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China ist zu Ende – ein wenig Hongkong

Wow, einen Monat alter Text. Es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich hier etwas veröffentlicht habe … heute gibt es etwas Nachholbedarf. Die letzten Wochen möchte ich allerdings in einem eigenen Beitrag veröffentlichen. Das passiert die kommenden Tage.

21.10.16
Peter hat mich gerade massiert. Mein linke Schulter ist hart wie Stein. Vor allem seit nun fast zwei Wochen ist es schlimmer geworden. Die Massage war sehr schmerzhaft, aber gut. Peter hat Ahnung von dem was er da drückt und macht. Sehr cool.

23.10.16
Kurz vor Veränderungen scheine ich immer noch mal besonders faul zu werden. Das ist jetzt kurz vor der Abreise und war auch kurz bevor ich nach China gefahren bin.
Wenn ich in die letzten Wochen und Monate zurück blicke war der aufregendste Tag der, an dem ich mein letztes Video produziert habe. Dieses Wochenende habe ich hauptsächlich unproduktiv vor dem Computer verbracht. Noch drei Tage Training, dann geht’s los!

24.10.16
Kurz vor Ende meines Aufenthalts hier, hat Shifu doch noch meinen Namen gelernt. Die letzten Tage hat er mich die ersten Male mit Namen angesprochen. Ich glaube er mag mich. Ich mag ihn.

Hongkong Wolkenkratzer
Hongkong Wolkenkratzer

25.10.16
Seit ich hier bin hat sich meine Facebook Freundesliste verdoppelt. Allerdings hat sich die Anzahl an Freunden nicht verdoppelt.
Shifu hat mich gebeten in den mir zwei letzten verbleibenden Tagen Wing Chun zu unterrichten. Es hat mich gefreut, dass meine Fähigkeiten für gut genug empfindet, es zu lehren.

26.10.16
Nun ist es auch für mich soweit. Die Zeit ist gekommen um verabschiedet zu werden. Dutzende male habe ich es bei anderen mitverfolgt, jetzt stehe ich vor der Gruppe und spreche ein paar Worte.
Heute haben noch mehr Leute Interesse an Wing Chun als gestern. Es macht Spaß Leuten etwas beizubringen. Ich glaube, ich mache das ganz gut. Fast alle lernen sehr schnell. Ich habe ihnen innerhalb von drei Stunden eine Form beigebracht, die ich über einen Zeitraum von bestimmt einem Monat gelernt habe. Mit Vorerfahrung anderer Kampfkünste, ist es einfacher neue Moves zu lernen. Der Körper ist an bestimmte Bewegungen bereits gewöhnt und der Geist darauf ausgelegt neue Moves zu lernen.
Nun werde ich doch noch etwas aufgeregt kurz vor der Abfahrt. Es ist ein leicht komisches Gefühl dies hier hinter mir zu lassen. Freue mich aber dennoch auf das Neue.
Veränderung macht mich so lebendig. Alles fühlt sich intensiver an.
Heute Abend saß ich wie die letzten, hmm bestimmt fast zwei Wochen, mit Cosmin zusammen in meinem Zimmer. Plötzlich kommt Alex rein und fragt, ob wir mit ein die „Dorfkneipe“ wollen und zum Abschied etwas trinken. Morgen gehen auch noch zwei andere Schüler. Ich habe mich gefreut, dass sie gefragt haben und mich der Runde angeschlossen. Nach einer kurzen Unterhaltung mit Karen, habe ich mich dann aks sie angefangen haben Bier Pong zu spielen, auch schon wieder zurückgezogen. Ich musste doch wieder feststellen, dass die meisten sozialen Runden dieser Art nichts f+r mich sind. Leute sind oft so schnell komisch, sobald sie denken tun und lassen zu können was sie wollen. Kindische Verhaltensweisen und auf der Suche nach so viel sozialer Bestätigung, mittels aufplustern durch Egoverhalten.

Hongkong Skyline bei Nacht
Hongkong Skyline bei Nacht

27.10.16
Der Tag ist gekommen nach Hongkong aufzubrechen. Ich bin nun schon hier.
Der morgen war leicht spannend. Ich habe mich von allen Leuten verabschiedet. Es ist ein schönes Gefühl, dass ich doch anscheinend einigen etwas geben konnte.
Das schreiben fällt gar nicht so einfach. Ich bin etwas geschafft von der Reise und schwitze mich in meinen langen Unterhosen mit Jeans bei 30 °C zu Tode. Heute morgen waren es noch 7 °C und ich wollte mein Gepäck möglichst leicht packen, da mein Rucksack die vorgeschriebenen nur 10 kg übersteigt.
Geplant war mit dem Bus nach Luoyang zum Flughafen zu Fahren, um Geld zu sparen. Vor allem, weil das von Andi organisierbare Taxi so besonders teuer gewesen wäre. Am Ausgang des Shaolin Tempels wurde ich dann direkt angesprochen und ich habe mich doch zu einer Taxifahrt breit schlagen lassen. Nur weil sie fast nur halb so viel gekostet hat. Nach kurzer Bedenken, dass der Taxifahrer leichte Muskelzuckungen parkinsonartig hatte, habe ich mich damit abgefunden und mich auf das Abenteuer eingelassen.
Hier steht mein Rechner nicht mehr unter Strom, wenn er am Netzteil hängt.
Ach ja … die Fahrt nach Luoyang. Sie war meine bisher abenteuerlichste Fahrt jemals. Die Strecke hatte besonders viele Schlaglöcher, wobei deren Größe nicht mit deutschen Schlaglöchern vergleichbar ist. Streckenweise gab es auch einfach keine Straße. Baustellen schienen ab und zu angefangen worden zu sein und dann wurden sie vergessen.
Meine Planung ist mal wieder mehr als überpünktlich. Gut vier Stunden vor Abflug sitze ich bereits im Wartebereich. Der Flughafen ist sehr winzig und ich scheine erst der vierte Passagier an diesem Tag zu sein. Nach einer Weile füllt sich die Wartehalle doch noch. Ich komme in eineUnterhaltung mit zwei deutschen Unternehmern, die Traktoren in China produzieren lassen. Nicht gerade spektakuläre Menschen. Fliegen ist immer noch etwas aufregend für mich. Wobei… eigentlich fühle ich mich schon fast daran gewöhnt. Ab und zu ertappe ich noch Gedanken, die an Abstürzen oder andere komische Dinge denken, versuche sie aber schnell zu ignorieren und stattdessen in meinen Körper hinein zu fühlen.
Hongkong Airport. Hier war ich doch schon mal. Das letzte mal habe ich es aber nicht in die Stadt geschafft. Mein erster Eindruck ist sehr positiv.Es wirkt sehr ordentlich und super organisiert. Kein Vergleich mit Mainland China. Die Mentalität wirkt auch direkt ganz anders. Die Menschen sind rücksichtsvoll und achtsam, spucken nicht und werfen keinen Müll in die Ecken. Ich fühle mich wie in einem sauberen Berlin mit hauptsächlich Asiaten.
Ich warte an der Bahnstation, an der ich mich mit May verabredet habe. Sie ist mein Couchsurfkontakt. Hallo Hongkonggirl. Sie is mir spontan sympathisch. Gerade mal eine Minute von der Station entfernt stehen wir auch schon vor ihrer Haustür. Der Aufzug bringt uns in den einundzwanzigsten Stock. Der Flur ist eng. Die Apartment Tür geöffnet fallen wir in die Wohnzimmerküche. Ein Fenster gibt es hier nicht. Mays zwei Mitbewohnerinnen scheinen auch ganz nett. Eine bessere Beschreibung fällt mir gerade nicht ein.
Ich habe leichte Kopfschmerzen und muss jetzt schlafen.

Hongkong Couchsurfing Aussicht
Hongkong Couchsurfing Aussicht

28.10.16
Heute Nacht ist noch ein weiteres Mädel gekommen. Sie schläft auch wie ich im Wohnzimmer. Ich wurde schon vorgewarnt, dass hier immer mal Leute kommen und gehen.
Für heute habe ich ein paar Dinge auf meiner To Do Liste. Als erstes das Visum für Thailand. Werde gleich auf in die Hitze. Auf in die Freiheit der Metropole.
Pause in der Shoppingmall. Der Sessel sah gemütlich aus. Obwohl es hier unendlich viele freie WLANS gibt, funktioniert es mal wieder bei mir nicht. Irgendetwas mache ich falsch.
Hongkong ist gigantisch. Ein Zentrum des Einkaufens. Großteils laufe ich nur von Gebäude zu Gebäude, welche mit Überführungen verbunden sind. Der Platz ist so knapp bemessen, dass alles in die Höhe gebaut wurde.
Auch wenn mich das Einkaufen hier nicht wirklich interessiert, bin ich von der Großstadt doch sehr angetan bisher. Die Menschen sind alle freundlich und hilfsbereit. Es ist sauber! So sauber. Ach das erwähnte ich ja schon mal. Hier muss man ein recht hohes Bußgeld zahlen, wenn man seinen Müll hinterlässt oder auf den Boden spuckt.
Das ist das erste mal für mich, in einer so monströsen Metropole zu sein. Das einzig wichtige, das Visum zu beantragen, habe ich als erstes hinter mich gebracht. Montag kann ich es bereits abholen. Ich versuche die gewonnene Freiheit anzunehmen. Gar nicht so einfach wie gedacht. Aber ich fühle mich auf jeden Fall freier, als wenn ich in einer chinesischen Stadt unterwegs bin. Hier guckt mich niemand an, als ob ich vom Mond kommen würde. Ich kann mich mit Englisch verständigen. Yay! Es ist recht teuer. Ähnliche Preise wie in Deutschland.
Gerade kriege ich so viel neuen Input und habe so wenig ruhige Minuten zwischendurch, dass ich garnicht mit dem Schreiben hinterher komme. Es ist nun nach Zwölf und der erste Tag Hongkong neigt sich dem Ende entgegen. Ich habe eben für May gekocht und wir haben uns lange Unterhalten. Ich finde es spannend Ihre Sichtweisen zum lokalen Leben und zu Mainland China zu hören. Hongkong ist schon sehr anders.
Soeben ist Mays Mitbewohnerin und ihre Freundin nach Hause gekommen. Ich glaube sie mag ich auch. Wir haben uns für morgen Abend zum kochen verabredet. Sie hat mir den Tip gegeben in eine Bruce Lee Ausstellung zu gehen. Das werde ich machen.

Hongkong Tai O Fischerdorf
Hongkong Tai O Fischerdorf

29.10.16
Eine durchaus wichtige Sache, die ich sehr an Hongkong mag, ist, dass ich mich hier unglaublich sicher fühle. Vermutlich so sicher wie an noch keinem anderen Ort bisher zuvor. Alles ist so organisiert. Die Leute sind alle höchst respekt- und rücksichtsvoll.
Den Tag über bin ich wieder durch die Straßen gewandert. Die Mischung aus westlicher und asiatischer Welt gefällt mir. Irgendwie eigenartig, dass dieser Konsumterror mir ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Oder welcher Part dieser Eindrücke ist dafür verantwortlich?
Wenn ich mit dem MTR, der örtlichen U-Bahn, fahre, sind die meisten der Menschen alleine unterwegs, zumindest in der realen Welt. Virtuell sind sie mittels Smartphone wohl mit ihren Freunden vernetzt, spielen und lesen Nachrichten. Kaum einer ist nicht an seinem mobilen Gerät zu Gange. Wenige unterhalten sich. Ist es erstaunlich ruhig. Eine zombieartige Ruhe, die mir nicht befremdlich vorkommt. Ich empfinde es als angenehm von niemandem belästigt zu werden.
Zu Abend haben Ming, Mays Mitbewohnerin und ihre Freundin für mich gekocht. Es gab ein traditionelles Hongkong-Gericht: Reis mit einem spinatähnlichen Gemüse, Bean Curd Creme, Ei-Fleischersatz-Schnittlauch-Omlettdingens, ein weiteres leicht saures Sojading und eine Tomaten-Tofu-Suppe. Alles hat sehr gut geschmeckt, aber auf eine Art, auf die ich niemals selber kommen könnte es zuzubereiten. Weiterhin fühle ich mich sehr wohl hier. Ich konnte heute auch noch etwas mehr entspannen als gestern. Vielleicht auch, weil ich das Gefühl habe, dass die Mädels sich jetzt anscheinend wohl damit fühlen mich zu beherbergen. Ich bin ihr erster Couchsurfer.
Immer öfter schaffe ich es mich in alltäglichen Situationen, in den ich nicht sonderlich entspannt bin, mich zu besinnen und mir dem Sein bewusst zu werden.
Heute ist etwas anders als zuvor.

Hongkong kleine Gassen
Hongkong kleine Gassen

30.10.16
Als ich aufwache sind zwei neue Gesichter in der Wohnung. Sie scheinen nicht besonders überrascht von meiner Anwesenheit. Einige Minuten später kommen weitere fünf junge Menschen an. Auch sie widmen mir keinerlei Aufmerksamkeit. Es scheint so etwas wie Nachhilfeunterricht zu geben. Wenn ich das bisher richtig mitgekriegt habe, teilen sich mindestens sechs Leute das Apartment für unterschiedliche Zwecke, sodass es zu allen Zeiten ausgelastet ist. Wohnraum ist so teuer, dass er effektiv genutzt werden muss.
Heute ist der erste Tag seit zwei Monaten, an dem ich so etwas wie Frühstück zu mir nehme. Mal schauen was es mit mir macht.
Der Tag ist vorbei und ich fühle ich sehr veranstrengt. Vor allem die letzten Stunden haben mich geschlaucht. Tagsüber habe ich eine Fahrradtour mit May unternommen. Es war sehr schön. Das letzte mal auf einem Rad zu sitzen ist für mich nun schon ein halbes Jahr her. Wir haben uns Räder ausgeliehen, so wie das wohl die meisten Hongkonger machen. Hier fährt fast niemand Fahrrad. Die Stadt ist nicht dafür ausgelegt. Wenn man Fahrrad fährt, dann hauptsächlich auf Fahrradrouten. Links vor rechts. Auch beim Fahrradfahren ist das eine Umstellung.
Abends sind wir dann zum Essen zu Mays Eltern gefahren. Es war wieder etwas, auf das ich so nicht gekommen wäre. Diesmal fand ich es aber nicht besonders spannend oder lecker. Kaum gewürzt und irgendwie hat es etwas fad geschmeckt. Die Suppe war ganz gut. Dennoch habe ich mich gefreut, dass sie für mich vegetarisch gekocht haben und mich so willkommen geheißen haben. Mit gebrochenen Englischfähigkeiten und der Übersetzungshilfe von May, haben sie mich einiges gefragt. Sie haben nicht alle Tage die Gelegenheit mit Ausländern zu reden. Irgendwie habe ich mich aber die ganze Zeit nicht ganz frei gefühlt. Ich meinte irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen und wurde in mir bekannte Situationen zurückversetzt, mich einiges an Energie kosten. Es lief auch etwas Fernsehen. Teilweise gibt es englischsprachige Sender, die die gleichen Shows wie in Deutschland, USA, etc. bringen. Ich war froh, dann irgendwann zu gehen.
Erneut überkam mich wieder ein Gefühl von: dass ich nicht Reisen muss. Alles wichtige kann ich auch in Deutschland erleben.
Be with yourself.

Hongkong Kowloon
Hongkong Kowloon

31.10.16
Das mit dem Visum hat geklappt. 60 Tage darf ich nun nach Thailand. Und vermutlich noch mal um 30 Tage verlängern. Nach dem Abholen fahre ich nach Tai O, ein Fischerdorf im Südwesten Hongkongs. Der Weg ist recht weit, der Bus fährt durchs Grüne. Es ist Montag, alle arbeiten und kaum Touristen sind unterwegs. Das macht den Ausflug angenehm. Das Dorf ist klein, gemütlich und recht arm. Ich mache eine Bootstour. Etwas von der Küste entfernt, bleiben wir im Wasser stehen. Dann fahren wir etwas hin und her. Nun verstehe ich, wir hoffen Delphine zu sehen. Ein Raunen geht durchs Boot. Jemand hat einen Delphin gesichtet. In der Ferne springt einer zwei mal kurz aus dem Wasser. Bis die Augen sich auf den Ort ausgerichtet haben, ist er auch schon wieder weg und ich Starre erneut ins vermüllte Wasser. Mission erledigt – Delphine beobachten. Wir drehen wieder um.
Es ist später Nachmittag und noch vor der Feierabend-Rushhour gehe ich Zutaten fürs Backen und Kochen einkaufen. Ich habe heute Schlüssel für die Wohnung gekriegt und kann mich in aller Ruhe in der Küche austoben. Darauf freue ich mir.
Und so tue ich.
Müdigkeit überkommt mich und ich habe das Gefühl in unbewusste Verhaltensmuster zu verfallen. Bald wird es außergewöhnlich bewusste Dunkelheit geben.

