Skip to content →

China ist zu Ende – ein wenig Hongkong

Wow, einen Monat alter Text. Es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich hier etwas veröffentlicht habe … heute gibt es etwas Nachholbedarf. Die letzten Wochen möchte ich allerdings in einem eigenen Beitrag veröffentlichen. Das passiert die kommenden Tage.

21.10.16
Peter hat mich gerade massiert. Mein linke Schulter ist hart wie Stein. Vor allem seit nun fast zwei Wochen ist es schlimmer geworden. Die Massage war sehr schmerzhaft, aber gut. Peter hat Ahnung von dem was er da drückt und macht. Sehr cool.

23.10.16
Kurz vor Veränderungen scheine ich immer noch mal besonders faul zu werden. Das ist jetzt kurz vor der Abreise und war auch kurz bevor ich nach China gefahren bin.
Wenn ich in die letzten Wochen und Monate zurück blicke war der aufregendste Tag der, an dem ich mein letztes Video produziert habe. Dieses Wochenende habe ich hauptsächlich unproduktiv vor dem Computer verbracht. Noch drei Tage Training, dann geht’s los!

24.10.16
Kurz vor Ende meines Aufenthalts hier, hat Shifu doch noch meinen Namen gelernt. Die letzten Tage hat er mich die ersten Male mit Namen angesprochen. Ich glaube er mag mich. Ich mag ihn.

Hongkong Wolkenkratzer
Hongkong Wolkenkratzer

25.10.16
Seit ich hier bin hat sich meine Facebook Freundesliste verdoppelt. Allerdings hat sich die Anzahl an Freunden nicht verdoppelt.
Shifu hat mich gebeten in den mir zwei letzten verbleibenden Tagen Wing Chun zu unterrichten. Es hat mich gefreut, dass meine Fähigkeiten für gut genug empfindet, es zu lehren.

26.10.16
Nun ist es auch für mich soweit. Die Zeit ist gekommen um verabschiedet zu werden. Dutzende male habe ich es bei anderen mitverfolgt, jetzt stehe ich vor der Gruppe und spreche ein paar Worte.
Heute haben noch mehr Leute Interesse an Wing Chun als gestern. Es macht Spaß Leuten etwas beizubringen. Ich glaube, ich mache das ganz gut. Fast alle lernen sehr schnell. Ich habe ihnen innerhalb von drei Stunden eine Form beigebracht, die ich über einen Zeitraum von bestimmt einem Monat gelernt habe. Mit Vorerfahrung anderer Kampfkünste, ist es einfacher neue Moves zu lernen. Der Körper ist an bestimmte Bewegungen bereits gewöhnt und der Geist darauf ausgelegt neue Moves zu lernen.
Nun werde ich doch noch etwas aufgeregt kurz vor der Abfahrt. Es ist ein leicht komisches Gefühl dies hier hinter mir zu lassen. Freue mich aber dennoch auf das Neue.
Veränderung macht mich so lebendig. Alles fühlt sich intensiver an.
Heute Abend saß ich wie die letzten, hmm bestimmt fast zwei Wochen, mit Cosmin zusammen in meinem Zimmer. Plötzlich kommt Alex rein und fragt, ob wir mit ein die „Dorfkneipe“ wollen und zum Abschied etwas trinken. Morgen gehen auch noch zwei andere Schüler. Ich habe mich gefreut, dass sie gefragt haben und mich der Runde angeschlossen. Nach einer kurzen Unterhaltung mit Karen, habe ich mich dann aks sie angefangen haben Bier Pong zu spielen, auch schon wieder zurückgezogen. Ich musste doch wieder feststellen, dass die meisten sozialen Runden dieser Art nichts f+r mich sind. Leute sind oft so schnell komisch, sobald sie denken tun und lassen zu können was sie wollen. Kindische Verhaltensweisen und auf der Suche nach so viel sozialer Bestätigung, mittels aufplustern durch Egoverhalten.

