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Monat: Oktober 2016

neue Experimente

02.10.16
Ein ruhiger Tag mit vielen Videos und Meditation. Jeden Tag etwas lernen macht Spaß. Nun habe ich wieder die kalte Dusche eingeführt. Ich weiß garnicht, warum ich das die ganzen letzten Monate wieder sein lassen habe. Vielleicht war es einfach zu warm. Es fühlt sich jedenfalls unglaublich gut an unter eine kalte Dusche zu springen. Die ersten Schocksekunden überstehen und dann ist es wunderbar.

03.10.16
Ich werde nun ein neues Experiment durchführen. Nachdem die letzten drei Wochen ohne Frühstück sehr positiv verlaufen sind, werde ich es nun noch etwas extremisieren. Am Wochenende habe ich schon nur Abendessen gegessen, jetzt probiere ich es auch unter der Woche aus. Eine Mahlzeit pro Tag. 23 Stunden fasten.
Der Tag verlief gut. Ich hatte viel Energie und das Mittagstief ist verhältnismäßig schwach ausgefallen. Heute gab es keinen Mittagsschlaf für mich. Das Training war normal, nicht besonders anstrengend heute. Nachmittags hat Alex mir Taji Spiele gezeigt. Das war gut. Ich möchte möglichst viel über Taiji lernen. Er hat mir einiges an neuem Input gegeben.

Trainingsplatz Wangzhigou
Trainingsplatz Wangzhigou

04.10.16
Ein weiterer Tag mit nur einer Mahlzeit ist vorbei. Ich fühle mich sehr gut, klar, stark, entspannt und glücklich.
Eben hatte ich das erste mal die Realisation, dass ich in gut drei Wochen wirklich weg von hier gehe.

07.10.16
Schon wieder vernachlässige ich das Schreiben. Das nun nur eine Mahlzeit pro Tag essen läuft bisher sehr gut. Sieben Tage mache ich das nun schon. Ich habe den ganzen Tag über viel Energie. Ein Mittagsloch existiert nur noch viel schwächer. Ich bin sehr klar und fühle mich oft sehr high. Sogar nach dem Essen Abends. Das macht mich meistens nochmal gut glücklich. Obwohl ich es Abends mit dem essen immer total übertreibe und fast die Menge esse, die ich sonst an einem ganzen Tag verspeise, habe ich das Gefühl, dass es so viel gesünder ist. Mein Körper hat nun jeden Tag ausgiebig Zeit sich zu erholen und zu regenerieren. Aus Gewohnheit trinke ich nur Wasser. Das ist bestimmt auch noch mal förderlich für den Heilungsprozess.

09.10.16
Seit gestern morgen, nachdem ich mit meinem Papa geskypt habe, tut mein Nacken weh. So als ob ich mir einen Nerv eingeklemmt habe. Ich wollte eigentlich gestern schon ein Video über Tai Chi machen, hab es dann auf heute verschoben, in der Hoffnung, der Schmerz ist heute wieder weg. Es ist beim Hoffen geblieben. Es ist ein mir altbekannter Schmerz. Ich hatte ihn lange nicht mehr. Vielleicht hat er etwas mit der Kälte zutun, die langsam wieder eintritt. Noch gut zwei Wochen, dann geh ich weiter in den Süden.
Dennoch hab ich heute ein Video aufgenommen und bearbeitet. Die letzten Tag habe ich mir viel von Casey Neistat angeschaut. Ich mag seine Videos, auch wenn sie größtenteils nur Unterhaltung sind. Seine Art Videos zu machen ist irgendwie faszinierend und inspirierend. Mein nun heute bearbeitetes Video hat ein paar Dinge von ihm angeguckt.