Hongkong Strsße bei Nacht
Hongkong Strsße bei Nacht

01.11.16
Der November beginnt mit meinem vorletzten Tag in Hongkong. Vielleicht nie wieder werde ich hierher zurück kommen. Heute Nacht gegen vier Uhr kamen zwei Mädels nach Hause. Die eine, die hier mit im Wohnzimmer schläft, diejenige, die nicht wirklich kommuniziert und eine Freundin von ihr.
Dieser Tag wird zu einer Wanderung zum Viktoria Gipfel. Mittlerweile fühle ich mich schon routiniert mit der U-Bahn. Die wichtigsten Haltestellen kenne ich bereits und muss schon deutlich weniger auf die Ausschilderungen schauen. Auf dem zum Berg komme ich mit einer Französin ins Gespräch. Mir fällt gerade auf, dass ich garnicht nach ihrem Namen gefragt habe. Wir sind dann eine ganze Weile gemeinsam gelaufen und haben ein wenig Smalltalk betrieben. Sie war nicht sonderlich spektakulär, aber es war okay jemanden zu haben, mit dem ich mich etwas unterhalten kann. Wir haben bestimmt fast zwei Stunden miteinander verbracht. Ab und zu hatte ich das Gefühl etwas in meiner Freiheit eingeschränkt zu sein, bei so Sachen, wie kurz stehen zu bleiben und weiter zu gehen, wann ich es will. Na gut, also habe ich etwas Rücksicht auf einen anderen Menschen genommen. Nachdem wir einmal im Kreis um den Gipfel gelaufen sind, trennten sich unsere Wege. Ich habe mir eine Eiskugel gekauft. Auf einen Schild stand etwas mit umgerechnet ca. zwei Euro pro Kugel. Ich wollte aber unbedingt ein Eis. Die Kugel war sehr klein. Als ich bezahlt habe, haben sie mir umgerechnet SECHS EURO für die berechnet. Das war überraschend. War wohl eine Spezialsorte. Ab und zu passieren dumme Tourifehler.
Wieder gehe ich recht zeitig zurück um zu backen und zu kochen. An diesem Abend sitze ich mit den zwei hier Hauptwohnenden gemeinsam am Esstisch. May und Ming. Ich bin verwirrt. Ist Ming nun ein Mädel oder ein Kerl. Ich bin mir aus verschiednen Gründen sehr unsicher.
Ich habe wohl zu viel Salz verwendet für hongkongische Geschmäcker. So wie die beiden es rüberbringen, fühle ich mich erstaunlich verletzt, kann aber ganz gut mit umgehen. Sie reden ab und zu über bestimmte Menschen nicht so positiv. Vor allem über Chinesen. Aber auch diverse andere Menschengruppierungen müssen dran glauben. Ich versuche mich so wohl wie möglich zu fühlen. Gelingt sogar einigermaßen. Immer dieses ganze Unbewusstsein … ach jetzt infiziert mich Cosmin noch mehr. Er spricht davon sehr oft. Eben habe ich eine Aussage verwendet, die er stetig zu sagen pflegte.

Hongkong Straßenszene
Hongkong Straßenszene

02.11.16
Langer Schlaf ist vorbeugend gut. Davon werde ich die kommenden zwei Nächte vermutlich nicht zu viel kriegen. Ich würde am liebsten einen Tag in der Wohnung verbringen und ein paar Dinge am Rechner erledigen. Ein bisschen Videos bearbeiten. Ming ist allerdings auch zu Hause und seine Freundin ist gerade vorbeigekommen. Ich fühle mich entspannter alleine unterwegs, als mit anderen hier in der Wohnung zu sein. Also werde ich zu meiner letzten Tour in die asiatische Metropole aufbrechen. Mein heutiges Ziel ist eine Ausstellung über Bruce Lee. Ming hat sie mir empfohlen. Das Museum war verhältnismäßig etwas abgelegener und weniger bevölkert. Mehr Ruhe. Eine gute Stunde habe ich in der Ausstellung verbracht. Hauptsächlich Text und Videos. Nun habe ich ein bisschen mehr ein Gefühl bekommen, wie Bruce Lee draufgewesen sein könnte.
Anschließend gehe ich zum Treffpunkt des Abendprogramms. Ich habe noch drei Stunden Zeit, bis May, Ming und Alex ankommen werden. Das Viertel ist einenr der Hotspots in Hongkong. Direkt am Wasser verbringe ich den Großteil der Zeit mit Filmen und Fotografieren der Skypline.
Nur einen Satz später und 180 Minuten meiner Geschichte sind vergangen. Wir gehen zu viert in die Chung King Mansions. Unser Plan ist etwas essen zu gehen. Ich werde vorher grob informiert, was es mit dem Gebäude auf sich hat, allerdings nicht darüber was gleich passieren soll. Eine Gruppe mittelöstlicher Typen kommt auf uns zugerannt, alle mit Flyern in der Hand. Ming sagt, ich solle einen auswählen. Erst nachdem ich alle Flyer in die Hand gedrückt bekommen habe, verstehe ich, dass ich auswählen muss, wo wir essen gehen werden. Alle Flyerverteiler reden irgendetwas auf mich ein, ich muss sie ausblenden um mit der Situation irgendwie klar zu kommen. Ich wähle zufällig einen Flyer aus und strecke meinen Arm schnell hoch in die Luft, als ob ich eine rote Karte ziehe. Es hat funktioniert, ein raunen geht durch die Masse und das auf mich einreden legt sich. Wir folgen einem indischaussehendem Mann, der uns nach wenigen Metern an den nächsten weiterleitet. Dieser bringt uns zu einem Fahrstuhl und sagt, wir sollen in den dritten Stock fahren. Das war die wohl bisher au0ergewöhnlichste Restaurantauswahl meines Lebens.
Nach dem Essen sind wir noch durch die Straßen gelaufen und haben verschiedenstes Streetfood probiert. Außerdem waren wir noch in einer Spielautomatenhalle.
Meine letzten Sätze strotzen gerade zu vor kreativem Schreiben. Gerade habe ich mit Ming noch viel zu lange geredet, dafür dass es schon 3:20 ist. Mein Kopf muss jetzt ausschalten. In drei Stunden klingelt mein Wecker.

Hongkong Skyline und Meer
Hongkong Skyline und Meer

03.11.16
Bye bye Hongkong. Ich verlasse die Stadt mit dem Gefühl sehr viel in dieser Woche über sie und ihre Menschen erfahren zu haben. Großteils geht der Dank hierbei an meine Couchsurfhosts. Dadurch konnte ich direkt Kontakt mit Einheimischen knüpfen und erfahren, wie sie so drauf sind und denken. Natürlich ist auch das nur ein Ausschnitt einer möglichen Lebensweise. Dennoch fühle ich mich, als ob ich in den letzten sieben Tagen mehr über Hongkong, als in den davorigen sechs Monaten über China mitgekriegt habe. In China habe ich mich kein einziges mal lange mit einem Einheimischen über die Kultur, Politik etc. unterhalten. Etwas schade vielleicht.
Gerade sitze ich schon in Bangkok im Bus, warte auf meine Abfahrt zum Reisebüro, indem ich mein Zugtickticket nach Koh Pangnan abholen kann. Vor mir sitzt ein älteres deutsches Parr, die sich gegenseitig anmurren und schlechte stimmung verbreiten wollen. Das lasse ich nicht zu! Komische Menschen, die sich direkt nach der Ankunft in einem neuen Land über Dinge aufregen. Von oben sieht Bangkok sehr hässlich und langweilig aus. Zumindest das, was ich vom nördlichen Teil sehen konnte. Alles ist in Rechtecke aufgeteilt. Straßen, Wohnblocks, Felder. Die Natur wurde unterdrückt. Ich hatte heute bisher noch keine Lust zu filmen. Im vergleich zu Hongkong wirkt Bangkok direkt deutlich ärmer. Schon der Flughafen ist viel dreckiger. Die kurzen ersten Kontakte mit Menschen waren, bis auf den Immigrationspolizisten (Ich habe das Gefühl, diese Menschen werden darauf geschult böse zu gucken und unfreundlich zu sein.), waren sehr positiv. Eine Frau fragt mich wo ich hin möchte. Sie ist von einem Taxistand im Flughafen. Ich erkläre es ihr und sie meint, dass ein Taxi bei ihrem Stand zu teuer ist. Ich solle bessser eins draußen nehmen. Für nun ca. 4 € ist es doch der Bus geworden. Ich denke, es ist eine gut Entscheidung keine Zeit in Bangkok zu verbringen. Hongkong ist erst mal genug Großstadt für die nächste Zeit.
Ich bekomme den Schlafentzug zu spüren. Die Luft auf dem Bahnsteig ist stickig heiß. Ich fühle mich etwas im Zombiemodus.
Nun liege ich im Zug. Der Vorhang macht es fast gemütlich, auch wenn ich etwas zu groß für das Bett bin. Mein erster Schlafzug. Hier ist alles gefühlt noch ärmer als in China. Vor der Abfahrt wurden noch abenteuerliche Reparaturen am Zug vollzogen. Immer noch sind die Leute sehr hilfreich und freundlich. Es sprechen auch viel mehr Menschen Englisch als in China. Es sind unglaublich viele Touristen hier unterwegs.
Gefühlte drei Stunden Schlaf später, ist es gerade mal neun Uhr. Noch neun Stunden Fahrt. Es ist holperig,laut wohlig. So viel Privatsphäre hatte ich die letzte Woche nicht gehabt. Erfreut stelle ich fest, dass es hier funktionierendes WLAN gibt. Das hat nicht mal Hongkong hingekriegt. Erstaunlich.
Eine gute Weile später werde ich wieder gezwungen offline zu sein. War auch zu schön. Ich kann immer nur kurze Stücke schlafen. Die Neonröhren werden anscheinend die ganze Nacht nicht ausgeschaltet.
Manche Erfahrungen werden nicht von mir dokumentiert. Teilweise sind es sogar besonders tolle Momente. Momente die ich für die Momente heilig erachte und in ihrer Pracht sowieso nicht festgehalten werden können. Die kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen, Situationen die nicht in Videos zu sehen sind un in Texten zu lesen. Erfahrungen, die jeder selbst erleben muss und eine Reise für jeden selbst ein individuell heiliges Erlebnis ist.
In meiner letzten Hongkongnacht hatte ich noch diese ausführliche Unterhaltung mit Ming. Er hat mich gefragt, dass wenn er mehr über Deutschland erfahren möchte ohne es zu bereisen, wie er an gut authentische Informationen kommt. Der Clue daran: die Sprache. Infos über ein Land werden hauptsächlich von Leuten des Landes publiziert und damit in der jeweiligen Landessprache. Wenn die Nachrichten in einer anderen Sprache existieren sollen, werden sie meist aus der Sicht des jeweiligen anderen Landes produziert, wodurch eine teilweise sehr verschobene Wahrnehmung geschildert wird. Es wäre eventuell bereichernd, wenn mehr Blogger in English schreiben um auch anderen Kulturen einen authentischen Einblick in fremdes Leben zu gewähren.
So langsam ist es mir genug Zug. Die Klimaanlage kühlt etwas zu gut. Vielleicht noch drei Stunden Fahrt. Mal schauen wie pünktlich wir sein werden. Außerdem bin ich gespannt, wie ich erfahren werde, wann ich aussteigen muss. Bisher gab es noch keine durchsagen.
Ich bin mitten im Touristenzentrum. Angekommen am Bahnhof werde ich direkt zu einem Bistro geführt wo ich auf den Bus warte. Ich trinke meine erste Kokosnuss. Vermutlich eine teure. Die Kokosnüsse hier sind anders, als die, die man in Deutschland kaufen kann. Sie sind grün, haben mehr Wasse. Das Fleisch ist weniger und weicher. Man kann es löffeln. Von denen werde ich die kommenden Monate bestimmt noch einiges verzehren.
Der Verkehr hier ist deutlich sicherer als in China. Die Leute machen keine verrückten Manöver und gehupt wird nur, wenn es wirklich nötig ist. Noch ein Tag bin ich Teil dieser sich komisch anfühlenden Touristenmasse, werde ich Teil von mir und dem Universum. Ja, das bin ich auch jetzt schon.
Auf der Fähre gibt es wieder mir vertraut erscheinende chinesische Schriftzeichen. Lesen kann ich sie immer noch nicht. Das Wetter ist schlecht. Ich dachte die Regenzeit sei schon vorbei. Schlechtes heißt aber immerhin sommerliche Temperaturen. Je weiter wir aufs Meer hinaus kommen, desto schlechter wird die Sicht, desto stärker wird der Regen.
Ich wandere durch die gemütlichen Straßen. Die Insel gibt mir ein gutes Gefühl. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Dunkelheit
Wow, morgen werde ich das wirklich machen. Die letzte Woche war so unmeditativ, wie lange keine mehr. Ich bin noch total im Neusein mit Thailand und allem. Aber hey, sobald ich da drin bin, wird sich alles wieder ändern und ich werde zwangsläufig ruhiger werden.

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neue Experimente

02.10.16
Ein ruhiger Tag mit vielen Videos und Meditation. Jeden Tag etwas lernen macht Spaß. Nun habe ich wieder die kalte Dusche eingeführt. Ich weiß garnicht, warum ich das die ganzen letzten Monate wieder sein lassen habe. Vielleicht war es einfach zu warm. Es fühlt sich jedenfalls unglaublich gut an unter eine kalte Dusche zu springen. Die ersten Schocksekunden überstehen und dann ist es wunderbar.

03.10.16
Ich werde nun ein neues Experiment durchführen. Nachdem die letzten drei Wochen ohne Frühstück sehr positiv verlaufen sind, werde ich es nun noch etwas extremisieren. Am Wochenende habe ich schon nur Abendessen gegessen, jetzt probiere ich es auch unter der Woche aus. Eine Mahlzeit pro Tag. 23 Stunden fasten.
Der Tag verlief gut. Ich hatte viel Energie und das Mittagstief ist verhältnismäßig schwach ausgefallen. Heute gab es keinen Mittagsschlaf für mich. Das Training war normal, nicht besonders anstrengend heute. Nachmittags hat Alex mir Taji Spiele gezeigt. Das war gut. Ich möchte möglichst viel über Taiji lernen. Er hat mir einiges an neuem Input gegeben.

Trainingsplatz Wangzhigou
Trainingsplatz Wangzhigou

04.10.16
Ein weiterer Tag mit nur einer Mahlzeit ist vorbei. Ich fühle mich sehr gut, klar, stark, entspannt und glücklich.
Eben hatte ich das erste mal die Realisation, dass ich in gut drei Wochen wirklich weg von hier gehe.

07.10.16
Schon wieder vernachlässige ich das Schreiben. Das nun nur eine Mahlzeit pro Tag essen läuft bisher sehr gut. Sieben Tage mache ich das nun schon. Ich habe den ganzen Tag über viel Energie. Ein Mittagsloch existiert nur noch viel schwächer. Ich bin sehr klar und fühle mich oft sehr high. Sogar nach dem Essen Abends. Das macht mich meistens nochmal gut glücklich. Obwohl ich es Abends mit dem essen immer total übertreibe und fast die Menge esse, die ich sonst an einem ganzen Tag verspeise, habe ich das Gefühl, dass es so viel gesünder ist. Mein Körper hat nun jeden Tag ausgiebig Zeit sich zu erholen und zu regenerieren. Aus Gewohnheit trinke ich nur Wasser. Das ist bestimmt auch noch mal förderlich für den Heilungsprozess.

09.10.16
Seit gestern morgen, nachdem ich mit meinem Papa geskypt habe, tut mein Nacken weh. So als ob ich mir einen Nerv eingeklemmt habe. Ich wollte eigentlich gestern schon ein Video über Tai Chi machen, hab es dann auf heute verschoben, in der Hoffnung, der Schmerz ist heute wieder weg. Es ist beim Hoffen geblieben. Es ist ein mir altbekannter Schmerz. Ich hatte ihn lange nicht mehr. Vielleicht hat er etwas mit der Kälte zutun, die langsam wieder eintritt. Noch gut zwei Wochen, dann geh ich weiter in den Süden.
Dennoch hab ich heute ein Video aufgenommen und bearbeitet. Die letzten Tag habe ich mir viel von Casey Neistat angeschaut. Ich mag seine Videos, auch wenn sie größtenteils nur Unterhaltung sind. Seine Art Videos zu machen ist irgendwie faszinierend und inspirierend. Mein nun heute bearbeitetes Video hat ein paar Dinge von ihm angeguckt.

