wechseln zwischen Deutsch, Englisch und Chinesisch überfordert mein Gehirn immer mal wieder.

Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi
Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi

20.08.16
Ich habe eine erfreuliche Mail erhalten. Für Thailand habe ich nun vermutlich einen Ort an dem ich wohnen und in der Natur arbeiten kann. Ein abgelegener Ort,an dem es kein Strom und kein fließend Wasser gibt. Ich freue mir.

21.08.16
Den Morgen verfolgen einige von uns gemeinsam gespannt den UFC Livestream. Connor McGregor vs. Nate Diaz #2. Spannende Kämpfe. Vor allem der letzte und entscheidende Kampf.

23.08.16
Drei Tage nichts ins Tagebuch geschrieben. Der Alltag geht ohne besondere Vorkommnisse weiter. Die letzten Tage denke ich daran, gerne eine Woche Pause zu haben, um meinem Körper mal wider ein wenig Regenerationszeit zu geben. Ich Plane gerade ein wenig für Thailand.

24.08.16
Nachdem letzten Donnerstag bei meinem kleinen Sturz meine Hose vernichtet wurde, habe ich sie nun geflickt. Erst auf eigene Faust setzte ich die Nadel zu meinem allerersten Nähversuch jemals an. Zum Glück kam irgendwann Peter vorbei und erklärte mir, dass das was ich da mache nicht funktioniere. Da seine Mutter Schneiderin ist, ist er sehr bewandert mit Nadel und Faden. Er zeigte mir wie es besser geht und nun beherrsche ich es auch ein wenig. Hat sogar Spaß gemacht.
Heute Nachmittag habe ich zwei Amerikanerinnen Tai Ji beigebracht. Erneut bereitet mir das lehren Freude. Es ist ein disziplinierter Tag nachdem ich gestern ein sehr beeindruckendes Video gesehen habe. Statt dem Ersten Training meditiere ich nun seit letzter Woche stattdessen ca. eine Stunde. Das ist gut.

25.08.16
Dank Regen ist heute Powertraining ausgefallen. Stattdessen saßen wir im Meditationsraum und Großmeister Mönch, ich weiß seinen Namen immer noch nicht, hat uns eine kurze Zusammenfassung von Buddhas Leben erzählt. Anschließend durften wir ihm alle möglichen Fragen stellen. Ich hatte mal wieder keine Frage. Für mich wurde es zu einer zweistündigen Meditation unter nicht so einfachem Umfeld. Meine Aufgabe bestand darin Verständnis und Mitgefühl für all die Fragen aufzubringen. Das war auch gut.
Bento verlässt heute die Schule. Zum Anlass gab es mal wieder einen Kuchen zum Abendessen. Alle Kuchen bisher schmeckten gleich. Sie bestehen aus einfachem luftigem, sich billig anfühlendem Teig und ganz viel Sahne, verziert mit ein paar Früchten.

26.08.16
Die nun vergangene Woche habe ich jeden Morgen sehr lange meditiert. Immer wieder vergesse ich wieviel Nutzen es mir bringt. Mein Training wird besser, ich fühle mich lebendiger und klarer, alles fällt mir leichter.
Ich habe gestern und heute viel bezgl. Des Thailand Visum recherchiert. Ich hoffe das alles klappt, so wie ich es mir vorstelle. Nicht so leicht fundierte Informationen dazu im Internet zu finden.

Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi
Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi

27.08.16
Ein entspannter Wochenendtag. Heute habe ich viel Chinesisch gelernt. Außerdem möchte ich anfangen Thai zu lernen. Ich hoffe mein Gehirn wird mit vier Sprachen gleichzeitig irgendwie zurecht kommen. Auch hierbei ist die Meditation wieder sehr hilfreich.

28.08.16
Ich verbringe einige Zeit mit Recherche und Organisation meiner kommenden Pläne. Ende September werde ich eine Woche mit Christian nach Peking fahren. Mit ihm verstehe ich mich gerade sehr gut. Ich freue mich auf die kurze Inlandsreise. Zwei Wochen davor, werden wir vermutlich auf einen besonders tollen Berg hier in der Nähe fahren. Ich weiß den Namen gerade nicht.

29.08.16
Liebes Tagebuch, gerade vernachlässige ich dich mal wieder. Manchmal trage ich Tage nach, weil ich keine Muse habe etwas in dich reinzuschreiben. Auch das vergangene Wochenende habe ich es nicht geschafft dich im Internet zu veröffentlichen.