Hongkong Skyline bei Nacht
Hongkong Skyline bei Nacht

27.10.16
Der Tag ist gekommen nach Hongkong aufzubrechen. Ich bin nun schon hier.
Der morgen war leicht spannend. Ich habe mich von allen Leuten verabschiedet. Es ist ein schönes Gefühl, dass ich doch anscheinend einigen etwas geben konnte.
Das schreiben fällt gar nicht so einfach. Ich bin etwas geschafft von der Reise und schwitze mich in meinen langen Unterhosen mit Jeans bei 30 °C zu Tode. Heute morgen waren es noch 7 °C und ich wollte mein Gepäck möglichst leicht packen, da mein Rucksack die vorgeschriebenen nur 10 kg übersteigt.
Geplant war mit dem Bus nach Luoyang zum Flughafen zu Fahren, um Geld zu sparen. Vor allem, weil das von Andi organisierbare Taxi so besonders teuer gewesen wäre. Am Ausgang des Shaolin Tempels wurde ich dann direkt angesprochen und ich habe mich doch zu einer Taxifahrt breit schlagen lassen. Nur weil sie fast nur halb so viel gekostet hat. Nach kurzer Bedenken, dass der Taxifahrer leichte Muskelzuckungen parkinsonartig hatte, habe ich mich damit abgefunden und mich auf das Abenteuer eingelassen.
Hier steht mein Rechner nicht mehr unter Strom, wenn er am Netzteil hängt.
Ach ja … die Fahrt nach Luoyang. Sie war meine bisher abenteuerlichste Fahrt jemals. Die Strecke hatte besonders viele Schlaglöcher, wobei deren Größe nicht mit deutschen Schlaglöchern vergleichbar ist. Streckenweise gab es auch einfach keine Straße. Baustellen schienen ab und zu angefangen worden zu sein und dann wurden sie vergessen.
Meine Planung ist mal wieder mehr als überpünktlich. Gut vier Stunden vor Abflug sitze ich bereits im Wartebereich. Der Flughafen ist sehr winzig und ich scheine erst der vierte Passagier an diesem Tag zu sein. Nach einer Weile füllt sich die Wartehalle doch noch. Ich komme in eineUnterhaltung mit zwei deutschen Unternehmern, die Traktoren in China produzieren lassen. Nicht gerade spektakuläre Menschen. Fliegen ist immer noch etwas aufregend für mich. Wobei… eigentlich fühle ich mich schon fast daran gewöhnt. Ab und zu ertappe ich noch Gedanken, die an Abstürzen oder andere komische Dinge denken, versuche sie aber schnell zu ignorieren und stattdessen in meinen Körper hinein zu fühlen.
Hongkong Airport. Hier war ich doch schon mal. Das letzte mal habe ich es aber nicht in die Stadt geschafft. Mein erster Eindruck ist sehr positiv.Es wirkt sehr ordentlich und super organisiert. Kein Vergleich mit Mainland China. Die Mentalität wirkt auch direkt ganz anders. Die Menschen sind rücksichtsvoll und achtsam, spucken nicht und werfen keinen Müll in die Ecken. Ich fühle mich wie in einem sauberen Berlin mit hauptsächlich Asiaten.
Ich warte an der Bahnstation, an der ich mich mit May verabredet habe. Sie ist mein Couchsurfkontakt. Hallo Hongkonggirl. Sie is mir spontan sympathisch. Gerade mal eine Minute von der Station entfernt stehen wir auch schon vor ihrer Haustür. Der Aufzug bringt uns in den einundzwanzigsten Stock. Der Flur ist eng. Die Apartment Tür geöffnet fallen wir in die Wohnzimmerküche. Ein Fenster gibt es hier nicht. Mays zwei Mitbewohnerinnen scheinen auch ganz nett. Eine bessere Beschreibung fällt mir gerade nicht ein.
Ich habe leichte Kopfschmerzen und muss jetzt schlafen.