Youtuber die mein Leben verändert haben, bzw. Leute, die von denen Videos auf Youtube zu finden sind. Bestimmt habe ich ein paar vergessen (chronologische Reihenfolge):
Elliot Hulse
RSD Tyler
Eckhart Tolle
OSHO
Käptn Peng
Casey Neistat

10.10.16
Peter war am Wochenende in Zhengzhou in der Metro einkaufen und hat mir Erdnussbutter mitgebracht. Njamnjam. Danke Peter.
Klicke mich durch Youtube auf der Suche nach etwas. Das meiste, das ich finde ist Unterhaltung. Oder doch etwas Mehrwert? Ich möchte mehr kreieren. Ich fühle mich noch etwas eingeschränkt hier. Bald werde ich in die Freiheit entlassen. Oder ist auch das nur ein Vorwand? Ich denke nicht wirklich.
Ich möchte nicht in den Strudel der Belanglosigkeiten gezogen werden. Mit viel Aufwand habe ich mich daraus größtenteils befreit. Ist etwas noch belanglos, sobald es jemandem schöne Gefühle bereitet? Kann Konsum belangreich sein?
Ich mag Casey und andererseits widerstrebt mir einiges in seinem Leben. Sein Leben aus dem ich nur einen Ausschnitt zu sehen bekomme.
Stadt oder Land? Beides hat Vorteile. Stadt ist viel. Befüllt den Geist. Bunt. Input, Output, Publikum, laut, dreckig, Kultur, Vielfalt.
Es ist schon wieder spät. Im Hintergrund läuft ein Song „Still can’t fall (a sleep)“ Es ist die Zeit nach meinem täglichen Essen. Die Hauptverdauung ist vollbracht und ich bin voller Energie.
Ich muss ins Bett, zuvor noch eine kurze Meditation. Sie wird meinen Schlaf erleichtern. Ich muss mich mal filmen, wie ich manchmal an meinem Laptop hänge und schreibe. Absurd.

Liste der Dinge die ich brauche:
mehr Speicherplatz für Videomaterial
Geld wäre hilfreich, lässt sich organisieren.

Ich freue mich über die Kürze der Liste.

Wanzhigou Kung Fu Dorf
Wanzhigou Kung Fu Dorf

13.10.16
Wir hatten abends mal wieder ein Meeting mit Shifu. Die nächsten drei Tage wird es ein großes internationales Martial Arts Festival im Shaolin Tempel geben und die Polizei wird uns an diesen Tagen nicht aus dem Dorf lassen. Wir sollen wohl keine „Probleme“ bereiten. Das betrifft aber wohl nicht nur uns, sondern das ganze Dorf. Für mich kein Problem, ich bleibe eh meistens hier.
Der zweite Teil der Besprechung war nur für alte Schüler. Shifu hat uns gesagt wie wichtig es ihm ist, dass es uns gut geht und uns das Training gefällt. Er wollte ein kurzes Feedback von uns hören und hat jedem von uns auch ein persönliches gegeben. Ich bin ihm mal wieder sehr dankbar für die Freiheiten, die er uns gibt und die Art wie er ist. Es ist sehr schwer einen besseren Meister als ihn zu finden.

14.10.16
Keine Lust zu schreiben. Ich überwinde mich dennoch. So wie mit der kalten Dusche. Erst habe ich keine Lust, dann durchziehen und danach besser fühlen. So auch heute das Training. Es war mal wieder ein recht hartes Kung Fu Basics Training. Wenig Pause zwischendurch, viel schnell. Es war kalt, wir mussten warm werden. Das ist gelungen.
Ich habe im Moment viel mit Cosmin zu tun. Da das Internet in seinem Zimmer nicht funktioniert hat, saß er nach dem Abendessen eine ganze Weile bei mir und hat WoW gespielt. Ich träume immer noch ab und zu von dem Spiel. Bin aber nicht mehr leicht zu verführen. Es reizt mich kaum noch. Aber ich muss dennoch etwas Energie aufwenden, um mich nicht wieder in den Sog mitreißen zu lassen.

16.10.16
Das Wetter war toll. Es ist noch ein mal sommerlich geworden. Den ganzen Tag habe ich damit verbracht ein neues Video zu produzieren. „One Meal a Day“ Mein neues Experiment. Es fühlt sich sehr gut an etwas zu produzieren, zu kreieren. Mit dem Thema erhoffe ich mir auf einen viral Youtube Trend aufzuspringen und ein paar mehr als nur 50 Views in der ersten Woche zu bekommen. Ich merke, dass mein Ego nach dieser Youtubeaufmerksamkeit strebt, giert. Dass ich jetzt schon Werbung auf meinem Kanal aktiviert habe, ist vielleicht etwas lächerlich, aber auch mit diesem Gefühl möchte experimentieren. Jedes mal auf neues ist es aufregend ein neues Video hochzuladen. Laber ich nur Unnützes? Interessiert es Leute? Ich möchte gerne etwas von meinen Erfahrungen teilen. Wenn ich dabei noch ein paar Cent durch Werbung verdiene erfreut mich das. Ich habe kein wirklich schlechtes Gewissen mit der Werbung. Entweder haben die Leute einen Werbeblocker oder sie sind die Werbung sowieso schon gewohnt.
Seit dem Mittag bin ich ungewöhnlich fertig und Müde. Abends gibt es heute wieder besonders viele Süßigkeiten. Ich sitze noch bis tief in die nach an dem Video. Lange gab es nichts mehr, das mir wichtiger war als Schlaf.

bunter Hund
bunter Hund

17.10.16
Gerade mal vier bis fünf Stunden Schlaf habe ich abbekommen. Ich fühle mich wacher als die letzten Wochen. Vielleicht sollte ich wieder mit meinem Schlaf experimentieren. Es ist Mittag und ich bin gerade besonders gut drauf. Ein kurzer Powernap in der Sonne. Thomas hat sich bei mir bedankt, dass ich ihm so gut Tai Chi beigebracht habe und meinte, dass er es ohne mich nicht so schnell gelernt hätte. Das hat mich etwas gerührt. Ich mag Thomas. Er ist auch eher ein Einzelgänger. Er redet nicht viel, stört nicht, ist etwas nerdig. Das sind tendenziell Charakterzüge, die ich an Leuten mag.
Ohh, gerade mal 11 Views nach ca. 6 Stunden.
Ich hab eine Fehler beim Uploaden gemacht. Alles nochmal hochladen. Nach einer Stunde und 70% Upload, fällt das Internet aus. Arghhhh. Ruhe bewahren. Es gibt noch zwei andere Netzwerke hier in der Schule. Beide ausprobiert, beide funktionieren nicht. Also wohl etwas meditieren. Kein Internet ist schlimmer als keinen Strom zu haben. Falls Internet keinen Strom bräuchte.

19.10.16
Gestern und heute lernen wir eine neue Form. Zumindest diejenigen, die wollen. Baji Xiao Jia. Da Jonathan am Freitag geht und nur er die Form kennt, wollte Shifu, dass er sie uns noch schnell beibringt. So schnell habe ich noch nie so viel neue Bewegungen gelernt. Sehr energetische, kraftvolle Moves. Ich habe auf einmal einen Schmerz in der rechten Seite meines Nackens, den ich die ganze letzte Woche auf der linken Seite hatte. Vielleicht ein gutes Zeichen? Ich möchte es zumindest so interpretieren.

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Kung Fu, Fasten, Wandern

Danke an Christian für diese Aufnahme. Weiter unten gibt es noch ein weiteres Video.

05.09.16
Ein weiterer erster Fastentag. Schon wieder wird Müll verbrannt. Ich hoffe das wird nicht zur neuen Gewohnheit hier. Heute habe ich Yis sehr schönes Comicbuch „Running Girl“ gelesen. Eine sehr kurze aber sehr stimmungsvolle Geschichte.
Ich fühle mich auch ohne essen sehr fit. Bin aber nur ein paar kleine Runden gelaufen und habe ein wenig Taiji gemacht.

06.09.16
Wir haben nun erfahren, dass unsere jungen Meister Hai Han und Li, welcher kaum noch da war in letzter Zeit, nun zur Armee gehen mussten. In China dauert der Wehrdienst angeblich mindestens zwei Jahre. Einen Abschied von ihnen gab es nicht. Ich hoffe besonders für Hai Han, dass es ihm gut ergehen wird und seine Leichtigkeit und Glücklichkeit nicht zerstört werden.

07.09.16
Gerade überkommt mich eine Unglücklichkeit und Ungewissheit. Ich denke heute sehr viel an die Zukunft. Wie es alles wird und was mir am besten tut. Es ist wieder ein Moment in dem ich nicht mehr unbedingt hier sein mag. Nun würde ich gerne in Deutschland sein. Sobald ich aber wieder zurück nach Deutschland gehe, kommt automatisch auch wieder der Geldgedanke. Vielleicht ist es eine kleine Fastenkrise. Ich weiß gerade nicht, was ich möchte. Wie immer versuche ich mir zu sagen: auch das geht vorbei.
20 Minuten später. Schon fühle ich mich wieder sehr gut. Nach ein wenig Bewegung sieht die Welt wieder ganz anders aus. Ich bin wieder mehr im Moment.

09.09.16
Diesmal ist das fasten noch einfacher als beim letzten mal. Ich habe zwar auch meinen Computer behalten und deutlich mehr Ablenkung als zuvor, aber dennoch habe ich das Gefühl mich schon gut an den Status gewöhnt zu haben. Gestern Abend wurde es wieder etwas spannender. Ich habe dynamische Atmungen und Bewegungen ausprobiert und konnte wieder einige Stellen in meinem Körper, zumindest temporär, befreien. Ich fühle mich wieder besonders entspannt. Wenn ich mein Fasten breche, werde ich eine Zeit lang intermittierendes Fasten ausprobieren. Ich glaube, das könnte mir gut gefallen und gut tun. Das bedeutet zwischen der letzten und ersten Mahlzeit eine Pause von ca. 16 Stunden zu haben. Ich werde also das Frühstück jeden morgen ausfallen lassen Solange ich hier in der Schule bin, heißt das jeden Tag 17 Stunden nichts zu essen. Also jeden Tag ein kurzes Fasten. Es ist sehr klar bewiesen, dass wenn man allgemein weniger isst, man länger und gesünder lebt. Außerdem ist es gut dem Körper mehr Zeit zu geben, indem er sich regenerieren kann und nicht verdauen muss, da die Verdauung einen Großteil unserer täglichen Energie benötigt.

10.09.16.
Gestern habe ich mich den ganzen Tag über sehr schwach gefühlt. Abends dann, hatte ich auf ein mal viel Energie. Da lag ich schon im Bett und das Schlafen fiel schwer. Ich habe seit gestern Nachmittag ab und zu einen altbekannten Drogengeruch in der Nase. Vielleicht lösen sich gerade Reste aus meinen Nasennebenhöhlen, die seit Jahren dort festsitzen. Vielleicht habe ich auch deshalb so viel Energie. Oder Einbildung? Wer weiß … Ich werde vermutlich heute oder morgen das Fasten schon abbrechen. Ich habe keine Lust mehr.

Aussicht Huashan Gebrige
Aussicht Huashan Gebrige

12.09.16
Es ist der dritte Abend des wieder Essens. Ich liege im Bett und lausche dem strömenden Regen und Gewitter. Eben bin ich gerade noch einer Sahneschlacht entkommen. Es war mal wieder Geburtstag. Noch bleibe ich dem Zucker fern. Ich fühle mich sehr klar und leicht. Das Fasten hat mir wieder sehr gut getan. Meinem Essen widme ich viel Aufmerksamkeit und Zeit, kaue langsam und ausgiebig, versuche Unterhaltungen während des Essen auf das Nötigste zu reduzieren. Ich werde nun weiterhin erst mittags meine erste Mahlzeit zu mir nehmen und meinem Körper dadurch mehr Verdauungs- und Regenerationspausen gönnen.

14.09.16
Statt Powerstretching habe ich heute mit Christian Yoga gemacht. Es war auch hauptsächlich Stretching, aber viel besser es alleine mit Gefühl zu machen, als wenn ich zwei andere Leute dehnen, die nicht auf die Feinheiten achten und nicht in deinem Körper stecken. Es tat unglaublich gut. Gepaart mit viel Meditation der letzten Tage habe ich nach dem Mittagsschlaf einen massiv angenehmen Muskelkater im Rücken und irgendwie im Inneren gehabt. Meine Haltung fühlt sich gerade besonders gut an. Nächsten Dienstag wieder. Danke Christian.
Vor dem Abendessen kam ein Backpackerpärchen an, das eine Nacht hier verbringen wird. Sie sind nun schon seit acht Monaten per Anhalter unterwegs. Angefangen haben sie in Polen. Sie haben ein paar Storys erzählt. Sie wirkten ganz schön geschafft. Ich glaube So etwas kann eine tolle Erfahrung sein, aber man kommt zwischendurch kaum zur Ruhe. Ich habe dann nicht viel nachgefragt und mich wieder verkrochen. So sehr bin ich dann doch nicht an Geschichten interessiert.

15.09.16
Heute starten wir einen Kurztrip zum Huashan. Ein Berg ca. drei Stunden von hier entfernt. Es ist Feiertag in China und drum fahren wir besonders früh los, da es angeblich viel Verkehr geben kann. Der erste Teil unserer Fahrt ist per „Taxi“ nach Luoyang. Es ist eine recht spannende Fahrt durch arme, ländliche Regionen. Alles wirkt sehr einfach und sehr dreckig. Die Fahrt ist angenehm, da alle kein wirkliches Bedürfnis haben sich zu unterhalten.
In Luoyang angekommen fühlt es sich wieder westlicher an. Der Bahnhof ist sauber und gut organisiert. Wenn man in China Bahn fährt, muss man wie beim Flugzeug sein Gepäck und sich selbst durchleuchten lassen. Anschließend sitzt man dann in einer Wartehalle bis man zum Einsteigen aufgerufen wird. Dadurch sind die Bahnsteige immer sehr leer. Das wirkt etwas geisterhaft. Das System ist bei großen Bahnhöfen bestimmt sinnvoll, auch wenn ich den Sicherheitscheck ein bisschen übertrieben finde.
Da wir viel zu früh losgefahren sind, sitzen wir noch drei Stunden in einem Bahnhofs Cafe. Die Atmosphäre ist super entspannt. Ich mag unsere Reisegruppe von momentan noch sieben Personen. Sobald wir in den Zug steigen werden wir erstmal nur noch drei Leute sein. Zwei weitere kommen dann einen Tag später nach.
Angekommen in Huashanbei werden wir direkt von einer alten Frau überfallen, die uns Handschuhe verkaufen will, erst später verstehen wir warum es hier überall diese Handschuhe gibt. Anschließend kommt direkt ein Taxifahrer zu uns. Beide können wir nur mit Mühe abwimmeln. Wir möchten uns selber unseren Fahrer aussuchen. Wir stehen vor unserem Hotel. Direkt vor dem Eingang ist eine kleine Kohleverbrennungsanlage. Die Luft ist deutlich schlechter als beim Shaolin Tempel. Das Gebäude ist etwas runtergekommen. Als wir unser Zimmer betreten, ist es allerdings ganz okay. Das Personal ist sehr angenehm und wir verständigen uns mit dem Nötigsten.
Wir machen uns auf die Suche nach einem Supermarkt um uns Proviant die die nächsten Wanderungstage zu beschaffen. Der Smog hat sich etwas gelichtet. Nun sehen wir sogar etwas vom Berg. Schon wieder kommt eine Frau an und will uns Handschuhe verkaufen. Diese ist die wohl hartnäckigste Verkäuferin, die ich bisher jemals gesehen habe. Sie ist uns ca. einen Kilometer lang hinterher gelaufen während sie versuche uns zum Kauf zu überreden. Auf dem Rückweg vom doch recht weit entfernten Supermarkt gehen wir in ein Restaurant und essen höchst schmackhaftes chinesisches Essen. Unsere nun kleinere Gruppe von nur noch Christian, Julien und mir ist immer noch angenehm. Huashanbei wirkt ähnlich unspektakulär wie Dengfeng und Changyuan, die einzigen Städte die ich bisher wirklich gesehen habe. Hier scheint sehr viel vom Tourismus zu leben.
Ich hatte den ganzen Tag keine Lust Fotos und Videos zu machen. Das hätte nur noch mehr Energie gekostet. Da mein Chinesisch noch am besten uns ist, übernehme ich immer die Kommunikation. Raus aus der Komfortzone. Auch das trägt zu meiner Müdigkeit bei, aber ich lerne viel. Das Reisen ist immer sehr anstrengend für mich. Anstrengender als Training. Ich fühle mich wohlig fertig und freue mich aufs Bett.