Youtuber die mein Leben verändert haben, bzw. Leute, die von denen Videos auf Youtube zu finden sind. Bestimmt habe ich ein paar vergessen (chronologische Reihenfolge):
Elliot Hulse
RSD Tyler
Eckhart Tolle
OSHO
Käptn Peng
Casey Neistat

10.10.16
Peter war am Wochenende in Zhengzhou in der Metro einkaufen und hat mir Erdnussbutter mitgebracht. Njamnjam. Danke Peter.
Klicke mich durch Youtube auf der Suche nach etwas. Das meiste, das ich finde ist Unterhaltung. Oder doch etwas Mehrwert? Ich möchte mehr kreieren. Ich fühle mich noch etwas eingeschränkt hier. Bald werde ich in die Freiheit entlassen. Oder ist auch das nur ein Vorwand? Ich denke nicht wirklich.
Ich möchte nicht in den Strudel der Belanglosigkeiten gezogen werden. Mit viel Aufwand habe ich mich daraus größtenteils befreit. Ist etwas noch belanglos, sobald es jemandem schöne Gefühle bereitet? Kann Konsum belangreich sein?
Ich mag Casey und andererseits widerstrebt mir einiges in seinem Leben. Sein Leben aus dem ich nur einen Ausschnitt zu sehen bekomme.
Stadt oder Land? Beides hat Vorteile. Stadt ist viel. Befüllt den Geist. Bunt. Input, Output, Publikum, laut, dreckig, Kultur, Vielfalt.
Es ist schon wieder spät. Im Hintergrund läuft ein Song „Still can’t fall (a sleep)“ Es ist die Zeit nach meinem täglichen Essen. Die Hauptverdauung ist vollbracht und ich bin voller Energie.
Ich muss ins Bett, zuvor noch eine kurze Meditation. Sie wird meinen Schlaf erleichtern. Ich muss mich mal filmen, wie ich manchmal an meinem Laptop hänge und schreibe. Absurd.

Liste der Dinge die ich brauche:
mehr Speicherplatz für Videomaterial
Geld wäre hilfreich, lässt sich organisieren.

Ich freue mich über die Kürze der Liste.

Wanzhigou Kung Fu Dorf
Wanzhigou Kung Fu Dorf

13.10.16
Wir hatten abends mal wieder ein Meeting mit Shifu. Die nächsten drei Tage wird es ein großes internationales Martial Arts Festival im Shaolin Tempel geben und die Polizei wird uns an diesen Tagen nicht aus dem Dorf lassen. Wir sollen wohl keine „Probleme“ bereiten. Das betrifft aber wohl nicht nur uns, sondern das ganze Dorf. Für mich kein Problem, ich bleibe eh meistens hier.
Der zweite Teil der Besprechung war nur für alte Schüler. Shifu hat uns gesagt wie wichtig es ihm ist, dass es uns gut geht und uns das Training gefällt. Er wollte ein kurzes Feedback von uns hören und hat jedem von uns auch ein persönliches gegeben. Ich bin ihm mal wieder sehr dankbar für die Freiheiten, die er uns gibt und die Art wie er ist. Es ist sehr schwer einen besseren Meister als ihn zu finden.

14.10.16
Keine Lust zu schreiben. Ich überwinde mich dennoch. So wie mit der kalten Dusche. Erst habe ich keine Lust, dann durchziehen und danach besser fühlen. So auch heute das Training. Es war mal wieder ein recht hartes Kung Fu Basics Training. Wenig Pause zwischendurch, viel schnell. Es war kalt, wir mussten warm werden. Das ist gelungen.
Ich habe im Moment viel mit Cosmin zu tun. Da das Internet in seinem Zimmer nicht funktioniert hat, saß er nach dem Abendessen eine ganze Weile bei mir und hat WoW gespielt. Ich träume immer noch ab und zu von dem Spiel. Bin aber nicht mehr leicht zu verführen. Es reizt mich kaum noch. Aber ich muss dennoch etwas Energie aufwenden, um mich nicht wieder in den Sog mitreißen zu lassen.

16.10.16
Das Wetter war toll. Es ist noch ein mal sommerlich geworden. Den ganzen Tag habe ich damit verbracht ein neues Video zu produzieren. „One Meal a Day“ Mein neues Experiment. Es fühlt sich sehr gut an etwas zu produzieren, zu kreieren. Mit dem Thema erhoffe ich mir auf einen viral Youtube Trend aufzuspringen und ein paar mehr als nur 50 Views in der ersten Woche zu bekommen. Ich merke, dass mein Ego nach dieser Youtubeaufmerksamkeit strebt, giert. Dass ich jetzt schon Werbung auf meinem Kanal aktiviert habe, ist vielleicht etwas lächerlich, aber auch mit diesem Gefühl möchte experimentieren. Jedes mal auf neues ist es aufregend ein neues Video hochzuladen. Laber ich nur Unnützes? Interessiert es Leute? Ich möchte gerne etwas von meinen Erfahrungen teilen. Wenn ich dabei noch ein paar Cent durch Werbung verdiene erfreut mich das. Ich habe kein wirklich schlechtes Gewissen mit der Werbung. Entweder haben die Leute einen Werbeblocker oder sie sind die Werbung sowieso schon gewohnt.
Seit dem Mittag bin ich ungewöhnlich fertig und Müde. Abends gibt es heute wieder besonders viele Süßigkeiten. Ich sitze noch bis tief in die nach an dem Video. Lange gab es nichts mehr, das mir wichtiger war als Schlaf.