Hongkong Couchsurfing Aussicht
Hongkong Couchsurfing Aussicht

28.10.16
Heute Nacht ist noch ein weiteres Mädel gekommen. Sie schläft auch wie ich im Wohnzimmer. Ich wurde schon vorgewarnt, dass hier immer mal Leute kommen und gehen.
Für heute habe ich ein paar Dinge auf meiner To Do Liste. Als erstes das Visum für Thailand. Werde gleich auf in die Hitze. Auf in die Freiheit der Metropole.
Pause in der Shoppingmall. Der Sessel sah gemütlich aus. Obwohl es hier unendlich viele freie WLANS gibt, funktioniert es mal wieder bei mir nicht. Irgendetwas mache ich falsch.
Hongkong ist gigantisch. Ein Zentrum des Einkaufens. Großteils laufe ich nur von Gebäude zu Gebäude, welche mit Überführungen verbunden sind. Der Platz ist so knapp bemessen, dass alles in die Höhe gebaut wurde.
Auch wenn mich das Einkaufen hier nicht wirklich interessiert, bin ich von der Großstadt doch sehr angetan bisher. Die Menschen sind alle freundlich und hilfsbereit. Es ist sauber! So sauber. Ach das erwähnte ich ja schon mal. Hier muss man ein recht hohes Bußgeld zahlen, wenn man seinen Müll hinterlässt oder auf den Boden spuckt.
Das ist das erste mal für mich, in einer so monströsen Metropole zu sein. Das einzig wichtige, das Visum zu beantragen, habe ich als erstes hinter mich gebracht. Montag kann ich es bereits abholen. Ich versuche die gewonnene Freiheit anzunehmen. Gar nicht so einfach wie gedacht. Aber ich fühle mich auf jeden Fall freier, als wenn ich in einer chinesischen Stadt unterwegs bin. Hier guckt mich niemand an, als ob ich vom Mond kommen würde. Ich kann mich mit Englisch verständigen. Yay! Es ist recht teuer. Ähnliche Preise wie in Deutschland.
Gerade kriege ich so viel neuen Input und habe so wenig ruhige Minuten zwischendurch, dass ich garnicht mit dem Schreiben hinterher komme. Es ist nun nach Zwölf und der erste Tag Hongkong neigt sich dem Ende entgegen. Ich habe eben für May gekocht und wir haben uns lange Unterhalten. Ich finde es spannend Ihre Sichtweisen zum lokalen Leben und zu Mainland China zu hören. Hongkong ist schon sehr anders.
Soeben ist Mays Mitbewohnerin und ihre Freundin nach Hause gekommen. Ich glaube sie mag ich auch. Wir haben uns für morgen Abend zum kochen verabredet. Sie hat mir den Tip gegeben in eine Bruce Lee Ausstellung zu gehen. Das werde ich machen.

Hongkong Tai O Fischerdorf
Hongkong Tai O Fischerdorf

29.10.16
Eine durchaus wichtige Sache, die ich sehr an Hongkong mag, ist, dass ich mich hier unglaublich sicher fühle. Vermutlich so sicher wie an noch keinem anderen Ort bisher zuvor. Alles ist so organisiert. Die Leute sind alle höchst respekt- und rücksichtsvoll.
Den Tag über bin ich wieder durch die Straßen gewandert. Die Mischung aus westlicher und asiatischer Welt gefällt mir. Irgendwie eigenartig, dass dieser Konsumterror mir ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Oder welcher Part dieser Eindrücke ist dafür verantwortlich?
Wenn ich mit dem MTR, der örtlichen U-Bahn, fahre, sind die meisten der Menschen alleine unterwegs, zumindest in der realen Welt. Virtuell sind sie mittels Smartphone wohl mit ihren Freunden vernetzt, spielen und lesen Nachrichten. Kaum einer ist nicht an seinem mobilen Gerät zu Gange. Wenige unterhalten sich. Ist es erstaunlich ruhig. Eine zombieartige Ruhe, die mir nicht befremdlich vorkommt. Ich empfinde es als angenehm von niemandem belästigt zu werden.
Zu Abend haben Ming, Mays Mitbewohnerin und ihre Freundin für mich gekocht. Es gab ein traditionelles Hongkong-Gericht: Reis mit einem spinatähnlichen Gemüse, Bean Curd Creme, Ei-Fleischersatz-Schnittlauch-Omlettdingens, ein weiteres leicht saures Sojading und eine Tomaten-Tofu-Suppe. Alles hat sehr gut geschmeckt, aber auf eine Art, auf die ich niemals selber kommen könnte es zuzubereiten. Weiterhin fühle ich mich sehr wohl hier. Ich konnte heute auch noch etwas mehr entspannen als gestern. Vielleicht auch, weil ich das Gefühl habe, dass die Mädels sich jetzt anscheinend wohl damit fühlen mich zu beherbergen. Ich bin ihr erster Couchsurfer.
Immer öfter schaffe ich es mich in alltäglichen Situationen, in den ich nicht sonderlich entspannt bin, mich zu besinnen und mir dem Sein bewusst zu werden.
Heute ist etwas anders als zuvor.