Liebesschlösser Altar
Liebesschlösser Altar

16.09.16
Nach drei Stunden berg auf wandern, machen wir eine Pause. Wir sind auf dem ersten Gipfel angekommen. Einen gut schnellen Gang hatten drauf. Belohnt werden wir mit einer wunderbaren, relativ klaren Aussicht und leider einer Horde Chinesen. Da hätte ich lieber einen weniger spektakulären Ort, der ruhiger ist. Ein bisschen habe ich mich allerdings schon an die Menschenfluten gewöhnt. Manchmal kann ich sie ausblenden. Hier lassen uns die Menschen aber glücklicherweise mehr in Ruhe als beim Shaolin Tempel. Noch kein einziges Foto wollten sie bisher mit uns machen. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier eher Leute mit Geld sind, da man Eintritt für den Berg zahlen muss. Und wenn man mit der Seilbahn fährt ist es noch mal teurer.
Endlich hat doch noch jemand ein Foto mit mir gemacht. Das war dann sogar Motivation für mich, auch meine Kamera auszupacken. Auf dem Rückweg zu fotografieren war angenehm. Da hab ich alles schon ein mal ohne den den Fotografierdruck entspannt wirken lassen können. Und kann mich nun leichter den Fotos widmen. Am Fuß des Bergs sprachen uns zwei Mädels an, die uns dann noch eine Weile gefolgt sind. Das war meine bisher längste Unterhaltung auf Chinesisch. Ein bisschen Hilfe einzelner englischer Worte haben wir doch noch gehabt.
Zurück im Hotel. Julien und ich sind ohne Christian zurück. Er wollte noch etwas weiter wandern. Morgen ist ein weiterer Tag and wir den Rest erkunden möchten. Der Rückweg war deutlich angenehmer und schneller. Nach nun neun Stunden unterwegs sein, bin ich wieder gut erschöpft. Licht aus.

17.09.16
Gestern Abend sind Willen und Ream zu uns gestoßen. Als nun größere Gruppe gönnen wir uns heute den Luxus der Seilbahn und laufen dann von Gipfel zu Gipfel, was wir gestern nicht mehr gemacht haben. Es sind ein bisschen weniger Menschen als den Tag zuvor. Abends gehen wir noch mal in das gleiche, uns so begeisternde, Restaurant von Donnerstag.

Minitempel auf Huashan
Minitempel auf Huashan

18.09.16
Home sweet home. So fühlt es sich an wieder in der Schule anzukommen. Das kleine aufregende Abenteuer ist vorbei und ich befinde mich wieder in der sicheren Zone. Ich fühle mich mittlerweile sicherer in der Kommunikation auf Chinesisch und habe das Gefühl mich nun besser durchschlagen zu können. In den letzten Tagen konnte ich meine Sprachkenntnisse oft unter Beweis stellen. Auf der Rückfahrt von Huashanbei zum Shaolin Tempel haben wir von Luoyang aus ein „Taxi“ genommen. Ein Typ hat uns angesprochen und gefragt, ob er uns fahren kann. Es war sogar günstiger als die von unserem Meister hinzu organisierte Fahrt. Nur 300 Kuai, ca. 40 € für eine mehr als eine Stunde Autofahrt für 5 Personen.
Es gibt in China ein paar Gerüche, die ich bisher noch nirgendwo sonst gerochen habe. Allerdings sind sie nicht gerade positiv. Meist sind sie mit Müll und Fäkalien verbunden.

19.08.16
Wir haben zwei neue Shifus, zumindest temporär. Vielleicht bleiben sie nur eine Woche. Es sind Freunde unseres Shifus. Shifu Wu und Shifu Liu. Sie machen einen angenehmen Eindruck. Ich glaube Shifu Wu ist etwas strenger.

China Luoyang
China Luoyang

20.09.16
Heute fühle ich mich etwas faul und freue mich darüber nur entspanntes Training zu machen. Gerade machen wir fast nur Formen, da diese Woche die zwei Meister da sind und wir die Gelegenheit nutzen sollen etwas von ihnen zu lernen. Der eine Meister raucht, der andere ist dick und recht „chinesisch“, hab ich zumindest das Gefühl. Damit meine ich, er ist nicht so offen und westlich, spuckt auf den Boden und mag Disziplin.

21.09.16
Ich habe den einen neuen Meister wohl etwas falsch eingeschätzt, er scheint wohl doch recht angenehm und nicht zu streng zu sein. Trotzdem spuckt er dauernd auf den Boden.
Mir wurde mitgeteilt, dass es doch so etwas wie Erdnussbutter in Dengfeng zu finden gibt. Dem werde ich nachgehen!
Ich habe mich nun dafür entschieden doch nicht mit Christian nach Beijing zu fahren. Die kleine Reise letztes Wochenende war erstmal wieder genug Stress, Geld, schlechte Luft und Zugfahrt für die nächsten Wochen. Bis Hongkong und dann Thailand ist es auch nicht mehr lange hin. Ich freue mich schon sehr drauf.

22.09.16
Okay der eine Shifu ist doch etwas komisch. Morgen sind die beiden den letzten Tag da. Nun sind es nur noch fünf Wochen die ich hier sein werde. Die Zeit vergeht im Fluge. Obwohl ich so fit wie noch nie in meinem Leben bisher bin, bin ich nicht so fit wie ich erwartet hätte nach dieser Zeit zu sein. Ich fühle mich oft ein wenig unmotiviert und matsch und nicht voller explosiver Energie. Christian wird Montag gehen. Damit fällt mein Hauptgesprächspartner weg. Ich werde ihn bestimmt später mal besuchen.
Seit nun zwei Wochen habe ich nichts vor ca. 12 Uhr gegessen. Das läuft ausgesprochen gut. Ich fühle mich morgens nicht hungrig und habe viel Energie. Ich habe das Gefühl das intermittierende Fasten wird mich noch eine lange Zeit begleiten. Es fühlt sich gesund an.

China Huashan
China Huashan

23.09.16
Diesen morgen sind wir in den Shaolin Tempel gegangen. Die Afrikaner hatten dort heute ihre Abschlussfortführung. Erst wollten sie uns nicht kostenlos in den Tempel lassen, obwohl wir unsere Kluften getragen haben, anschlie0end gab es weitere Verwirrung, wo, wie und wann es stattfinden wird. Nach längerem hin und her und vielem Warten, gab es dann doch noch eine recht ausführliche Zeremonie mit vielen Shaolinmeistern und -oberhäuptern. Das Warten lohnte sich. Die Vorführung war beeindruckend. Am Ende performten dann noch chinesische Kungfuler – ich bekam Gänsehaut. Es war die vielleicht bisher beste Kung Fu Performance, die ich je gesehen habe.

26.09.16
Ist das Wochenende Spektakuläres vorgefallen? Anscheinend hat nichts es in mein Tagebuch geschafft. Heute ist Christian abgereist. Es war eine schöne Zeit mit ihm. Er war der mit Abstand beste Schüler in Sinne seiner Performance. Shifu hat ihm zum Abschied sogar ein Schwert geschenkt. Ich freue mich für ihn.
Es ist ein regnerischer Tag und nach unseren morgendlichen Kicks, die heute seit langem mal wieder sehr viele waren, war es das auch schon mit Training. Es gab eine Besprechung und nachmittags eine lange Meditation mit anschließendem Qigong. Das tat sehr gut. Könnte meinetwegen öfter sein.
Heute Abend habe ich mich für kurze Zeit verliebt gefühlt. Es war ein mir aufregendes bekanntes Gefühl, das allerdings nicht wirklich an eine Person gerichtet war, sondern mehr ins Nichts hinein.
Ich habe mich gestern und heute sehr angenehm mit Cosmin unterhalten. Es tut gut jemanden hier zu haben, mit dem ich mich über spirituelle Themen austauschen kann und alles erzählen kann, ohne komisch angeschaut zu werden. Nun wird er erstmal wieder eine Woche schweigen. Er möchte mit den anderen nicht kommunizieren und führt deshalb den Stillemodus für sich ein.

Touritempel auf Huashan
Touritempel auf Huashan

29.09.16
Heute ist wieder ein „Recyclingtag“ im Dorf. Nach dem Aufwärmrunden des Powertrainings frage ich Shifu ob ich alleine ins Grüne gehen kann und für mich trainieren. Dort war dann auch die Luft besser. Vermutlich habe ich mich nicht so sehr gepusht, wie wenn ich in der Gruppe geblieben wäre, aber es war auch gut.

30.09.16
Nur noch vier Wochen. Rasant verschwindet sie im Vergangenen. Die Zeit.
Heute hatte ich mein wohl letztes Grading hinter mir. Ich fühle mich immer wohler mit meinen bisher erlernten Formen, doch ist noch unendlich viel Luft nach oben offen um mich zu verbessern. Ich habe erstaunlich viel Lob für mein Taiji gekriegt. Ich muss es wohl mal filmen.

01.10.16
Ein Wochenendtag. Ich esse seit gut einer Woche wieder Zucker. Es ist eine schlimme Sucht. Dafür gibt’s dann Samstag und Sonntag nur Abendessen. So kann mein Körper ein bisschen entgiften und regenerieren.

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Besuch aus Deutschland

Schon wieder ein paar Wochen her, dass ich das letzte mal hier etwas von mir hören lassen habe. Es wird wohl unregelmäßig bleiben. Bleibt gespannt.
Die Bilder in diesem Post stammen von Yi und Tobi, danke euch dafür!

15.08.16
Im Morgengrauen mussten wir heute miterleben wie ein paar Kinder von einer Schule nebenan für irgendetwas bestraft wurden. Erst gab es sehr harte Schläge mit einem Stab auf den Hintern. Fünf Stück pro Kind. Schon nach dem ersten Schlag weinten zwei von ihnen. Anschließend mussten sie mit Füßen erhöht, Liegestützposition halten. Bestimmt 30 Minuten lang. Ich schaffe vielleicht eine Minute. Immer wenn sie zu viel geweint haben, sich beschwerten oder ihre Haltung zu schlecht wurde, gab es weitere Schläge.
Es ist Putztag. Statt Training putzen alle ihren Zimmer. Danach werden noch die Matten mit denen wir trainieren gesäubert. Ich muss noch mal temporär aus meinem Zimmer. Vermutlich für fünf Tage. Ich bin wieder in dem Raum, in den ich schon mal ausweichen musste. Er riecht nicht gut. Im Bad tropft das Wasser und hinter den Tapeten schimmelt es. Ich lasse einfach immer Fenster und Tür auf und den Ventilator laufen. Die paar Tage überlebe ich es wohl.
Ich hatte nun eine Woche Stretchingpause. Sie bewirkte Wunder. Anscheinend ist nicht nur das Fasten besonders wohltuend für die Flexibilität, sondern auch das Ruhen. Abends gab’s mal wieder Geburtstagsfeier und -torte. Heute ist Monkey Alex der Befeierte.

Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi
Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi

16.08.16
Gefühlt mindestens ein mal pro Woche fällt der Strom aus. Manch mal nur kurz, manch mal ein paar Stunden. Ich frage mich ob es sich lohnt so schlechte Stromleitungen zu verlegen und immer wieder einen Elektriker Hand anlegen zu lassen.
Ich bin wieder zuckersüchtig. Zum Glück war ich immer noch kein Geld holen und kann mir kein Eis kaufen.
Nach dem Powerstretching tut mir heute wieder meine Hüfte besonders weh. Ich spüre sie bei jeder Bewegung.

17.08.16
Heute ist der Tag des Geistes. Sowas wie für uns vielleicht Freitag der 13. ist. Deshalb gibt es zum Frühstück keine Pancakes, wie sonst jeden Tag. Die bringen angeblich Unglück. Mal schauen was der Tag mit sich bringt.
Das Unglücklichste was mir heute passiert ist, ist, dass mir eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen ist. Tag fast überstanden. Zähne putzen und ins Bett.

Alter Mann © Yi & Tobi
Alter Mann © Yi & Tobi

18.08.16
Zum Frühstück Stand ich beim Essen an als ich sehe, dass mein Honig nicht am erwarteten Platz ist. Seit gestern ist eine neue Gruppe von neun Amerikanern hier. Ich stelle kurz mein Geschirr ab um ihnen zu erklären, dass die Saucen und Co. Von Schülern gekauft sind und sie sie bitte nicht einfach nehmen sollen ohne zu fragen. Währenddessen sehe ich gerade noch wie meine Chilisauce um einen riesigen Klecks reduziert wird. Die eine entschuldigt sich und meint sie werden dann eigenes kaufen. Ich drehe mich um und will mein Geschirr, das ich vor 10 Sekunden abgestellt habe wieder nehmen und es ist weg. Auch das muss anscheinend geklärt werden. Das Unangenehmste daran finde ich die eigenartige Selbstverständlichkeit, mit der manche Menschen handeln. Dass sie nicht auf die Idee kommen zu fragen, bevor sie sich etwas nehmen. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein Problem.
Heute ist schon eher der Tag des Geistes für mich. Erst die obige Geschichte, dann ist mir wieder eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen. (in dem Bad, das zu meinem momentanen Zimmer gehört, ist immer eine Pfütze) Diesmal war der Schaden am Klopapier größer. Dann beim Powertraining wollte Josh sowohl mich als auch Peter gleichzeitig tragen. Nach drei Metern sind wir alle auf mich gefallen. Jetzt brennt meine aufgeschürfte Haut am Rücken und meine Hose wurde zerstört. Die kleinen Schäden zwischendurch.

19.08.16
Als ich auf dem Gipfel des Dharmabergs angekommen bin, fängt der Regen langsam an stärker zu werden. Nach nur kurzer Zeit auf dem Rückweg, bin ich bis auf die Haut durchnässt. Der hier bisher vielleicht stärkste Regen. Lange ist es her, dass ich durch so einen angenehmen Sommerregen gelaufen bin. Wieder angekommen plantsche ich noch ein wenig und springe dann unter die Dusche. Der Strom mag den Regen anscheinend nicht. Das Abendessen findet im Dunkeln statt.
Manchmal fällt mir auf, dass ich Wortfindungsschwierigkeiten habe. Ich glaube das ständige Wechseln zwischen Deutsch, Englisch und Chinesisch überfordert mein Gehirn immer mal wieder.

Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi
Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi

20.08.16
Ich habe eine erfreuliche Mail erhalten. Für Thailand habe ich nun vermutlich einen Ort an dem ich wohnen und in der Natur arbeiten kann. Ein abgelegener Ort,an dem es kein Strom und kein fließend Wasser gibt. Ich freue mir.

21.08.16
Den Morgen verfolgen einige von uns gemeinsam gespannt den UFC Livestream. Connor McGregor vs. Nate Diaz #2. Spannende Kämpfe. Vor allem der letzte und entscheidende Kampf.

23.08.16
Drei Tage nichts ins Tagebuch geschrieben. Der Alltag geht ohne besondere Vorkommnisse weiter. Die letzten Tage denke ich daran, gerne eine Woche Pause zu haben, um meinem Körper mal wider ein wenig Regenerationszeit zu geben. Ich Plane gerade ein wenig für Thailand.

24.08.16
Nachdem letzten Donnerstag bei meinem kleinen Sturz meine Hose vernichtet wurde, habe ich sie nun geflickt. Erst auf eigene Faust setzte ich die Nadel zu meinem allerersten Nähversuch jemals an. Zum Glück kam irgendwann Peter vorbei und erklärte mir, dass das was ich da mache nicht funktioniere. Da seine Mutter Schneiderin ist, ist er sehr bewandert mit Nadel und Faden. Er zeigte mir wie es besser geht und nun beherrsche ich es auch ein wenig. Hat sogar Spaß gemacht.
Heute Nachmittag habe ich zwei Amerikanerinnen Tai Ji beigebracht. Erneut bereitet mir das lehren Freude. Es ist ein disziplinierter Tag nachdem ich gestern ein sehr beeindruckendes Video gesehen habe. Statt dem Ersten Training meditiere ich nun seit letzter Woche stattdessen ca. eine Stunde. Das ist gut.

25.08.16
Dank Regen ist heute Powertraining ausgefallen. Stattdessen saßen wir im Meditationsraum und Großmeister Mönch, ich weiß seinen Namen immer noch nicht, hat uns eine kurze Zusammenfassung von Buddhas Leben erzählt. Anschließend durften wir ihm alle möglichen Fragen stellen. Ich hatte mal wieder keine Frage. Für mich wurde es zu einer zweistündigen Meditation unter nicht so einfachem Umfeld. Meine Aufgabe bestand darin Verständnis und Mitgefühl für all die Fragen aufzubringen. Das war auch gut.
Bento verlässt heute die Schule. Zum Anlass gab es mal wieder einen Kuchen zum Abendessen. Alle Kuchen bisher schmeckten gleich. Sie bestehen aus einfachem luftigem, sich billig anfühlendem Teig und ganz viel Sahne, verziert mit ein paar Früchten.