30.08.16
Heute sind Yi und Tobias angekommen. Sie werden knapp drei Tage zu Besuch hier sein. Ich habe die beiden letztes Jahr bei einer Aufnahmeprüfung für ein Animationsstudium in Ludwigsburg kennengelernt. Seit dem hatten wir keinen Kontakt mehr, bis mich vor ein paar Wochen Yi auf Facebook angeschrieben hat. Das war eine große Überraschung. Manchmal werden wohl doch Kontakt wieder aufgenommen, an die man nicht gedacht hätte.
Es war die ersten Momente leicht eigenartig, dass sie hier sind, dann war es für mich aber sehr schnell sehr angenehm. Da es für mich hier gefühlt mein Zuhause ist, fühle ich mich für sie verantwortlich. Ich bin ja auch quasi der Gastgeber. Mit dieser Situation komme ich auch immer besser klar. Es ist zwar ein leichter Stress für mich, aber ich übe mich darin. Wir haben einen sehr schönen Tag verbracht. Wir waren ein wenig spazieren und auf dem Dharmaberg, ich habe Tobias die erste Shaolinform beigebracht, während Yi uns dokumentierte. Und Abends haben wir noch einen sommerlichen Nachtspaziergang gemacht, bei dem wir am Ende noch auf eine Kung Fu Vorführung einer anderen Schule hier im Dorf gestoßen sind. Es ist doch immer wieder spannend diese beeindruckenden Kinder performen zu sehen. Jetzt bin ich ein wenig erschöpft. Auch Kommunikation kostet mich Energie.

Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi
Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi

31.08.16
Der zweite Besuchstag ist vorbei. Heute haben wir weiter zusammen Kung Fu trainiert. Nun hatte auch Yi die Lust gepackt und sie hat mitgemacht. In nur einem guten Tag habe ich den beiden die erste Shaolin Form WuBuQuan beigebracht. Manch andere brauchen deutlich länger die Form zu lernen. Es war Gradingtag. So wie Ende jeden Monats. Alle haben ihre gelernten Formen präsentiert. Auch Yi und Tobi haben WuBuQuan performt. Ich fand es super, dass sie sich getraut haben. Ich glaube sie hatten viel Spaß beim Lernen und Demonstrieren.
Ich merke, dass ich mich manchmal ein wenig sozial unfähig fühle. Fast einen ganzen Tag lang das Gefühl zu haben verantwortlich für jemanden zu sein schlaucht mich. Das habe ich glaube ich gestern schon geschrieben. Naja, scheint wohl so zu sein. Ich habe gerne meine Freiheit und das ich hauptsächlich nur auf mich achten muss.
Mein Kopf ist überladen. Ich merke meinen Rücken sehr. Fühle mich verspannt. Ich freue mich aufs Wochenende.

01.09.16
Statt Morgentraining gehen wir zu dritt in den Shaolin Tempel. Yi und Tobi haben dort gestern ein paar Mönche kennengelernt, denen sie versprochen haben sie heute zu zeichnen. Eine gute Gelegenheit auch mal wieder einen Stift in die Hand zu nehmen und meine eingerosteten Zeichenfähigkeiten aufzufrischen. Die beiden haben’s ganz schön drauf. Ich bin sehr angetan von ihren Künsten. Ich versuche mich davon nicht demotivieren zu lassen, sehe neben ihnen aber ganz schön unfähig aus. Auch einer der Mönche hat mich gezeichnet. In nur drei Minuten hat er eine sehr coole Skizze von mir gemacht.
Gerade sind die beiden weggefahren. Wir sind noch unser letztes Eis essend zusammen zur Bushaltestelle gelaufen. Als sie dann außer Sichtweite waren fühlte ich mich auf ein mal sehr traurig. Nicht mal als ich von Deutschland abgeflogen bin habe ich mich so traurig gefühlt. Zwei Menschen die ich kaum kenne besuchen mich hier. Das rührt mich. Die beiden waren so lieb und ich habe mich von ihnen so unglaublich bedingungslos akzeptiert gefühlt. Ich glaube damit konnte ich nicht ganz umgehen. Sie haben manch Qualitäten die ich für mich noch nicht so zulassen kann, wie ich es mir wünsche. Danke Yi und Tobi für den tollen Besuch.
Hier gibt es noch zwei links zu deren Websites:
Yinfinity
Tobias Pinegger

Seit nun mehr als drei Stunden brennt mal wieder Müll im Dorf ab. Ich krieg den Geruch nicht mehr aus der Nase. Es macht mich ein wenig schummerig. Vielleicht es auch nur Einbildung.

04.09.16
Ich habe mich spontan dazu entschieden noch ein mal sieben Tage nichts zu essen. Ich habe wieder das Bedürfnis danach.

Published in China

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