Hongkong kleine Gassen
Hongkong kleine Gassen

30.10.16
Als ich aufwache sind zwei neue Gesichter in der Wohnung. Sie scheinen nicht besonders überrascht von meiner Anwesenheit. Einige Minuten später kommen weitere fünf junge Menschen an. Auch sie widmen mir keinerlei Aufmerksamkeit. Es scheint so etwas wie Nachhilfeunterricht zu geben. Wenn ich das bisher richtig mitgekriegt habe, teilen sich mindestens sechs Leute das Apartment für unterschiedliche Zwecke, sodass es zu allen Zeiten ausgelastet ist. Wohnraum ist so teuer, dass er effektiv genutzt werden muss.
Heute ist der erste Tag seit zwei Monaten, an dem ich so etwas wie Frühstück zu mir nehme. Mal schauen was es mit mir macht.
Der Tag ist vorbei und ich fühle ich sehr veranstrengt. Vor allem die letzten Stunden haben mich geschlaucht. Tagsüber habe ich eine Fahrradtour mit May unternommen. Es war sehr schön. Das letzte mal auf einem Rad zu sitzen ist für mich nun schon ein halbes Jahr her. Wir haben uns Räder ausgeliehen, so wie das wohl die meisten Hongkonger machen. Hier fährt fast niemand Fahrrad. Die Stadt ist nicht dafür ausgelegt. Wenn man Fahrrad fährt, dann hauptsächlich auf Fahrradrouten. Links vor rechts. Auch beim Fahrradfahren ist das eine Umstellung.
Abends sind wir dann zum Essen zu Mays Eltern gefahren. Es war wieder etwas, auf das ich so nicht gekommen wäre. Diesmal fand ich es aber nicht besonders spannend oder lecker. Kaum gewürzt und irgendwie hat es etwas fad geschmeckt. Die Suppe war ganz gut. Dennoch habe ich mich gefreut, dass sie für mich vegetarisch gekocht haben und mich so willkommen geheißen haben. Mit gebrochenen Englischfähigkeiten und der Übersetzungshilfe von May, haben sie mich einiges gefragt. Sie haben nicht alle Tage die Gelegenheit mit Ausländern zu reden. Irgendwie habe ich mich aber die ganze Zeit nicht ganz frei gefühlt. Ich meinte irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen und wurde in mir bekannte Situationen zurückversetzt, mich einiges an Energie kosten. Es lief auch etwas Fernsehen. Teilweise gibt es englischsprachige Sender, die die gleichen Shows wie in Deutschland, USA, etc. bringen. Ich war froh, dann irgendwann zu gehen.
Erneut überkam mich wieder ein Gefühl von: dass ich nicht Reisen muss. Alles wichtige kann ich auch in Deutschland erleben.
Be with yourself.

Hongkong Kowloon
Hongkong Kowloon

31.10.16
Das mit dem Visum hat geklappt. 60 Tage darf ich nun nach Thailand. Und vermutlich noch mal um 30 Tage verlängern. Nach dem Abholen fahre ich nach Tai O, ein Fischerdorf im Südwesten Hongkongs. Der Weg ist recht weit, der Bus fährt durchs Grüne. Es ist Montag, alle arbeiten und kaum Touristen sind unterwegs. Das macht den Ausflug angenehm. Das Dorf ist klein, gemütlich und recht arm. Ich mache eine Bootstour. Etwas von der Küste entfernt, bleiben wir im Wasser stehen. Dann fahren wir etwas hin und her. Nun verstehe ich, wir hoffen Delphine zu sehen. Ein Raunen geht durchs Boot. Jemand hat einen Delphin gesichtet. In der Ferne springt einer zwei mal kurz aus dem Wasser. Bis die Augen sich auf den Ort ausgerichtet haben, ist er auch schon wieder weg und ich Starre erneut ins vermüllte Wasser. Mission erledigt – Delphine beobachten. Wir drehen wieder um.
Es ist später Nachmittag und noch vor der Feierabend-Rushhour gehe ich Zutaten fürs Backen und Kochen einkaufen. Ich habe heute Schlüssel für die Wohnung gekriegt und kann mich in aller Ruhe in der Küche austoben. Darauf freue ich mir.
Und so tue ich.
Müdigkeit überkommt mich und ich habe das Gefühl in unbewusste Verhaltensmuster zu verfallen. Bald wird es außergewöhnlich bewusste Dunkelheit geben.