bunter Hund
bunter Hund

17.10.16
Gerade mal vier bis fünf Stunden Schlaf habe ich abbekommen. Ich fühle mich wacher als die letzten Wochen. Vielleicht sollte ich wieder mit meinem Schlaf experimentieren. Es ist Mittag und ich bin gerade besonders gut drauf. Ein kurzer Powernap in der Sonne. Thomas hat sich bei mir bedankt, dass ich ihm so gut Tai Chi beigebracht habe und meinte, dass er es ohne mich nicht so schnell gelernt hätte. Das hat mich etwas gerührt. Ich mag Thomas. Er ist auch eher ein Einzelgänger. Er redet nicht viel, stört nicht, ist etwas nerdig. Das sind tendenziell Charakterzüge, die ich an Leuten mag.
Ohh, gerade mal 11 Views nach ca. 6 Stunden.
Ich hab eine Fehler beim Uploaden gemacht. Alles nochmal hochladen. Nach einer Stunde und 70% Upload, fällt das Internet aus. Arghhhh. Ruhe bewahren. Es gibt noch zwei andere Netzwerke hier in der Schule. Beide ausprobiert, beide funktionieren nicht. Also wohl etwas meditieren. Kein Internet ist schlimmer als keinen Strom zu haben. Falls Internet keinen Strom bräuchte.

19.10.16
Gestern und heute lernen wir eine neue Form. Zumindest diejenigen, die wollen. Baji Xiao Jia. Da Jonathan am Freitag geht und nur er die Form kennt, wollte Shifu, dass er sie uns noch schnell beibringt. So schnell habe ich noch nie so viel neue Bewegungen gelernt. Sehr energetische, kraftvolle Moves. Ich habe auf einmal einen Schmerz in der rechten Seite meines Nackens, den ich die ganze letzte Woche auf der linken Seite hatte. Vielleicht ein gutes Zeichen? Ich möchte es zumindest so interpretieren.

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Kung Fu, Fasten, Wandern

Danke an Christian für diese Aufnahme. Weiter unten gibt es noch ein weiteres Video.

05.09.16
Ein weiterer erster Fastentag. Schon wieder wird Müll verbrannt. Ich hoffe das wird nicht zur neuen Gewohnheit hier. Heute habe ich Yis sehr schönes Comicbuch „Running Girl“ gelesen. Eine sehr kurze aber sehr stimmungsvolle Geschichte.
Ich fühle mich auch ohne essen sehr fit. Bin aber nur ein paar kleine Runden gelaufen und habe ein wenig Taiji gemacht.

06.09.16
Wir haben nun erfahren, dass unsere jungen Meister Hai Han und Li, welcher kaum noch da war in letzter Zeit, nun zur Armee gehen mussten. In China dauert der Wehrdienst angeblich mindestens zwei Jahre. Einen Abschied von ihnen gab es nicht. Ich hoffe besonders für Hai Han, dass es ihm gut ergehen wird und seine Leichtigkeit und Glücklichkeit nicht zerstört werden.

07.09.16
Gerade überkommt mich eine Unglücklichkeit und Ungewissheit. Ich denke heute sehr viel an die Zukunft. Wie es alles wird und was mir am besten tut. Es ist wieder ein Moment in dem ich nicht mehr unbedingt hier sein mag. Nun würde ich gerne in Deutschland sein. Sobald ich aber wieder zurück nach Deutschland gehe, kommt automatisch auch wieder der Geldgedanke. Vielleicht ist es eine kleine Fastenkrise. Ich weiß gerade nicht, was ich möchte. Wie immer versuche ich mir zu sagen: auch das geht vorbei.
20 Minuten später. Schon fühle ich mich wieder sehr gut. Nach ein wenig Bewegung sieht die Welt wieder ganz anders aus. Ich bin wieder mehr im Moment.