26.08.16
Die nun vergangene Woche habe ich jeden Morgen sehr lange meditiert. Immer wieder vergesse ich wieviel Nutzen es mir bringt. Mein Training wird besser, ich fühle mich lebendiger und klarer, alles fällt mir leichter.
Ich habe gestern und heute viel bezgl. Des Thailand Visum recherchiert. Ich hoffe das alles klappt, so wie ich es mir vorstelle. Nicht so leicht fundierte Informationen dazu im Internet zu finden.

Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi
Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi

27.08.16
Ein entspannter Wochenendtag. Heute habe ich viel Chinesisch gelernt. Außerdem möchte ich anfangen Thai zu lernen. Ich hoffe mein Gehirn wird mit vier Sprachen gleichzeitig irgendwie zurecht kommen. Auch hierbei ist die Meditation wieder sehr hilfreich.

28.08.16
Ich verbringe einige Zeit mit Recherche und Organisation meiner kommenden Pläne. Ende September werde ich eine Woche mit Christian nach Peking fahren. Mit ihm verstehe ich mich gerade sehr gut. Ich freue mich auf die kurze Inlandsreise. Zwei Wochen davor, werden wir vermutlich auf einen besonders tollen Berg hier in der Nähe fahren. Ich weiß den Namen gerade nicht.

29.08.16
Liebes Tagebuch, gerade vernachlässige ich dich mal wieder. Manchmal trage ich Tage nach, weil ich keine Muse habe etwas in dich reinzuschreiben. Auch das vergangene Wochenende habe ich es nicht geschafft dich im Internet zu veröffentlichen.

30.08.16
Heute sind Yi und Tobias angekommen. Sie werden knapp drei Tage zu Besuch hier sein. Ich habe die beiden letztes Jahr bei einer Aufnahmeprüfung für ein Animationsstudium in Ludwigsburg kennengelernt. Seit dem hatten wir keinen Kontakt mehr, bis mich vor ein paar Wochen Yi auf Facebook angeschrieben hat. Das war eine große Überraschung. Manchmal werden wohl doch Kontakt wieder aufgenommen, an die man nicht gedacht hätte.
Es war die ersten Momente leicht eigenartig, dass sie hier sind, dann war es für mich aber sehr schnell sehr angenehm. Da es für mich hier gefühlt mein Zuhause ist, fühle ich mich für sie verantwortlich. Ich bin ja auch quasi der Gastgeber. Mit dieser Situation komme ich auch immer besser klar. Es ist zwar ein leichter Stress für mich, aber ich übe mich darin. Wir haben einen sehr schönen Tag verbracht. Wir waren ein wenig spazieren und auf dem Dharmaberg, ich habe Tobias die erste Shaolinform beigebracht, während Yi uns dokumentierte. Und Abends haben wir noch einen sommerlichen Nachtspaziergang gemacht, bei dem wir am Ende noch auf eine Kung Fu Vorführung einer anderen Schule hier im Dorf gestoßen sind. Es ist doch immer wieder spannend diese beeindruckenden Kinder performen zu sehen. Jetzt bin ich ein wenig erschöpft. Auch Kommunikation kostet mich Energie.

Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi
Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi

31.08.16
Der zweite Besuchstag ist vorbei. Heute haben wir weiter zusammen Kung Fu trainiert. Nun hatte auch Yi die Lust gepackt und sie hat mitgemacht. In nur einem guten Tag habe ich den beiden die erste Shaolin Form WuBuQuan beigebracht. Manch andere brauchen deutlich länger die Form zu lernen. Es war Gradingtag. So wie Ende jeden Monats. Alle haben ihre gelernten Formen präsentiert. Auch Yi und Tobi haben WuBuQuan performt. Ich fand es super, dass sie sich getraut haben. Ich glaube sie hatten viel Spaß beim Lernen und Demonstrieren.
Ich merke, dass ich mich manchmal ein wenig sozial unfähig fühle. Fast einen ganzen Tag lang das Gefühl zu haben verantwortlich für jemanden zu sein schlaucht mich. Das habe ich glaube ich gestern schon geschrieben. Naja, scheint wohl so zu sein. Ich habe gerne meine Freiheit und das ich hauptsächlich nur auf mich achten muss.
Mein Kopf ist überladen. Ich merke meinen Rücken sehr. Fühle mich verspannt. Ich freue mich aufs Wochenende.

01.09.16
Statt Morgentraining gehen wir zu dritt in den Shaolin Tempel. Yi und Tobi haben dort gestern ein paar Mönche kennengelernt, denen sie versprochen haben sie heute zu zeichnen. Eine gute Gelegenheit auch mal wieder einen Stift in die Hand zu nehmen und meine eingerosteten Zeichenfähigkeiten aufzufrischen. Die beiden haben’s ganz schön drauf. Ich bin sehr angetan von ihren Künsten. Ich versuche mich davon nicht demotivieren zu lassen, sehe neben ihnen aber ganz schön unfähig aus. Auch einer der Mönche hat mich gezeichnet. In nur drei Minuten hat er eine sehr coole Skizze von mir gemacht.
Gerade sind die beiden weggefahren. Wir sind noch unser letztes Eis essend zusammen zur Bushaltestelle gelaufen. Als sie dann außer Sichtweite waren fühlte ich mich auf ein mal sehr traurig. Nicht mal als ich von Deutschland abgeflogen bin habe ich mich so traurig gefühlt. Zwei Menschen die ich kaum kenne besuchen mich hier. Das rührt mich. Die beiden waren so lieb und ich habe mich von ihnen so unglaublich bedingungslos akzeptiert gefühlt. Ich glaube damit konnte ich nicht ganz umgehen. Sie haben manch Qualitäten die ich für mich noch nicht so zulassen kann, wie ich es mir wünsche. Danke Yi und Tobi für den tollen Besuch.
Hier gibt es noch zwei links zu deren Websites:
Yinfinity
Tobias Pinegger

Seit nun mehr als drei Stunden brennt mal wieder Müll im Dorf ab. Ich krieg den Geruch nicht mehr aus der Nase. Es macht mich ein wenig schummerig. Vielleicht es auch nur Einbildung.

04.09.16
Ich habe mich spontan dazu entschieden noch ein mal sieben Tage nichts zu essen. Ich habe wieder das Bedürfnis danach.

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Wettkampf ohne Wettkampf

07.08.16
Von der Welt fühle ich mich hier manchmal abgeschnitten. Wenig kriege ich von Europa mit. Ab und zu zeigt mir Facebook wieder wichtige Ereignisse auf und erinnert mich daran, doch mal in die deutschen Nachrichten zu schauen. Da wird mir dann etwas bang, was in letzter Zeit alles passiert. Ist das immer so mit Nachrichten, dass man sich nach Informationsbeschaffung tendenziell schlechter fühlt?

08.08.16
Mein Rechner macht immer öfter komische Sachen. Mal schauen ob er noch lange durchhält. Gestern beim Skypen ist mir aufgefallen, dass meine Webcam seit der Reparatur anscheinend nicht mehr funktioniert.
Morgen ist ein Kung Fu Wettkampf. Heute wurde ich noch gefragt ob ich nicht doch mitmachen möchte. Okay, also werde ich wohl Tai Ji und Wing Chun performen. Wir werden eine Gruppe von ca. 15 Leuten sein, die hinfährt. Manche werden nur Zuschauer sein. Ich hatte mich erst nicht freiwillig gemeldet, dass ich mit will, da ich das Gefühl hatte nicht gut genug zu sein. Aber Chinesen freuen sich so sehr über Ausländer, dass es wohl fast egal sein wird, wie gut wir sind.

09.08.16
heute gibt es ein wenig Vorbereitungstraining für morgen. Wie wir auf die Bühne laufen etc. Nachtmittags fahren wir dann los.

Chenglish Chinesische Übersetzung Schild
Chenglish

10.08.16
Zurück von unserer kleinen Reise. Ich bin etwas geschlaucht. Neue Eindrücke sind anstrengend. Es war schön weitere Dinge von China zu erfahren. Das anstrengendste am Reisen kann das Autofahren sein. Auf der Hinfahrt bin ich erst auf dem Trittbrett die ersten paar Meter gefahren. Dann wurde festgestellt, dass wir nur 12 Sitze für 14 Personen in den zwei gemieteten Bussen für unsere Fahrt zum Kung Fu Wettkampf haben. Also habe ich mich in den Kofferraum verfrachtet. Da gab’s zumindest Beinfreiheit, allerdings keine Schulterfreiheit.
Angekommen in Changyuan ist die Luft sehr versmogt. Die Stadt ist erwartungsgemäß hässlich. Es ist angeblich eine sehr reiche Stadt. Im Gegensatz zu Dengfeng gibt es hier sehr viele Hochhäuser. Alle sehen gleich grau aus. Das Hotel in dem wir unterkommen hat westliche Standards. Ein leicht heruntergekommenes, aber qualitativ recht hochwertiges Hotel. Angeblich das wohl beste in der Stadt. Das Abendessen ist überzeugend. Mein erstes wirklich chinesisches Essen. An einem riesigen runden Tisch mit drehbarer Glasplatte in der Mitte. Alle Speisen werden dort serviert und jeder nimmt sich wovon er möchte. Das Konzept gefällt mir sehr. Es gibt viele Leckereien. Leider ist aber auch das meiste mit Fleisch. Also beschränkt sich meine Auswahl etwas. Nach dem Abendessen gehen die meisten noch eine Runde um den Block drehen. Ich bleibe im Hotel und gehe lieber früh schlafen. Ich möchte fit sein und bin von letzter Nach noch müde.
Neuer Tag beginnt mit okayem Frühstück. Anschließend fahren wir durch die Stadt zur Kung Fu Show / Turnier. (Wieder im Kofferraum.) Wir sind mal wieder die Stars. Alle wollen Fotos mit uns machen. Alle starren uns an. Viele haben noch nie Ausländer gesehen. Wir betreten die recht große Hallo. Hunderte von Kindern und auch einige Erwachsene stehen aufgereiht auf dem Parkett. Wir bilden eine dieser Reihen. Dann beginnt die Show mit ein paar Reden. Anschließend werden wir zur Seite verwiesen und einige sehenswürdige Perfomances werden dargeboten. Wir wärmen uns für unseren kommenden Auftritt ein wenig auf und schauen dem Spektakel zu. Dann eine Planänderung. Wir fahren zurück zum Hotel, wir werden wohl erst Nachmittags unser Können vorführen. Also die leichte Aufgeregtheit für später aufheben. Aus irgendeinem Grund bleiben wir nicht um uns die anderen anzuschauen.
Bis zum Mittagessen vertreiben wir uns die Zeit mit einkaufen und im Hotelzimmer gammeln. Chinesisches Fernsehen ist auch nicht groß anders als in Deutschland. Das Mittagessen ist wieder aufwendig wie das Abendessen. Ein Festmahl. Zu viel für uns. Eine Reste bleiben übrig. Wir sollen startklar im Hotelzimmer warten, bis wir gesagt bekommen, dass es losgeht. Unser Mittagsschlaf wird unterbrochen. Wir treffen uns in Andis Zimmer zu einem Meeting. Wieder mal Neuigkeiten für uns. Wir dürfen nicht am Wettkampf teilnehmen. Die Polizei, die lokale Regierung oder so, hat etwas dagegen, dass Ausländer hier Kung Fu performen. Der vorgeschobenen Grund ist, dass sie Angst um unsere Sicherheit haben, dass die Chinesen irgendwie komisch mit uns interagieren könnten. Was auch immer. Der eigentliche Grund ist bestimmt ein anderer. Wer weiß. Ein wenig schade. Es wäre spannend gewesen vor einem so riesigen Publikum etwas vorzuführen. Wir hätten ein wenig über unseren eigenen Schatten springen müssen. Als Trost fahren wir in die Schule von Shifus Shifu. Cosmin hat dort für eine Weile Englisch unterrichtet. Die Schule zu sehen finde ich spannend. Immer in den Besonderen Situationen habe ich keine Kamera einstecken oder ich bin nicht motiviert zu Filmen. Die Kinder wirkten glücklich. Der Shifu scheint auch ein sehr guter Lehrer zu sein. Disziplin gepaart mit Wärme und Herz. Das Gebäude ist ganz schön heruntergekommen. Viel dreckiger als unsere Schule. Dort führen wir nun unserer Formen vor kleinem Publikum vor. Die Stimmung ist sehr entspannt. Anschließend bekommen wir von Shifus Shifu noch etwas MeiHuaQuan beigebracht. Ein schöner Fastabschluss des Tages. Dann doch noch mal zur Kung Fu Show. Wir dürfen zwar nicht teilnehmen, aber Zertifikate dafür, dass wir teilgenommen haben, kriegen wir dennoch. Eigenartig. In der Wartezeit modeln wir fleißig weiter. Auf der Rückfahrt werfen wir Jonathan in Zhengzhou raus. Er muss sein Visum verlängern gehen. Die Gelegenheit nutzen wir zum Abendessen. Zhengzhou bei Nacht in einem kleinem Bistro. Die Kleinigkeiten sind die spannendsten Erfahrungen. Die die am nächsten am Leben alltäglichen dran sind.
Endlich wieder zu Hause. So fühlt es sich hier schon an. Ich habe das Gefühl, all das hier mehr wertzuschätzen, nachdem ich wieder andere Teile Chinas gesehen habe.

Kung Fu Kids Changyuan
Kung Fu Kids Changyuan

11.08.16
Wir bekommen unsere Urkunden von unserem „Auftritt“. Das fühlt sich sehr fake an. Ist es ja auch …
Powertraining war heute softer. Wu Shifu ist momentan nicht da. Er dreht angeblich einen Film, bzw. ist für die Kampfszenen verantwortlich. Ich hoffe er kommt bald wieder.

12.08.16
Heute haben wir wieder den großen Berg bestiegen. Der den ich an Tag drei das erste mal erklommen bin. Heute war es ähnlich anstrengend. Ich bin fitter und es war deutlich heißer. Meine Füße tun angenehm weh.
Heute ist eine Show vorm Tempel. Außerdem wird eine Hochzeit im Dorf gefeiert. Die Show ist enttäuschend. Alles ist fake. Trommelmusik wird von Trommelmenschen performt, die nicht trommeln. Das gleiche mit Gitarren. Dann doch noch echte Livemusik. Ein Soloflötenspieler. Nicht gut. Besser doch Musik vom Band. Im Hintergrund laufen eigenartige billig produzierte Visualisierungen. Nach kurzer Zeit gehen wir zurück ins Dorf ein Bier trinken in einer der lokalen „Kneipen“. Wir werden von der Hochzeitsmusik beschallt. Ich fühle mich wie auf einer schlechten Party in Deutschland. Die Lieder kommen mir großteils bekannt vor. Back Street Boys und Schlagerähnliche Musik. Meist in chinesisch gecovert. Es gibt ein Feuerwerk. Die Feier geht gar nicht so lange wie erwartet.

13.08.16.
Ein Tag großteils vorm PC. Eigenartige Youtube Videos schaue ich mir an. Mein Hirn wirkt leicht verwirrt.

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China, oh China.

Hallo deutschsprachige Welt und Googletranslaterwelt. Für jeden Tag veröffentliche ich mindestens eine Zeile Text. Immer öfter kommt es mir so vor, dass sich Dinge wiederholen und sich Unwichtiges einschleicht. Vielleicht werde ich in kommenden Beiträgen das Format ändern und eine Zusammenfassung für einen Zeitraum schreiben. Wer mag, kann mir dazu gerne Feedback geben.
Hier noch ein mal wie gehabt.

24.07.16
Noch den ganzen Tag scheint mein Verdauungstakt zu kämpfen zu haben. Das einzige worauf ich wirklich Lust habe ist Obst. Das ist gerade das Gute an der Krankheit. Meine Esslust ist fast nicht vorhanden und ich esse fast nur das nötigste. Den Tag verbringe ich wieder größtenteils im Bett. Nachdem ich gestern Hardcore Henry gesehen habe, den ich höchst unterhaltsam fand, schaue ich mir heute Hateful Eight an. Gefällt mir sehr gut.

25.07.16
Heute hat Shifu gemeint, dass die Zeremonie am Freitag anscheinend einigen nicht gefallen hat und er das nächstes Jahr nicht mehr machen wird. Er wollte uns Gutes tun und hat unterschätzt wie unterschiedlich Kulturen in der Hinsicht sein können.