Hongkong Strsße bei Nacht
Hongkong Strsße bei Nacht

01.11.16
Der November beginnt mit meinem vorletzten Tag in Hongkong. Vielleicht nie wieder werde ich hierher zurück kommen. Heute Nacht gegen vier Uhr kamen zwei Mädels nach Hause. Die eine, die hier mit im Wohnzimmer schläft, diejenige, die nicht wirklich kommuniziert und eine Freundin von ihr.
Dieser Tag wird zu einer Wanderung zum Viktoria Gipfel. Mittlerweile fühle ich mich schon routiniert mit der U-Bahn. Die wichtigsten Haltestellen kenne ich bereits und muss schon deutlich weniger auf die Ausschilderungen schauen. Auf dem zum Berg komme ich mit einer Französin ins Gespräch. Mir fällt gerade auf, dass ich garnicht nach ihrem Namen gefragt habe. Wir sind dann eine ganze Weile gemeinsam gelaufen und haben ein wenig Smalltalk betrieben. Sie war nicht sonderlich spektakulär, aber es war okay jemanden zu haben, mit dem ich mich etwas unterhalten kann. Wir haben bestimmt fast zwei Stunden miteinander verbracht. Ab und zu hatte ich das Gefühl etwas in meiner Freiheit eingeschränkt zu sein, bei so Sachen, wie kurz stehen zu bleiben und weiter zu gehen, wann ich es will. Na gut, also habe ich etwas Rücksicht auf einen anderen Menschen genommen. Nachdem wir einmal im Kreis um den Gipfel gelaufen sind, trennten sich unsere Wege. Ich habe mir eine Eiskugel gekauft. Auf einen Schild stand etwas mit umgerechnet ca. zwei Euro pro Kugel. Ich wollte aber unbedingt ein Eis. Die Kugel war sehr klein. Als ich bezahlt habe, haben sie mir umgerechnet SECHS EURO für die berechnet. Das war überraschend. War wohl eine Spezialsorte. Ab und zu passieren dumme Tourifehler.
Wieder gehe ich recht zeitig zurück um zu backen und zu kochen. An diesem Abend sitze ich mit den zwei hier Hauptwohnenden gemeinsam am Esstisch. May und Ming. Ich bin verwirrt. Ist Ming nun ein Mädel oder ein Kerl. Ich bin mir aus verschiednen Gründen sehr unsicher.
Ich habe wohl zu viel Salz verwendet für hongkongische Geschmäcker. So wie die beiden es rüberbringen, fühle ich mich erstaunlich verletzt, kann aber ganz gut mit umgehen. Sie reden ab und zu über bestimmte Menschen nicht so positiv. Vor allem über Chinesen. Aber auch diverse andere Menschengruppierungen müssen dran glauben. Ich versuche mich so wohl wie möglich zu fühlen. Gelingt sogar einigermaßen. Immer dieses ganze Unbewusstsein … ach jetzt infiziert mich Cosmin noch mehr. Er spricht davon sehr oft. Eben habe ich eine Aussage verwendet, die er stetig zu sagen pflegte.