09.09.16
Diesmal ist das fasten noch einfacher als beim letzten mal. Ich habe zwar auch meinen Computer behalten und deutlich mehr Ablenkung als zuvor, aber dennoch habe ich das Gefühl mich schon gut an den Status gewöhnt zu haben. Gestern Abend wurde es wieder etwas spannender. Ich habe dynamische Atmungen und Bewegungen ausprobiert und konnte wieder einige Stellen in meinem Körper, zumindest temporär, befreien. Ich fühle mich wieder besonders entspannt. Wenn ich mein Fasten breche, werde ich eine Zeit lang intermittierendes Fasten ausprobieren. Ich glaube, das könnte mir gut gefallen und gut tun. Das bedeutet zwischen der letzten und ersten Mahlzeit eine Pause von ca. 16 Stunden zu haben. Ich werde also das Frühstück jeden morgen ausfallen lassen Solange ich hier in der Schule bin, heißt das jeden Tag 17 Stunden nichts zu essen. Also jeden Tag ein kurzes Fasten. Es ist sehr klar bewiesen, dass wenn man allgemein weniger isst, man länger und gesünder lebt. Außerdem ist es gut dem Körper mehr Zeit zu geben, indem er sich regenerieren kann und nicht verdauen muss, da die Verdauung einen Großteil unserer täglichen Energie benötigt.

10.09.16.
Gestern habe ich mich den ganzen Tag über sehr schwach gefühlt. Abends dann, hatte ich auf ein mal viel Energie. Da lag ich schon im Bett und das Schlafen fiel schwer. Ich habe seit gestern Nachmittag ab und zu einen altbekannten Drogengeruch in der Nase. Vielleicht lösen sich gerade Reste aus meinen Nasennebenhöhlen, die seit Jahren dort festsitzen. Vielleicht habe ich auch deshalb so viel Energie. Oder Einbildung? Wer weiß … Ich werde vermutlich heute oder morgen das Fasten schon abbrechen. Ich habe keine Lust mehr.

Aussicht Huashan Gebrige
Aussicht Huashan Gebrige

12.09.16
Es ist der dritte Abend des wieder Essens. Ich liege im Bett und lausche dem strömenden Regen und Gewitter. Eben bin ich gerade noch einer Sahneschlacht entkommen. Es war mal wieder Geburtstag. Noch bleibe ich dem Zucker fern. Ich fühle mich sehr klar und leicht. Das Fasten hat mir wieder sehr gut getan. Meinem Essen widme ich viel Aufmerksamkeit und Zeit, kaue langsam und ausgiebig, versuche Unterhaltungen während des Essen auf das Nötigste zu reduzieren. Ich werde nun weiterhin erst mittags meine erste Mahlzeit zu mir nehmen und meinem Körper dadurch mehr Verdauungs- und Regenerationspausen gönnen.

14.09.16
Statt Powerstretching habe ich heute mit Christian Yoga gemacht. Es war auch hauptsächlich Stretching, aber viel besser es alleine mit Gefühl zu machen, als wenn ich zwei andere Leute dehnen, die nicht auf die Feinheiten achten und nicht in deinem Körper stecken. Es tat unglaublich gut. Gepaart mit viel Meditation der letzten Tage habe ich nach dem Mittagsschlaf einen massiv angenehmen Muskelkater im Rücken und irgendwie im Inneren gehabt. Meine Haltung fühlt sich gerade besonders gut an. Nächsten Dienstag wieder. Danke Christian.
Vor dem Abendessen kam ein Backpackerpärchen an, das eine Nacht hier verbringen wird. Sie sind nun schon seit acht Monaten per Anhalter unterwegs. Angefangen haben sie in Polen. Sie haben ein paar Storys erzählt. Sie wirkten ganz schön geschafft. Ich glaube So etwas kann eine tolle Erfahrung sein, aber man kommt zwischendurch kaum zur Ruhe. Ich habe dann nicht viel nachgefragt und mich wieder verkrochen. So sehr bin ich dann doch nicht an Geschichten interessiert.