26.07.16
Sommernächte können schlaflos sein. So die letzte und vielleicht auch diese. In der letzten musste ich mehrmals auf’s Klo rennen. Heute sind viele Störgeräusche mit denen mein Geist nicht zurecht kommen mag. Mücken kann ich mittlerweile recht problemlos töten. Ob das gut ist … Kopfhörer und gut Musik lassen mich die Umwelt ausblenden.

WangZhiGou Kung Fu Dorf Shaolin Tempel
WangZhiGou Kung Fu Dorf

27.07.16
Heute habe ich wieder keine Lust auf Sparring und übe stattdessen Formen. Ich bringe Mohammed, einem neuen Schüler aus dem Oman, ein wenig Tai Ji bei. Ich stelle wieder fest, dass mir Leuten etwas beibringen viel Spaß macht. Es sind wieder zwei neue Schüler angekommen. Einer davon wird ein Jahr hier bleiben. Davon gibt es immer nur sehr wenige. Er ist erst 17. Das finde ich leicht beeindruckend.

28.07.16
Powertrainingtag. Es gab schon schlimmere. Ich hab immer noch am meisten Probleme mit den Liegestützübungen. Ich habe das Gefühl, dass ein langes Fasten mir mit dem dabei helfen kann. Mein Nacken ist immer so verspannt. Weiter machen. Heute ist Peter wiedergekommen, ich mag ihn. Gerade schaue ich die Serie Death Note. Die erste Animeserie die mich fesselt.

29.07.16
Wow, es ist schon wieder eine Woche um. Diesmal ist es nicht nur eine Woche, sondern es sind die ersten drei Monate, die ich nun hier bin. Wenn die Zeit weiterhin so schnell vergeht, ist es schon bald Ende Oktober und ich werde nach Thailand gehen.
Ich habe mal wieder angenehmen Muskelkater. Im unteren Rücken. Das ist super, dort brauche ich dringend mehr Muskulatur.

30.07.16
Manchmal mag ich Menschen. Manchmal mag ich sie nicht. Meistens mag ich sie nicht, wenn sie reden. Wenn sie schweigen, sind sie mir sympathischer. Ich interagiere gerne mit ihnen. Sich gegenseitig anschauen, berühren und gemeinsam bewegen ist spannend. Auch eine gute Unterhaltung mag nicht schaden, doch die sind rar. Deshalb meide ich oft Menschengruppen. Sollte ich das veröffentlichen?

Kung Fu Show Shaolin Tempel
Kung Fu Show

31.07.16
Ich gehe auf die Suche nach Bananenchips in den kleinen Läden hier im Dorf. Im zweiten Laden Suche ich recht lange, kann nichts finden und kaufe dann aus Höflichkeit etwas anderes kleines. Ich gebe der Verkäuferin 5 Kuai und weiß, dass es 4 Kuai kostet. Sie behält das Geld. Nach dem ich sie darauf hinweise, dass es 4 Kuai kostet, meint sie: nein, 5. Solche Situationen fallen mir schwer. Ich mag Leute nicht, die sich so verhalten. Ich werde dort nicht mehr einkaufen. Auch wenn 1 Kuai nicht mal 20 Cent sind. Das gehört sich nicht.
Heute sind wir in einer kleinen Gruppe zu einer Kung Fu Show gegangen. Die Show ging vielleicht 20 Minuten. Keine drei Euro hat es gekostet, das war der Grund warum ich mitgegangen bin. Sehr begeistert war ich nicht. Ich schien das alles schon mal gesehen zu haben. Die Performance war größtenteils gut, aber das gewisse Etwas hat gefehlt. Die Show ist vier mal täglich und dementsprechend begeistert sahen die Performenden auch aus. Als die Show fertig war, wurden wir durch einen Gang der von dutzenden Merchandisingständen gesäumt war, geschleust. Wieder ein mal typisch China.

01.08.16
Ich mag das essen hier langsam nicht mehr so sehr. Nach drei Monaten oft das gleiche, wünsche ich mir mehr Abwechslung und mehr das, worauf ich gerade Lust habe. Immer öfter kommt mir das Essen zu fettig und zu salzig vor.
Heute ist wieder ein guter Tag. Gegen Ende des zweiten Trainings fühle ich mich plötzlich federleicht. Mein ganzer Körper scheint kaum noch etwas zu wiegen. Heute Abend bin ich super motiviert und möchte gerne viel neues lernen. Ein Hoch.
Ich habe mich nun für einen Vipassanakurs im November in Thailand angemeldet. Darauf freue ich mich.

02.08.16
Meine Hüften tun bei vielen Bewegungen weh. Sie müssen sich nun an viel mehr Flexibilität gewöhnen. Ich möchte gerne meine Tai Ji Formen verbessern und besonders niedrige Beinstellungen machen können. Und den hohen Tritt in der Luft halten können. Training, Training. Nachts kann ich im Moment schlecht schlafen. Hitze Geräusche und Moskitos erschweren das Leben. Also schlafe ich nach Frühstück und Mittagessen.

Merchandise Shaolin Tempel
Merchandise Shaolin Tempel

03.08.16
Jetzt ist Libellensaison. Seit gestern schwirren sie in Scharen durch die Luft.

04.08.16
Eigentlich immer scheue ich mich vor dem Powertraining. Wenn es dann aber vorbei ist fühle ich mich stets super. So wie auch gerade. Ich bin wieder hochmotiviert und denke, dass ich nach Thailand direkt wieder hier her gehe und das zweite halbe Jahr zu Ende bringen möchte.
Seit gestern ist eine Zehnergruppe Spanier hier. Zum Glück bleiben sie nur 10 Tage, denn wir sind insgesamt zu viele Schüler. Darunter leidet dann etwas die Qualität des Unterrichts.

05.08.16
Als mein Duschgel sich dem Ende neigt habe ich hier in China neues gekauft. Das hat mir nicht gefallen und habe aufgehört es zu benutzen. Nun habe ich mich seit über einem Monat nur noch mit Wasser gewaschen. Ich fühle mich sauber.

06.08.16
Dengfeng – die Stadt des Kung Fu. Heute ist es auch die Stadt des Geldausgebens. Meine letzten 200 Kuai habe ich heute für ein wenig Wohlfühlen genutzt. Obst und Co. Im Supermarkt, anschließend meine erste Massage hier. Eine Stunde 60 Kuai, ca. 8 €. Kuai ist übrigens umgangssprachlich. Die eigentliche Währung heißt Renminbi bzw. Yuan. Zum Schluss noch eine große Portion Dumplings und mit dem Taxi zurück.
Mein vermeintlicher Kreditkarten PIN Code war doch keiner. Jetzt muss ich mir erst einen besorgen, damit ich Geld abheben kann. Bargeld wechseln war beim letzten mal so umständlich, dass ich es wenn möglich vermeiden möchte.

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Buddha und China

Nach nun langer Pause veröffentliche ich nun wieder etwas mehr oder weniger Spannendes. Wer etwas lesefaul ist, scrollt zum 22.07.16, das ist der vielleicht spannendste Bericht.

03.07.16
ESSEN. Ganz viel Obst zum Frühstück, njam tut gut. Den Rest des Tages verbringe ich hauptsächlich mit dem Video und dem Blog.

04.07.16
Heute habe ich angefangen Mei Hua Quan zu lernen. Andi hat mir die fünf Positionen gezeigt. Sie sind sehr anstrengend und tun gut. Sie erfordern Kraft, Entspannung und Dehnung zu gleich. Da es bis her nur statisch ist, fühlt es sich etwas wie Yoga an. Es öffnet meinen Körper und fühlt sich stärkend an. Mir fällt es schon direkt wieder schwer nicht zu viel zu essen …

05.07.16
Teil des morgendlichen Trainings war Unkraut jäten. Unser Trainingground ist zugewuchert und es muss wieder etwas Platz geschaffen werden. Auch mal eine nette Abwechslung.
Heute gab’s mal wieder ein Meeting. Nachdem sich zwei Schüler über ein paar Sachen in der Schule beschwert haben, hat Shifu mal wieder ein einige Dinge aufzeigen müssen. Ich denke es ist gut immer mal wieder die Leute daran zu erinnern was sie teilweise als gegeben hinnehmen.
Ich fühle mich mit meinem wehtuenden Fuß etwas eingeschränkt. Gerne würde ich laufen können. Ich mache möglichst stationäre Übungen.

06.07.16
Heute gab’s mal wieder Sparring. Ich habe recht unfreiwillig gegen einen der Russenjungs gekämpft. Schon bevor der Kampf los ging, hatte ich das Gefühl, dass ich auf die Fresse kriegen werde. Er ist groß, stark und ich war mir sicher, dass er nicht davor zurück schreckt auch seine Kraft voll zu nutzen. Bisher habe ich solche Gegner vermieden. Also war es jetzt an der Zeit so einem Gegner entgegen zu treten. Der Kampf ging nicht mal 30 Sekunden, da hab ich einen guten Schlag auf die Nase gekriegt und habe mal wieder ein wenig geblutet. Passiert. Jetzt ist meine Nase glaube ich etwas gerader als davor.
Paul hat heute Geburtstag und es gab zum Abendessen mal wieder eine Sahnetorte. Und wieder konnte ich dem Zucker nicht widerstehen. Viele hatten Spaß sich gegenseitig Torte ins Gesicht zu schmieren. Zum Glück wurde ich mit meiner kaputten Nase verschont.

Buddha Statue Shaolin Tempel Dengfeng WangZhiGou
Buddha Statue

07.07.16
Liebes Tagebuch, heute habe ich dir nicht viel zu erzählen. Die Sonne scheint nicht. Mir geht es normal gut. Training setzt sich fort. Ich schreibe täglich ein paar Zeilen.
Mei Hua Quan war heute der Großteil meines Powertrainings. Es tut unglaublich gut. Ich habe das Gefühl gewisse Inbalancen meines Körpers mit den Übungen ausgleichen zu können.

08.07.16
Ich lese freudig die Email von Rene, einem Freund und ehemaligem Praktikanten, in der er mir von seiner Vipassanaerfahrung berichtet. Plötzlich flackert mein Bildschirm. Dann ist alles schwarz. Mein Laptop ist kaputt. Okay, eine weitere Herausforderung zu meistern. Kurz ein paar Mails von Andys Rechner versendet um meine, hoffentlich temporäre, Kommunikationsunfähigkeit mitzuteilen.
Und mal wieder frage ich Josh um Hilfe für mich auf Chinesisch zu reden. Also geht es morgen mit ihm nach Dengfeng zum Apple Store.

09.07.16
Auf nach Dengfeng. Im Apple Store fällt die Kommunikation nicht so leicht. Der Verkäufer hat einen starken Dialekt, den Josh nicht versteht. Der Computer hilft beim übersetzen. Letztendlich lasse ich meinen Laptop mit einem mäßig gutem Gefühl vor Ort. Er wird nach Zhengzhou geschickt und repariert. Sie brauchen auch mein Passwort um ggf. ins System kommen zu können. Das gefällt mir nicht, muss aber wohl sein. Vor allem da es das Masterpasswort ist, mit dem man alle gespeicherten Passwörter einsehen kann. Voraussichtlich wird es um die 700 Yuan, 100 € kosten. Das ist okay, in Deutschland wäre es bestimmt teurer.

10.07.16
Ich bin also wieder ohne Computer im Leben. Die Bauarbeiten sind jetzt schon seit einer Weile fertig. Es wurden eine neue Küche und Speiseraum. Nicht für uns. Eine Gruppe Nigerianer beherbergt nun das Hotel. Ca. 20 Leute. Es ist ein Kulturaustauschprogramm. Drei Monate werden sie hier Kung Fu trainieren. Sie sind nicht die leisesten. Jetzt kann ich auch noch mein Französisch etwas auffrischen. Zumindest versuche ich ihren Unterhaltungen ein wenig zu folgen. Bisher haben wir mit ihnen nicht wirklich etwas zu tun gehabt. Sie trainieren direkt im Tempel und auch sonst sind sie räumlich recht separiert von uns.

Shaolin Krieger Statue Kung Fu Shaolin Tempel China
Shaolin Krieger Statue

11.07.16
Morgens bis 8 Uhr gibt es immer noch keinen Strom, es sei denn es regnet. Heute gib es zu dem auch kein Wasser. Das fällt mir allerdings erst nach meinem ersten Stuhlgang auf. Erst später komme ich auf die Idee eine alternative Wasserquelle für die Klospülung ausfindig zu machen. Ich fühle mich leicht erkältet, trainiere aber dennoch.
Die Information, dass Shifu heute Geburtstag hat war fehlerhaft, doch erst Mittwoch. Calvin hat schlagartig die Schule verlassen. Er wollte noch in eine andere Schule, die direkt im Shaolin Tempel trainiert. Das war nicht gern gesehen. Die Kultur hier erlaubt es nicht seinen Meister einfach zu wechseln. Zum Glück bin ich glücklich in der Schule und mehr als zufrieden mit unseren Meistern.

12.07.16
Immer noch bin ich angekränkelt. Das Wasser funktioniert auch noch nicht. Nur heißes Wasser kommt ein klein wenig aus der Leitung. Also dusche ich nach dem Frühstück mit tröpfelndem, fast kochendem Wasser.
Ich bitte Shifu Powerstretching aussetzen zu können. Ich fühle mich schwächlich. Zwei weitere Stunden Schlaf tun gut.
Nach dem Nachmittagstraining fühle ich mich bombastisch. Die anfänglichen leichten Kopfschmerzen und das Unwohlfühlen sind verflogen. Ich fühle mich im Flow. Im Fluss der Tai Chi Bewegungen.

13.07.16
Ich hab die Nacht nicht viel geschlafen und wenn mein Plan aufgeht werde ich auch nicht zum Mittagsschlaf kommen. Heute ist Shifus Geburtstag. Zum zweiten morgendlichen Lineup gibt es von uns ein Ständchen und das kleine Geschenk.
Mein Plan geht auf. Nach dem Mittagessen gehe ich nach Dengfeng um meinen Rechner abzuholen. Es klappt alles einwandfrei. Ca. 90 € kostet die Reparatur. Vermisst habe ich den Laptop nicht wirklich. Jetzt bin ich schon wieder mit der Elektronik vernetzt.
Die Geburtstagsfeier abends war nett. Fast alle schienen viel Spaß zu haben. Gegen Ende eskalierte die Sahneschlacht und niemand blieb verschont. Jeder bekam Gesichtscreme ab. Der Speiseraum wurde zum Schlachtfeld. Ich sitze in der Ecke beobachte amüsiert das Gemetzel und während ich den Kuchen esse werde ich ab und zu mit einer Hand voll Sahne beschmiert.
Obwohl ich mehr als vollgefressen bin, fühle ich mich recht klar. Ich habe das Gefühl, dass dies ein bisher anhaltender Effekt des Fastens ist. Wenn ich weiter viel zu viel esse wird das bestimmt wieder umkippen, aber bis jetzt fühlt es sich gut an.
Morgen früh fällt das erste Training aus Gründen aus.

14.07.16
Es regnet. 8 Uhr stehe ich erst auf. Frühstück brauche ich heute nicht. Auch das Morgentraining fällt kurz aus. Wegen Regen gibt es eine intellektuelle Unterrichtsstunde. Kung Fu Theorie, was Kung Fu bedeutet und beinhaltet. Danach dann im Nieselregen doch noch etwas Sport. Nachmittags Powertraining drinnen. Außerdem ist gerade ein Freund von Shifu da, welcher so etwas wie ein Mönch ist. Er scheint sehr weise zu sein. Er hat uns angeboten uns ein paar Dinge beizubringen, bzw. zu erzählen. Feng Shui, wie man auf seine Gesundheit achtet, oder Dinge über unsere Vergangenheit und Zukunft lesen. Alle sind an letzterem interessiert. Er fragt ob er uns beibringen soll wie es funktioniert oder ob er uns etwas über uns erzählen soll. Auch da wollen die meisten etwas erzählt bekommen. Für mich die unspektakulärste Entscheidung. Aber okay. Mit ein wenig Skepsis bin ich doch ein wenig interessiert was er zu erzählen hat, ob es für mich glaubwürdig ist. In Vierergruppen gehen wir zu ihm. Wer nicht zu ihm geht, trainiert. Erst bekomme ich die Unterhaltungen von denen mit, die vor mir dran sind. Er scheint wirklich die Leute beeindruckend gut lesen zu können. Er hat auch keinen Geld Anreiz irgend etwas verkaufen zu wollen. Also gehe ich zu ihm. Wirkliche Fragen oder Interesse an meiner Zukunft oder Vergangenheit habe ich nicht. Erst erzählt er mir kurz etwas über meine Vergangenheit und wie er mich wahrnimmt, kombiniert mit möglicher Zukunft. Dann Frage ich ihn etwas über meine gefühlten Inbalancen in meinem Körper. Das einzige was ich dachte, dass er mir vielleicht einen guten Rat geben kann. Der Rat war mäßig hilfreich. Hat meine bisherigen Verhaltensweisen bestärkt.
Zu viel von der Unterhaltung möchte ich nicht erzählen. Mein Gefühl zu ihm war auf jeden Fall überraschend positiv.