Hongkong Straßenszene
Hongkong Straßenszene

02.11.16
Langer Schlaf ist vorbeugend gut. Davon werde ich die kommenden zwei Nächte vermutlich nicht zu viel kriegen. Ich würde am liebsten einen Tag in der Wohnung verbringen und ein paar Dinge am Rechner erledigen. Ein bisschen Videos bearbeiten. Ming ist allerdings auch zu Hause und seine Freundin ist gerade vorbeigekommen. Ich fühle mich entspannter alleine unterwegs, als mit anderen hier in der Wohnung zu sein. Also werde ich zu meiner letzten Tour in die asiatische Metropole aufbrechen. Mein heutiges Ziel ist eine Ausstellung über Bruce Lee. Ming hat sie mir empfohlen. Das Museum war verhältnismäßig etwas abgelegener und weniger bevölkert. Mehr Ruhe. Eine gute Stunde habe ich in der Ausstellung verbracht. Hauptsächlich Text und Videos. Nun habe ich ein bisschen mehr ein Gefühl bekommen, wie Bruce Lee draufgewesen sein könnte.
Anschließend gehe ich zum Treffpunkt des Abendprogramms. Ich habe noch drei Stunden Zeit, bis May, Ming und Alex ankommen werden. Das Viertel ist einenr der Hotspots in Hongkong. Direkt am Wasser verbringe ich den Großteil der Zeit mit Filmen und Fotografieren der Skypline.
Nur einen Satz später und 180 Minuten meiner Geschichte sind vergangen. Wir gehen zu viert in die Chung King Mansions. Unser Plan ist etwas essen zu gehen. Ich werde vorher grob informiert, was es mit dem Gebäude auf sich hat, allerdings nicht darüber was gleich passieren soll. Eine Gruppe mittelöstlicher Typen kommt auf uns zugerannt, alle mit Flyern in der Hand. Ming sagt, ich solle einen auswählen. Erst nachdem ich alle Flyer in die Hand gedrückt bekommen habe, verstehe ich, dass ich auswählen muss, wo wir essen gehen werden. Alle Flyerverteiler reden irgendetwas auf mich ein, ich muss sie ausblenden um mit der Situation irgendwie klar zu kommen. Ich wähle zufällig einen Flyer aus und strecke meinen Arm schnell hoch in die Luft, als ob ich eine rote Karte ziehe. Es hat funktioniert, ein raunen geht durch die Masse und das auf mich einreden legt sich. Wir folgen einem indischaussehendem Mann, der uns nach wenigen Metern an den nächsten weiterleitet. Dieser bringt uns zu einem Fahrstuhl und sagt, wir sollen in den dritten Stock fahren. Das war die wohl bisher au0ergewöhnlichste Restaurantauswahl meines Lebens.
Nach dem Essen sind wir noch durch die Straßen gelaufen und haben verschiedenstes Streetfood probiert. Außerdem waren wir noch in einer Spielautomatenhalle.
Meine letzten Sätze strotzen gerade zu vor kreativem Schreiben. Gerade habe ich mit Ming noch viel zu lange geredet, dafür dass es schon 3:20 ist. Mein Kopf muss jetzt ausschalten. In drei Stunden klingelt mein Wecker.