15.09.16
Heute starten wir einen Kurztrip zum Huashan. Ein Berg ca. drei Stunden von hier entfernt. Es ist Feiertag in China und drum fahren wir besonders früh los, da es angeblich viel Verkehr geben kann. Der erste Teil unserer Fahrt ist per „Taxi“ nach Luoyang. Es ist eine recht spannende Fahrt durch arme, ländliche Regionen. Alles wirkt sehr einfach und sehr dreckig. Die Fahrt ist angenehm, da alle kein wirkliches Bedürfnis haben sich zu unterhalten.
In Luoyang angekommen fühlt es sich wieder westlicher an. Der Bahnhof ist sauber und gut organisiert. Wenn man in China Bahn fährt, muss man wie beim Flugzeug sein Gepäck und sich selbst durchleuchten lassen. Anschließend sitzt man dann in einer Wartehalle bis man zum Einsteigen aufgerufen wird. Dadurch sind die Bahnsteige immer sehr leer. Das wirkt etwas geisterhaft. Das System ist bei großen Bahnhöfen bestimmt sinnvoll, auch wenn ich den Sicherheitscheck ein bisschen übertrieben finde.
Da wir viel zu früh losgefahren sind, sitzen wir noch drei Stunden in einem Bahnhofs Cafe. Die Atmosphäre ist super entspannt. Ich mag unsere Reisegruppe von momentan noch sieben Personen. Sobald wir in den Zug steigen werden wir erstmal nur noch drei Leute sein. Zwei weitere kommen dann einen Tag später nach.
Angekommen in Huashanbei werden wir direkt von einer alten Frau überfallen, die uns Handschuhe verkaufen will, erst später verstehen wir warum es hier überall diese Handschuhe gibt. Anschließend kommt direkt ein Taxifahrer zu uns. Beide können wir nur mit Mühe abwimmeln. Wir möchten uns selber unseren Fahrer aussuchen. Wir stehen vor unserem Hotel. Direkt vor dem Eingang ist eine kleine Kohleverbrennungsanlage. Die Luft ist deutlich schlechter als beim Shaolin Tempel. Das Gebäude ist etwas runtergekommen. Als wir unser Zimmer betreten, ist es allerdings ganz okay. Das Personal ist sehr angenehm und wir verständigen uns mit dem Nötigsten.
Wir machen uns auf die Suche nach einem Supermarkt um uns Proviant die die nächsten Wanderungstage zu beschaffen. Der Smog hat sich etwas gelichtet. Nun sehen wir sogar etwas vom Berg. Schon wieder kommt eine Frau an und will uns Handschuhe verkaufen. Diese ist die wohl hartnäckigste Verkäuferin, die ich bisher jemals gesehen habe. Sie ist uns ca. einen Kilometer lang hinterher gelaufen während sie versuche uns zum Kauf zu überreden. Auf dem Rückweg vom doch recht weit entfernten Supermarkt gehen wir in ein Restaurant und essen höchst schmackhaftes chinesisches Essen. Unsere nun kleinere Gruppe von nur noch Christian, Julien und mir ist immer noch angenehm. Huashanbei wirkt ähnlich unspektakulär wie Dengfeng und Changyuan, die einzigen Städte die ich bisher wirklich gesehen habe. Hier scheint sehr viel vom Tourismus zu leben.
Ich hatte den ganzen Tag keine Lust Fotos und Videos zu machen. Das hätte nur noch mehr Energie gekostet. Da mein Chinesisch noch am besten uns ist, übernehme ich immer die Kommunikation. Raus aus der Komfortzone. Auch das trägt zu meiner Müdigkeit bei, aber ich lerne viel. Das Reisen ist immer sehr anstrengend für mich. Anstrengender als Training. Ich fühle mich wohlig fertig und freue mich aufs Bett.