15.07.16
Es regnet immer noch. Heute morgen gibt es deshalb eine besonders lange Meditation. Zumindest für die, die wollen. Das tat sehr gut.
Gerade kam ein Päckchen aus Deutschland an. Meine Mama hat mir Schokolade, Erdnussbutter und ein paar weitere Kleinigkeiten geschickt. Genüsslich verzehre ich das erste Stück Zartbitterschokolade.
Seit nun vier Wochen Pause geh‘ ich mal wieder auf den Dharma Berg. Heute nur ein mal hoch und runter. Noch möchte ich meinen Fuß etwas schonen. Dennoch hätte ich es vermutlich problemlos mehrmals geschafft.

16.07.16
Heute ist ein Tag an dem nicht viel passiert. Einen davon habe ich gern pro Woche. Nur ein wenig Obst und Nüsse essen. Etwas meditieren und dem Körper Ruhe gönnen.

17.07.16
Heute bleibt mein Tagebuch leer. Bis auf diese Zeile.

Shaolin Krieger Statue Kung Fu Tempel
Shaolin Krieger Statue

18.07.16
Ich bin erstaunlich unmotiviert meinen Blog zu pflegen. Jetzt schon mehr als zwei Wochen her. Ein gutes Thema für ein Video habe ich auch nicht. Heute war ich mal wieder laufen. Nachmittags tat mein Fuß dann schon wieder so weh, dass ich es direkt wieder sein lassen hab. Es gibt immer wieder Überraschungen beim Training und immer wieder neues. Es wird nie langweilig. Ständig Abwechslung.

19.07.16
Heute hat mich Shifu gefragt, ob ich für einen Monat in eine andere Schule gehen möchte und Kindern Englisch unterrichten mag. Meine erste Reaktion war: Nein. Nach ein wenig mehr Informationen und kurzem Überlegen habe ich dann doch zugesagt. Es ist eine gute Abwechslung und weitere Herausforderung. Ich werde lernen müssen mit Kindern besser umgehen zu können. Vor allem mit Kindern, die nicht meine Sprache sprechen. Ich werde lernen müssen zu lehren. Ich werde neue Dinge von China sehen. Kann auch nicht verkehrt sein, wenn man schon mal hier ist. Ich werde mein Chinesisch verbessern. Dort gibt es keinen Übersetzer wie hier, der in wichtigen Belangen Dinge klären kann. Das ist ein wenig einschüchternd, aber es wird funktionieren müssen. Ich werde zumindest nicht alleine sein, Mus wird mit mir hingehen. Ich kenne ihn noch nicht wirklich. Hoffentlich werden wir uns gut verstehen. Gerade bin ich etwas aufgeregt. Eine neue Herausforderung, der ich mich stellen kann. Neues das ich lernen kann.
Beim Abendessen hatten wir eine lange Unterhaltung über Weissagungen, Magie und andere unerklärliche Dinge. Nach angfänglichem wissenschaftlichen Auseinandernehmen, haben mir am Ende Giacintos Storys gute Gänsehaut bereitet, sodass ich leicht verängstigt zurück in mein Zimmer geschlichen bin.

20.07.16
Ich bin dauernd am überlegen ob ich das wirklich machen soll. Ich bin mir nicht sicher ob Kinder so mein Ding sind im Moment. Ob ich denen gerecht werden kann. Gefühlt habe ich in letzter Zeit zu fast allem ja gesagt und möglichst viele Erfahrungen mitgenommen. Gerade bin ich mir sehr unsicher, ob ich das machen sollte. Ich bin nicht hier um Kindern Englisch beizubringen, sondern um Kung Fu zu lernen und mich mit mir zu beschäftigen. Außerdem bin ich mir unsicher mit Mus zusammen dort zu sein. Heute sollte ich Shifu ein definitives Ja oder Nein sagen.
Jetzt habe ich mich nun doch dagegen entschieden und fühle mich gleich viel leichter. Es ist wohl besser so.

Dachverzierung Shaolin Tempel Dengfeng WangZhiGou
Dachverzierung

21.07.16
Die Zeit verrinnt so schnell im Moment. Seit zwei Tagen bin ich müde, ich habe schlecht geschlafen. Jetzt wird es wieder richtiger Sommer in China.
Während des morgendlichen Trainings entflammte plötzlich eine Stromleitung. Seit dem gibt es keinen Strom, mal schauen wie lange.
Morgen wird es einen Feiertag geben. Tag des Buddha. Einen Tag lang wird kein Fleisch gegessen und es werden Fische gekauft, die dann freigelassen werden. Dafür wurden heute Spenden gesammelt. Das finde ich etwas heuchlerisch. Die ganze Zeit essen sie Fleisch und einen Tag lang wird dann etwas vermeintlich Gutes getan. Immerhin gibt es morgen ein wenig Wanderung zu neuen Orten.

22.07.16
Heute war ein eigenartiger Tag. Tag des Buddhas. Ein Feiertag hier. Klingt an sich schön und man könnte meinen, dass es ein besonders ruhiger und beseelter Tag sein könnte.
Gestern wurden uns schon gesagt, was heute grob sein wird und es wurden Spenden gesammelt um Fisch und Schildkröten zu kaufen, die wir dann heute im See frei lassen und wir damit Leben retten. Heute sollen wir kein Fleisch essen. Der Tag fing mit Meditieren im Meditationsraum an. Schön hergerichtet mit Kerzen. Es lief entspannte Musik. Nach einer guten Weile wurde dann das kleine Feuerwerk auf dem Geburtstagskuchen von Buddha angezündet und gleichzeitig ertönte in piepsig hohem Ton eine billige Happy Birthday Melodie, wie aus einem Überraschungsei entsprungen. Diese lief dann simultan zu der Entspannungsmusik. Nach einer weiteren Weile stieg der Mönch, der gerade noch hier ist, mit Mantrengesang dazu ein. Das ganze Ging dann vielleicht 20 Minuten lang, alle drei Musikquellen parallel. Nicht die einfachste Kulisse für tiefe Meditation. Als das dann überstanden war – in dem Moment fällt mal wieder der Strom aus – gibts dann Sahnetorte und Obst zum ersten Frühstück, anschließend direkt das normale Frühstück.
Keine Zeit zum verdauen, es geht direkt weiter zum nächsten Punkt der Tagesordnung. Wir besuchen einen Tempel, direkt gegenüber vom Shaolintempel. Wenn ich es richtig verstanden hab‘, hat er heute seit über 30 Jahren das erste mal geöffnet. Der Tempel ist beeindruckend. Er ist klein, aber bestückt mit 500 verschiedenen Statuen von Shaolin Kriegern. Aber hier haben wir anscheinend keine Zeit. Wir werden durch gehetzt. Schnell überall Fotos machen, jeder ein mal vor der Buddha Statue verbeugen und weiter gehen. Danach zurück zur Schule. In den Kübeln auf dem Hof scheinen die Schildkröten übernachtet zu haben. Leicht brutal werden sie in Netze verfrachtet. Ein Bus sammelt alle Schüler ein. Wir fahren zu einem großen Stausee. als wir aussteigen, wird festgestellt, dass wir die Tiere an der Stelle aus irgend einem Grund nicht freilassen können. Wieder in den Bus und zu einem anderen Ort gefahren. Ein weiterer kleine Transporter ist Teil unseres Konvois. Wie sich dann herausstellt ist er der Fischtransporter. Hunderte von Fischen wurden gekauft. Der See, das neue zu Hause der Tiere, ist ein mäßig gut riechender Stausee. Am Rand schwimmt etwas Plastikmüll. Ein paar Fische werden schon mal ins Wasser verfrachtet. Sie scheinen bereits halb tot. Ich fühle mich sehr unwohl. Das alles ist irgendwie nicht richtig. In der Sonne sind es bestimmt über 40°C. Wir sollen uns um die Behälter mit den Fischen versammeln und ein Mönch hält eine Zeremonie ab. Die Fische sind eingeengt und sehen sehr leblos aus. Ein bizarres Schauspiel. Warum müssen wir so lange warten bis wir sie in die Freiheit entlassen können. Das absurde Bild wird von dem Angler perfektioniert, der zwei Meter entfernt sitzt und sich freut, heute besonders viel guten Fisch angeln zu können. Am Ende wird noch eine Rede gehalten, in der uns erklärt wird, dass es wichtig ist gute Dinge zu tun. Und da wir alle so viele Tiere in unserem Leben getötet haben, es eine gute Tat ist Tieren Freiheit zu schenken. Buddha freut sich im Himmel zu sehen, das wir den Fischen ihr Leben verlängern. Die ganze Aktion wurde initiiert von Fleischessern. Ich fühle mich traurig und deprimiert. Was für ein Tag des Buddhas … Heute mag ich China mal wieder nicht.
Anschließend fahren wir nach Dengfeng zu einem Berg, der viel zu hoch ist um ihn bei der Hitze zu besteigen. Also plantschen wir kurz mit Wasser um dann noch mal in Dengfeng shoppen zu gehen. Zumindest haben wir ein verlängertes Wochenende.
Zurück in der Schule geht es mir langsam nicht mehr gut. Ich habe anscheinend zu viel von dem billigem süßen Brot aus dem Supermarkt gegessen Beim Abendessen versuche ich eine Kleinigkeit zu mir zu nehmen. Ich renne aufs Klo und kotze. Den Abend verbringe ich mit im Bett liegen und vor mich hin vegetieren.
Mein Rechner flackert schon wieder. Der Bildschirm ist wieder schwarz. Die Reparatur scheint nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein. Rechner aus und wieder an. Er funktioniert wieder. Ich habe kein sehr gutes Gefühl. Jetzt muss ich lieb zu ihm sein und ihn nicht überfordern. Hoffentlich hält er doch noch durch.

23.07.16
Mir geht es schon viel besser. Anscheinend habe ich schnell genug meinen Magen und Darm entleeren können. Später dann doch noch Übelkeit und einiges an Durchfall.

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7 Tage Wasserfasten

Dies mal gibt es ein Video in Englisch, da ich denke, das Thema Wasserfasten könnte einige interessieren. Folgend könnt ihr ausführlich meine täglichen Erlebnisse während des Prozesses lesen. Auf Deutsch 🙂

21.06.15
Tag eins des Bi Gu Fasten. Der Tagesablauf wurde auf Sommertemperaturen umgestellt. Das erste Training ist jetzt schon 5 Uhr morgens. Für mich erst mal nur für die Aufstehzeit relevant. Lange habe ich keinen Stift mehr in die Hand genommen um mehr als ein paar wenige Zeilen zu schreiben. Ohne Computer kann man auch nicht so leicht Fehler und Ausdruck korrigieren. All das Handgeschriebene werde ich dann noch einmal abtippen, das was ihr nun lest.
Nachdem mein Darm zum Großteil leer ist, wiege ich nun an Tag eins 72 kg. Ich denke mit dem wenig essen die letzen 2 ½ Tage bin ich ganz gut vorbereitet. Ich denke im Moment sehr viel. Es ist heiß. Gerade lag ich eine gute Stunde in der Sonne. Ich vegetiere vor mich hin, fühle mich leicht schwächlich.
Später am Tag. Ich wache auf und habe das starke Bedürfnis mir die Zähne zu putzen. Meine Zunge ist weiß. Über eine Stunde lang Atemübungen gemacht. Mein Körper kribbelt. Es fühlt sich gut an. Ich fühle mich. Immer sieben Sekunden einatmen, neun Sekunden ausatmen. Während des Schreibens fällt es mir schwer zu zählen. Es wird dunkel.

22.06.16
schwach bin ich ähnlich wie gestern. Ein weiteres guttuendes Sonnenbad. Es erscheinen gar keine roten Linien, wenn ich ein Wort auf Papier falsch schreibe. Ungewohnt. Dass ich schon öfter mal einen Tag lang und ein mal vier Tage lang gefastet habe, scheint mir zu helfen. Bisher habe ich kaum Verlangen nach Essen und wenn, dann vergeht es nach wenigen Sekunden. Über meinem Fenster ist seit heute so etwas wie eine Baustelle. Hoffentlich nicht all zu lange.
Manche Buchstaben schreibe ich schön, andere sind sehr krakelig. Mein Körper macht Dinge. Ich beginne den veränderten Heilungsprozess zu spüren. Wenn ich aufstehe wird mir kurz schummerig. Wenn ich liege geht es mir gut, oft auch wenn ich sitze.
Ich kann nicht einschlafen. So viel Lärm um mich herum. Hitze. Eine schlaflose Sommernacht mit Moskitos. Ich fühle mich fit. Meinen Kopf kriege ich mal wieder nicht beruhigt. Ich dachte, darin bin ich mittlerweile ganz gut. Anscheinend klappt es doch nicht immer. Schreiben macht Spaß. Den ganzen Tag mache ich fast nichts außer rumliegen, sitzen, fühlen, beobachten, sonnen und ein wenig Tai Chi und Qi Gong. Das Summen der Mücken ist anstrengend. Langsam wird die Welt um mich herum ruhiger. Immer mehr bin ich hellwach. Ich habe keinen Computer der mich ablenken kann. Im Moment wünsche ich mir ein wenig Input. Bilde ich mir das Summen manchmal nur ein?
Gerade geht mir China etwas auf die Nerven. Auch das wird sich wieder ändern. Ich denke öfter über den Plan nach, im Winter nach Thailand zu gehen und vielleicht auf einer Farm zu arbeiten. Mittlerweile ist es 1 Uhr. Ich bin auf Mückenjagd. Das erste mal seit Jahren, dass ich ein Tier töten möchte.

Aussicht hinter der Kung Fu Schule
Aussicht hinter der Kung Fu Schule

23.06.16
Die hoffentlich unangenehmste Nacht ist überstanden. Vielleicht zwei Stunden Schlaf wurden es. Dafür habe ich erstaunlich viel Energie. Lineup 5 Uhr. Gefühlte Temperatur 30°C bei 90% Luftfeuchte. Ich gehe eine Runde spazieren. Anschließend etwas Tai Chi und Siu Nim Tao. Ich kann immer noch nicht schlafen, also schreibe ich diese Zeilen. Vorhin bin ich ein mal zu schnell aufgestanden. Mir wurde fünf Sekunden lang schwarz vor Augen. Ein lustiges Erlebnis. Ich mag die Mittagspausen, in denen ist es sehr ruhig. Die meisten schlafen. Ich lauschen dem plätschernden Regen und fühle vor mich hin. Kopf und Körper werden leichter.
Die Baustelle macht heute nichts. Mein Urin ist erstaunlich hell. Dafür ist meine Zunge weiß. Ich hätte gedacht in den ersten Fastentagen mehr Dreck auszuscheiden.
Ich lerne zu atmen. Das ist eine große Erkenntnis für mich. Mein Leben lang wusste ich nicht richtig zu atmen. Jetzt lerne ich es langsam, Stück für Stück. Kopfstand tut gut und macht wach.

24.06.16
Nach ca. drei Stunden Schlaf bin ich wieder hellwach. Es ist 2:45. In gut zwei Stunden ist Lineup. Nach dem Aufwachen ist mein Urin orange. Gut so, denke ich. Ich habe viel Energie. Ich möchte laufen gehen. Es fühlt sich an als ob noch ein mini Rest Kacke in mir ist, der nicht raus möchte.
Ich wiege noch 70 kg.
Ich bin nach dem Lineup drei Runden gelaufen. Ziemlich schnell sogar. Das tat gut. Danach noch Tai Chi und Qi Gong, so konnte ich auch noch eine Stunde schlafen.
Heute habe ich kurz mein Schweigen gebrochen. Ich habe eine Kokosnuss von Anja gegen ein 1-Euro-Stück für das Fastenbrechen getauscht. Das Fasten an sich, das nicht essen, fällt mir leicht. Nur das Umfeld ist nich das Bestmöglichste. Viel Lärm. Alle Menschen reden. Gerade würde ich einfach gerne das Schweigen brechen. Es fühlt sich hier an dem Ort nicht angebracht an. Bei Vipassana schweigen alle und es ist ruhig, dort passt es gut. Hier sonder ich mich damit ein wenig unnötig von den anderen ab. Vielleicht habe ich auch nur ein Verlangen nach Input.