Hongkong Skyline und Meer
Hongkong Skyline und Meer

03.11.16
Bye bye Hongkong. Ich verlasse die Stadt mit dem Gefühl sehr viel in dieser Woche über sie und ihre Menschen erfahren zu haben. Großteils geht der Dank hierbei an meine Couchsurfhosts. Dadurch konnte ich direkt Kontakt mit Einheimischen knüpfen und erfahren, wie sie so drauf sind und denken. Natürlich ist auch das nur ein Ausschnitt einer möglichen Lebensweise. Dennoch fühle ich mich, als ob ich in den letzten sieben Tagen mehr über Hongkong, als in den davorigen sechs Monaten über China mitgekriegt habe. In China habe ich mich kein einziges mal lange mit einem Einheimischen über die Kultur, Politik etc. unterhalten. Etwas schade vielleicht.
Gerade sitze ich schon in Bangkok im Bus, warte auf meine Abfahrt zum Reisebüro, indem ich mein Zugtickticket nach Koh Pangnan abholen kann. Vor mir sitzt ein älteres deutsches Parr, die sich gegenseitig anmurren und schlechte stimmung verbreiten wollen. Das lasse ich nicht zu! Komische Menschen, die sich direkt nach der Ankunft in einem neuen Land über Dinge aufregen. Von oben sieht Bangkok sehr hässlich und langweilig aus. Zumindest das, was ich vom nördlichen Teil sehen konnte. Alles ist in Rechtecke aufgeteilt. Straßen, Wohnblocks, Felder. Die Natur wurde unterdrückt. Ich hatte heute bisher noch keine Lust zu filmen. Im vergleich zu Hongkong wirkt Bangkok direkt deutlich ärmer. Schon der Flughafen ist viel dreckiger. Die kurzen ersten Kontakte mit Menschen waren, bis auf den Immigrationspolizisten (Ich habe das Gefühl, diese Menschen werden darauf geschult böse zu gucken und unfreundlich zu sein.), waren sehr positiv. Eine Frau fragt mich wo ich hin möchte. Sie ist von einem Taxistand im Flughafen. Ich erkläre es ihr und sie meint, dass ein Taxi bei ihrem Stand zu teuer ist. Ich solle bessser eins draußen nehmen. Für nun ca. 4 € ist es doch der Bus geworden. Ich denke, es ist eine gut Entscheidung keine Zeit in Bangkok zu verbringen. Hongkong ist erst mal genug Großstadt für die nächste Zeit.
Ich bekomme den Schlafentzug zu spüren. Die Luft auf dem Bahnsteig ist stickig heiß. Ich fühle mich etwas im Zombiemodus.
Nun liege ich im Zug. Der Vorhang macht es fast gemütlich, auch wenn ich etwas zu groß für das Bett bin. Mein erster Schlafzug. Hier ist alles gefühlt noch ärmer als in China. Vor der Abfahrt wurden noch abenteuerliche Reparaturen am Zug vollzogen. Immer noch sind die Leute sehr hilfreich und freundlich. Es sprechen auch viel mehr Menschen Englisch als in China. Es sind unglaublich viele Touristen hier unterwegs.
Gefühlte drei Stunden Schlaf später, ist es gerade mal neun Uhr. Noch neun Stunden Fahrt. Es ist holperig,laut wohlig. So viel Privatsphäre hatte ich die letzte Woche nicht gehabt. Erfreut stelle ich fest, dass es hier funktionierendes WLAN gibt. Das hat nicht mal Hongkong hingekriegt. Erstaunlich.
Eine gute Weile später werde ich wieder gezwungen offline zu sein. War auch zu schön. Ich kann immer nur kurze Stücke schlafen. Die Neonröhren werden anscheinend die ganze Nacht nicht ausgeschaltet.
Manche Erfahrungen werden nicht von mir dokumentiert. Teilweise sind es sogar besonders tolle Momente. Momente die ich für die Momente heilig erachte und in ihrer Pracht sowieso nicht festgehalten werden können. Die kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen, Situationen die nicht in Videos zu sehen sind un in Texten zu lesen. Erfahrungen, die jeder selbst erleben muss und eine Reise für jeden selbst ein individuell heiliges Erlebnis ist.
In meiner letzten Hongkongnacht hatte ich noch diese ausführliche Unterhaltung mit Ming. Er hat mich gefragt, dass wenn er mehr über Deutschland erfahren möchte ohne es zu bereisen, wie er an gut authentische Informationen kommt. Der Clue daran: die Sprache. Infos über ein Land werden hauptsächlich von Leuten des Landes publiziert und damit in der jeweiligen Landessprache. Wenn die Nachrichten in einer anderen Sprache existieren sollen, werden sie meist aus der Sicht des jeweiligen anderen Landes produziert, wodurch eine teilweise sehr verschobene Wahrnehmung geschildert wird. Es wäre eventuell bereichernd, wenn mehr Blogger in English schreiben um auch anderen Kulturen einen authentischen Einblick in fremdes Leben zu gewähren.
So langsam ist es mir genug Zug. Die Klimaanlage kühlt etwas zu gut. Vielleicht noch drei Stunden Fahrt. Mal schauen wie pünktlich wir sein werden. Außerdem bin ich gespannt, wie ich erfahren werde, wann ich aussteigen muss. Bisher gab es noch keine durchsagen.
Ich bin mitten im Touristenzentrum. Angekommen am Bahnhof werde ich direkt zu einem Bistro geführt wo ich auf den Bus warte. Ich trinke meine erste Kokosnuss. Vermutlich eine teure. Die Kokosnüsse hier sind anders, als die, die man in Deutschland kaufen kann. Sie sind grün, haben mehr Wasse. Das Fleisch ist weniger und weicher. Man kann es löffeln. Von denen werde ich die kommenden Monate bestimmt noch einiges verzehren.
Der Verkehr hier ist deutlich sicherer als in China. Die Leute machen keine verrückten Manöver und gehupt wird nur, wenn es wirklich nötig ist. Noch ein Tag bin ich Teil dieser sich komisch anfühlenden Touristenmasse, werde ich Teil von mir und dem Universum. Ja, das bin ich auch jetzt schon.
Auf der Fähre gibt es wieder mir vertraut erscheinende chinesische Schriftzeichen. Lesen kann ich sie immer noch nicht. Das Wetter ist schlecht. Ich dachte die Regenzeit sei schon vorbei. Schlechtes heißt aber immerhin sommerliche Temperaturen. Je weiter wir aufs Meer hinaus kommen, desto schlechter wird die Sicht, desto stärker wird der Regen.
Ich wandere durch die gemütlichen Straßen. Die Insel gibt mir ein gutes Gefühl. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Dunkelheit
Wow, morgen werde ich das wirklich machen. Die letzte Woche war so unmeditativ, wie lange keine mehr. Ich bin noch total im Neusein mit Thailand und allem. Aber hey, sobald ich da drin bin, wird sich alles wieder ändern und ich werde zwangsläufig ruhiger werden.

Published in Allgemein

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.