Liebesschlösser Altar
Liebesschlösser Altar

16.09.16
Nach drei Stunden berg auf wandern, machen wir eine Pause. Wir sind auf dem ersten Gipfel angekommen. Einen gut schnellen Gang hatten drauf. Belohnt werden wir mit einer wunderbaren, relativ klaren Aussicht und leider einer Horde Chinesen. Da hätte ich lieber einen weniger spektakulären Ort, der ruhiger ist. Ein bisschen habe ich mich allerdings schon an die Menschenfluten gewöhnt. Manchmal kann ich sie ausblenden. Hier lassen uns die Menschen aber glücklicherweise mehr in Ruhe als beim Shaolin Tempel. Noch kein einziges Foto wollten sie bisher mit uns machen. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier eher Leute mit Geld sind, da man Eintritt für den Berg zahlen muss. Und wenn man mit der Seilbahn fährt ist es noch mal teurer.
Endlich hat doch noch jemand ein Foto mit mir gemacht. Das war dann sogar Motivation für mich, auch meine Kamera auszupacken. Auf dem Rückweg zu fotografieren war angenehm. Da hab ich alles schon ein mal ohne den den Fotografierdruck entspannt wirken lassen können. Und kann mich nun leichter den Fotos widmen. Am Fuß des Bergs sprachen uns zwei Mädels an, die uns dann noch eine Weile gefolgt sind. Das war meine bisher längste Unterhaltung auf Chinesisch. Ein bisschen Hilfe einzelner englischer Worte haben wir doch noch gehabt.
Zurück im Hotel. Julien und ich sind ohne Christian zurück. Er wollte noch etwas weiter wandern. Morgen ist ein weiterer Tag and wir den Rest erkunden möchten. Der Rückweg war deutlich angenehmer und schneller. Nach nun neun Stunden unterwegs sein, bin ich wieder gut erschöpft. Licht aus.

17.09.16
Gestern Abend sind Willen und Ream zu uns gestoßen. Als nun größere Gruppe gönnen wir uns heute den Luxus der Seilbahn und laufen dann von Gipfel zu Gipfel, was wir gestern nicht mehr gemacht haben. Es sind ein bisschen weniger Menschen als den Tag zuvor. Abends gehen wir noch mal in das gleiche, uns so begeisternde, Restaurant von Donnerstag.

Minitempel auf Huashan
Minitempel auf Huashan

18.09.16
Home sweet home. So fühlt es sich an wieder in der Schule anzukommen. Das kleine aufregende Abenteuer ist vorbei und ich befinde mich wieder in der sicheren Zone. Ich fühle mich mittlerweile sicherer in der Kommunikation auf Chinesisch und habe das Gefühl mich nun besser durchschlagen zu können. In den letzten Tagen konnte ich meine Sprachkenntnisse oft unter Beweis stellen. Auf der Rückfahrt von Huashanbei zum Shaolin Tempel haben wir von Luoyang aus ein „Taxi“ genommen. Ein Typ hat uns angesprochen und gefragt, ob er uns fahren kann. Es war sogar günstiger als die von unserem Meister hinzu organisierte Fahrt. Nur 300 Kuai, ca. 40 € für eine mehr als eine Stunde Autofahrt für 5 Personen.
Es gibt in China ein paar Gerüche, die ich bisher noch nirgendwo sonst gerochen habe. Allerdings sind sie nicht gerade positiv. Meist sind sie mit Müll und Fäkalien verbunden.

19.08.16
Wir haben zwei neue Shifus, zumindest temporär. Vielleicht bleiben sie nur eine Woche. Es sind Freunde unseres Shifus. Shifu Wu und Shifu Liu. Sie machen einen angenehmen Eindruck. Ich glaube Shifu Wu ist etwas strenger.

China Luoyang
China Luoyang

20.09.16
Heute fühle ich mich etwas faul und freue mich darüber nur entspanntes Training zu machen. Gerade machen wir fast nur Formen, da diese Woche die zwei Meister da sind und wir die Gelegenheit nutzen sollen etwas von ihnen zu lernen. Der eine Meister raucht, der andere ist dick und recht „chinesisch“, hab ich zumindest das Gefühl. Damit meine ich, er ist nicht so offen und westlich, spuckt auf den Boden und mag Disziplin.

21.09.16
Ich habe den einen neuen Meister wohl etwas falsch eingeschätzt, er scheint wohl doch recht angenehm und nicht zu streng zu sein. Trotzdem spuckt er dauernd auf den Boden.
Mir wurde mitgeteilt, dass es doch so etwas wie Erdnussbutter in Dengfeng zu finden gibt. Dem werde ich nachgehen!
Ich habe mich nun dafür entschieden doch nicht mit Christian nach Beijing zu fahren. Die kleine Reise letztes Wochenende war erstmal wieder genug Stress, Geld, schlechte Luft und Zugfahrt für die nächsten Wochen. Bis Hongkong und dann Thailand ist es auch nicht mehr lange hin. Ich freue mich schon sehr drauf.

22.09.16
Okay der eine Shifu ist doch etwas komisch. Morgen sind die beiden den letzten Tag da. Nun sind es nur noch fünf Wochen die ich hier sein werde. Die Zeit vergeht im Fluge. Obwohl ich so fit wie noch nie in meinem Leben bisher bin, bin ich nicht so fit wie ich erwartet hätte nach dieser Zeit zu sein. Ich fühle mich oft ein wenig unmotiviert und matsch und nicht voller explosiver Energie. Christian wird Montag gehen. Damit fällt mein Hauptgesprächspartner weg. Ich werde ihn bestimmt später mal besuchen.
Seit nun zwei Wochen habe ich nichts vor ca. 12 Uhr gegessen. Das läuft ausgesprochen gut. Ich fühle mich morgens nicht hungrig und habe viel Energie. Ich habe das Gefühl das intermittierende Fasten wird mich noch eine lange Zeit begleiten. Es fühlt sich gesund an.

China Huashan
China Huashan

23.09.16
Diesen morgen sind wir in den Shaolin Tempel gegangen. Die Afrikaner hatten dort heute ihre Abschlussfortführung. Erst wollten sie uns nicht kostenlos in den Tempel lassen, obwohl wir unsere Kluften getragen haben, anschlie0end gab es weitere Verwirrung, wo, wie und wann es stattfinden wird. Nach längerem hin und her und vielem Warten, gab es dann doch noch eine recht ausführliche Zeremonie mit vielen Shaolinmeistern und -oberhäuptern. Das Warten lohnte sich. Die Vorführung war beeindruckend. Am Ende performten dann noch chinesische Kungfuler – ich bekam Gänsehaut. Es war die vielleicht bisher beste Kung Fu Performance, die ich je gesehen habe.

26.09.16
Ist das Wochenende Spektakuläres vorgefallen? Anscheinend hat nichts es in mein Tagebuch geschafft. Heute ist Christian abgereist. Es war eine schöne Zeit mit ihm. Er war der mit Abstand beste Schüler in Sinne seiner Performance. Shifu hat ihm zum Abschied sogar ein Schwert geschenkt. Ich freue mich für ihn.
Es ist ein regnerischer Tag und nach unseren morgendlichen Kicks, die heute seit langem mal wieder sehr viele waren, war es das auch schon mit Training. Es gab eine Besprechung und nachmittags eine lange Meditation mit anschließendem Qigong. Das tat sehr gut. Könnte meinetwegen öfter sein.
Heute Abend habe ich mich für kurze Zeit verliebt gefühlt. Es war ein mir aufregendes bekanntes Gefühl, das allerdings nicht wirklich an eine Person gerichtet war, sondern mehr ins Nichts hinein.
Ich habe mich gestern und heute sehr angenehm mit Cosmin unterhalten. Es tut gut jemanden hier zu haben, mit dem ich mich über spirituelle Themen austauschen kann und alles erzählen kann, ohne komisch angeschaut zu werden. Nun wird er erstmal wieder eine Woche schweigen. Er möchte mit den anderen nicht kommunizieren und führt deshalb den Stillemodus für sich ein.

Touritempel auf Huashan
Touritempel auf Huashan

29.09.16
Heute ist wieder ein „Recyclingtag“ im Dorf. Nach dem Aufwärmrunden des Powertrainings frage ich Shifu ob ich alleine ins Grüne gehen kann und für mich trainieren. Dort war dann auch die Luft besser. Vermutlich habe ich mich nicht so sehr gepusht, wie wenn ich in der Gruppe geblieben wäre, aber es war auch gut.

30.09.16
Nur noch vier Wochen. Rasant verschwindet sie im Vergangenen. Die Zeit.
Heute hatte ich mein wohl letztes Grading hinter mir. Ich fühle mich immer wohler mit meinen bisher erlernten Formen, doch ist noch unendlich viel Luft nach oben offen um mich zu verbessern. Ich habe erstaunlich viel Lob für mein Taiji gekriegt. Ich muss es wohl mal filmen.

01.10.16
Ein Wochenendtag. Ich esse seit gut einer Woche wieder Zucker. Es ist eine schlimme Sucht. Dafür gibt’s dann Samstag und Sonntag nur Abendessen. So kann mein Körper ein bisschen entgiften und regenerieren.

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