25.06.16
Heute Nach habe ich endlich mal fast durchgeschlafen. Mein Urin wird immer dunkler. Ich mag den Gedanken Gifte auszuscheiden. Nun kam doch noch der mini Rest Kacke raus. Noch 72 Stunden bis zu meinem ersten Bissen Obst. Es wird voraussichtlich eine Nashi werden. Jojo wird mir welche aus Dengfeng mitbringen. Danke dir Jojo.
Gestern Abend hatte ich seit Ewigkeiten wieder eine sehr intensive Meditation. Das Fasten kann den Geist ganz schön beruhigen. Ich wiege 69 kg.
Heute fühle ich mich bisher schwächer als gestern. Das kann sich bestimmt in den nächsten Stunden wieder ändern. Vielleicht stellt mein Körper gerade von Muskel- auf Fettverbrennung um. Das Wasser schmeckt mir gerade nicht.
Wow. Habe gerade ein paar Formen geübet und den Miniboxsack verprügelt. Ich habe mehr Energie als ich dachte, habe ein super Körpergefühl und bin unglaublich schnell.
Es ist 23:15, ich fühle mich mal wieder hellwach. Mein Körper ist leicht. Ich entspanne immer mehr. Stück für Stück lösen sich Knoten in mir. Ich habe das sicher Gefühl, dass ich meinen Körper sehr komplett mittels Fasten heilen kann. Meditationpraxis ist für das Fasten sehr hilfreich, aber bestimmt nicht für jeden notwendig. Vor allem gibt mir meine bisherige Erfahrung das Vertrauen und Verständnis, die Dinge die in meinem Körper passieren, zu akzeptieren und zu wissen, dass sie der Heilungsprozess sind.

26.06.16
Diese Nacht habe ich schlecht geschlafen. Immer weider bin ich aufgewacht und habe mich im Halbschlaf befunden. Mein Körper wollte wach sein und mein Geist schlafen und träumen. Es war ein eigenartiger Zustand zwischen Realität und Traumwelt. Irgendwo dazwischen fühlte ich mich gefangen.
Der Morgen beginnt anstrengend. Die Baustelle hat heute ihren Schlagbohrer rausgeholt. Drei Stunden in denen ich lernen kann starke Störungen zu akzeptieren und mich nicht davon beeinflussen zu lassen. Ich habe eine Mücke getötet, es fühlt sich gar nicht so gut an. Schon wieder fühle ich mich zu wach, auch wenn ich gerne schlafen würde. Vermutlich will ich auch nur schlafen um die Zeit zu überbrücken und schneller vergehen zu lassen, damit ich nicht mit den Geräuschen und dem Nichtstun konfrontiert werde. Im moment mag ich Tag deutlich mehr als Nacht. Morgen ist der letzte Fastentag. Ich freue mich auf meinen ersten Bissen Nashi.

Stilleben in China
Stilleben in China

27.06.16
Ich habe eine heilige Nacht hinter mir. Nur eine Stunde Schlaf sollte es werden, den Rest habe ich mit meditativer Bewegung verbracht. Alle möglichen Muskeln die ich sonstm eist vernachlässige habe ich in Bewegung versetzt und von ihren Verklemmungen befreit. Wer mich gesehen hätte, könnte gedacht haben, ich sei von Dämonen besessen. Belohnt wurde das ganze mit dem bisher befreitesten Körpergefühl, dass ich jemals hatte.
Es wurde doch noch eine weitere Stunde Schlaf vor dem ersten Lineup. Erstaunlich wie viel man in einer Stunde träumen kann. Es war sehr lebhaft. Ich sollte mir keine Illusionen machen, dass dieser super entspannte Zustand dauerhaft anhalten wird. Nach dem Schlaf sieht es schon wieder leicht verspannter aus. Ich habe nun wieder einiges über meinen Körper und Geist erfahren und habe nun ein bisschen mehr Ahnung auf welcher Weise ich mir gut tun kann.
Die Waage, mit der ich mich wiege, spinnt. Ich glaube ich bin jetzt bei 67 kg, sicher bin ich mir allerdings nicht.
Ich bin gespannt darauf wieder mit den Leuten zu kommunizieren. Außerdem interessiert mich was alles bei noch deutlich längerem Fasten passieren kann. Das werde ich dann vielleicht nächstes Jahr machen. Ich freue mich auf morgen ein bisschen wie als Kind auf Weihnachten. Allerdings gar nicht unbedingt wegen des Essens. Mehr freue ich mich wieder mit den anderen reden zu können und nicht der eine zu sein, der alle ignoriert. Das passt hier, finde ich, einfach nicht hin.
Der letzte Fastentag neigt sich dem Ende entgegen. Ich fühle mich lockerflockig leicht. Nun bin ich darauf gespannt, wie ich mich fühlen werde, wenn ich wieder Nahrungsenergie zu mir nehme. Mein Geist ist verhältnismäßig sehr ruhig. Ich bin ultimativ entspannt. Ob ich der Verantwortung der Entspannung gewachsen bin? Es erfordert ein hohes Maß an Wachheit und Klarheit.

28.06.15
Das Fasten ist beendet. Die ersten Worte sind wieder gesprochen. Ich will zurück in meine stille Blase. Kommunizieren ist anstrengend und kompliziert. Sollte es nicht auch einfach gehen? Denken verbraucht viel Energie. Das sollte ich stark reduzieren.
Ich wiege nun irgendetwas zwischen 66,5 kg. Die Waage ist sehr ungenau. So wenig habe ich bestimmt seit über zehn Jahren nicht mehr gewogen. 5-6 kg in einer Woche abgenommen. Nun habe ich mein erstes bisschen Essen zu mir genommen. Eine Nashi. Das ist eine Mischung aus Apfel und Birne. Es war gut. Nach nur einem Obst fühle ich mich gut gefüllt. Weitere Unterhaltungen. Auf einer Tastatur zu schreiben fühlt sich auf ein mal etwas eigenartig an. Der Bezug zu den Worten ist anders. Ich muss nicht auf die Stelle schauen auf der ich schreibe. Jeder Buchstabe ist anonymer.
Zum Mittag gab es eine halbe Kokosnuss und noch eine Nashi.
Und schon bin ich wieder in der anderen Welt. Mehr Input, etwas weniger Fokus. Mehr Verlangen nach Kleinigkeiten. Noch nehme ich es gut wahr und lasse mich nicht überwältigen. Jetzt gilt es diese Ausdauer und Wachsamkeit zumindest ein wenig aufrecht zu erhalten.
Aus dem Fasten habe ich immer noch nicht gelernt wie sich Hunger anfühlt und wann mein Körper wirklich Essen braucht. Wieviel mir gut tut und wann es nur ein Verlangen ist. Viel zu lernen es gibt.
Nachmittag habe ich schon das erste mal wieder ein wenig trainiert. Nach dem Warmup das Stretching war super. So flexibel war ich noch nie ansatzweise. Ich kann nun mit meiner Fußsohle meinen Hinterkopf berühren und schaffe fas einen Spagat in beide Richtungen. Die Wunderheilung Fasten.Wing Chun mit Wu Shifu. Es hat mich an einem Punkt total an meine Grenzen gebracht. Meine Lunge hat ein eigenartiges Schmerzgefühl entwickelt. Meine Atmung wurde sehr tief. Etwas wurde in Gang gesetzt und befreit. Ich brauchte eine Pause. Danach ging es mir super. Es ist alles der Kopf. Wir müssen uns nur auf die Empfindungen einlassen und sie werden sich lösen. Wir sind konditioniert nicht zu fühlen und unsere Empfindungen zu unterdrücken. Dadurch erzeugen wir so viele Verspannungen und Komplexe. Diese kann man lösen.
Zu Abend gab es das erste gekochte Essen. Der erste bissen hat so übertrieben salzig geschmeckt. Ungesund salzig. Für die anderen war es normal. Ich glaube ich sollte darauf achten nicht zu viel Salz zu mir zu nehmen, befürchte aber, dass so lange ich hier bin, das nicht möglich sein wird.

29.06.16
Heute Nacht habe ich tief und fest geschlafen, ich war sehr müde. Morgens fühle ich mich ein wenig Kraftlos. Auch nach dem Frühstück schlafe ich noch ein mal. Ich erhöhe langsam meine Nahrungszufuhr. Dann das Zweite Morgentraining fühle ich mich immer noch ein wenig schlapp. Wir machen einen längeren Spaziergang zu den Dragon Pool, ein bisschen Wasser bei den Bergen, und trainieren dort Hard Qi Gong. Es ist ein schöner Ort.
Nach dem Mittagessen noch ein mal ausgiebig ruhen. Ich weiß noch nicht ob es an dem Verdauen oder daran liegt, dass ich wieder trainiere, dass ich so müde bin. Fit fühle ich mich nicht. Mein rechter fuß tut weh. Das macht er jetzt schon einige Wochen. Gerade spür ich es mehr. Ich bin mir nicht sicher ob es ein gutes Heilungszeichen ist oder nicht. Jeder Schritt schmerzt im Fußballen.
Vor drei Tagen hab ich teilweise noch die Stunden gezählz und alles hat sich oft so langsam hingezogen. Jetzt habe ich direkt wieder kaum genug Pause. Abends lege ich mich am besten gleich schlafen. Morgen früh ist Grading das zweite. Ich fühle mich nicht gut vorbereitet dank der Fastenpause. Egal. Grading ist mir nicht wichtig. Versuche ich mir zu glauben.

Haus in China Shaolin Tempel Dorf
Haus in China Shaolin Tempel Dorf

30.06.16
Heute Nacht habe ich super geschlafen. Ich konnte die ganze Zeit auf dem Rücken liegen und habe mich super entspannt gefühlt. Wundervoll. Meinem Rücken wird es immer besser gehen. Ich kann es gar nicht recht abwarten ein längeres Fasten zu machen. Bis dahin habe ich hier die perfekte Umgebung meine Muskeln aufzubauen. Gestern habe ich die Stabform fertiggelernt. Ich war ganz schön langsam. Egal. Heute dann das Grading. Ich habe Stab, Siu Nim Tao und Tai Chi 24 vorgeführt. Tai Chi haben wir alle gemeinsam in der Gruppe demonstriert. Ich möchte die Stab Form noch verbessern. Ich bin nich zufrieden mit meinem bisherigen Können. Vor allem die Positionen in den Formen bei den ich sehr Tief gehen muss fallen mir schwer. Dafür müssen meine Beine noch stärker werden.
Da mein rechter Fuß immer noch so eigenartig weh tut und wie es sich anfühlt auch noch eine Weile weh tun wird, habe ich heute Powertraining alleine auf dem Dach gemacht. Das ist das erste mal, dass ich komplett mein eigenes Ding beim Trainieren gemacht habe. Es war auch mal gut. Es war vielleicht nicht ganz so anstrengend, wie wenn ich es mit den anderen mitgemacht habe, dennoch habe ich mich gut genug selbst motivieren können intensiv zu trainieren.
Ich esse im Moment deutlich weniger als vor dem Fasten. Vor allem die Süßigkeiten nach der Mahlzeit sind weggefallen und danach habe ich auch keinerlei Verlangen im Moment. Ich möchte raffinierten Zucker nun vermeiden und stattdessen Früchte essen. Die tun mir gerade sehr gut. Ich kaue alles sehr langsam. Dadurch bekomme ich ein besseres Gefühl für meine Magenfülle und ich habe auch einen langen Prozess des Genießens ohne mich überessen zu müssen. Ich hoffe das kann ich möglichst lange aufrecht erhalten.
Während und nach des Essens hatte ich eine lange angenehme Unterhaltung mit Daniela. The girl next door. Ich mag sie.

01.07.16
Der erste Tag des neuen Monats beginnt ruhig. Alle gehen Bergsteigen. Mein Fuß ist noch am schmerzen, also bleibe ich in der Schule und mache ein paar Übungen für mich alleine. Jojo ist auch noch da. Es fühlt sich schon wie Wochenende an. Ich merke jetzt schneller, wenn ich zu viel esse. Allerdings merke ich auch, dass ich ein Verlangen nach essen nicht 100% unter Kontrolle habe. Ich habe das Gefühl, dass das Essen was hier hier kriegen, nicht ganz meinen neuen, bzw. meinen eigentlichen Bedürfnissen entspricht. Es ist lecker und die Qualität stimmt denke ich auch,, aber momentan ist mir nach viel frischem Gemüse und Obst. Also kaufe ich mir nach dem Mittagessen noch ein wenig Obst, da meine Nashis nun aufgegessen sind. Das Obst ist hier im Dorf sehr teuer und ich mistraue ihm sehr. Nach dem Pfirsichessen, obwohl ich ihn geschält habe, habe ich einen pelzigen Film im Mund. Die meisten Früchte bisher haben leicht eigenartig geschmeckt. Da muss ich jetzt wohl so lange ich hier bin durch. Heute Nachmittag war wieder etwas Freestyle Training. Ich habe u.a. ein bisschen trainiert so tiefe Beinposen wie möglich zu machen und hab es so gut hingekriegt wie noch nie.

02.07.16
Tanyin hatte gestern Geburtstag. Also gab’s zum Frühstück eine Torte. Ich konnte nicht nein sagen und habe ein ganz kleines Stück gegessen. Sofort habe ich mehr Verlangen nach Zucker. Davor hatte ich nur das Bedürfnis Obst zu essen, jetzt sind es wieder Süßigkeiten. So schnell geht es wieder. Mal schauen was die nächsten Tage mit sich bringen.
Dafür habe ich direkt mal wieder das Abendessen ausfallen lassen. Berichte ich hier mehr über Essen als über das Kung Fu Training? Scheint mir gerade sehr wichtig zu sein. Kein bisschen trainiert habe ich.

Zu Schluss noch ein paar Verweise die auch in der Videobeschreibung enthalten sind.
Website der Kung Fu Schule
Songshan Shaolin Temple Traditional Wushu Acadamy
Mein früherer Wasserfastenversuch
4 Tage Wasserfasten
Hilfreiche Informationen zum Thema Wasserfasten
Loren Lockman Youtube Videos

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neue kleine Erkenntnisse Tag für Tag

13.06.16
Heute Nachmittag war Sandatraining besonders ungut. Die lokale Recyclinganlage hat mal wieder den Müll verbrannt. So schlimm hat es bisher noch nie gerochen. Als ob eine riesige Ladung Autoreifen in Flammen stünde. In jeder möglichen Sekunde habe ich mir das T-Shirt vor die Nase gehalten. Bis auf Alex hat das sonst niemand gemacht. Ich frag mich, wie die das Training überstanden haben. Nach ca. einer Stunde war die Luft wieder klarer. Ich hatte ein komisches Gefühl im Hals und etwas Kopfschmerzen. Vielleicht war es auch zum Teil mein Kopf der einen Widerwillen entwickelt hat bei dem Gestank zu trainieren.
Ich weiß nicht ob mein English hier besser oder schlechter wird. Ich spreche zwar fast ausschließlich English, aber einige sprechen es so schlecht, dass ich manchmal das Gefühl habe mir auch die schlechten Fähigkeiten abzugucken.

14.06.16
An diesem Tag habe ich nichts geschrieben. Ich schreibe einen Tag rückwirkend. Mein Qi ist mal wieder schwächer. Der Tag ist recht entspannt. Alle sind gut drauf. Spannende Zeilen.

15.06.16
Die letzten drei Nächte hab ich sehr unruhig geschlafen. Ständig wache ich auf und drehe mich von Seite zu Seite. Es fühlt sich so an, als ob mein Körper viel regeneriert. Sobald sich ich mich sehr entspanne, fängt alles an sich eigenartig anzufühlen. Muskelzucken, Kribbeln und andere schwer beschreibbare Empfindungen. Ich habe leichte Kopfschmerzen. Eigenartig.
Heute war wieder Sparrinngtag. Ich musste wieder gegen Sam kämpfen. War wieder recht einfach. Und eine Runde gegen Locke. Während des Sparrings kam ein neuer Schüler aus Ungarn an. Peter. Er wird sechs Monate hier bleiben. Er hat schon viel Martial Arts Erfahrung, hat sogar ein paar „Cage Fights“ gemacht. Er hat auch direkt beim Sparring mitgemacht. Er ist wohl der erfahrenste Kämpfer von allen Schülern hier. Beeindruckend. Er hat sogar Shifu zu Boden geworfen.
Es ist wieder ein freudiger Tag mit guter Laune. Ich merke, dass ich immer entspannter werde. Dennoch hab ich eben in sozialen Interaktionen gemerkt, wie sich manchmal leichte Spannung in meinem Körper aufbaut. Vielleicht hilft mir das körperliche Training damit besser umgehen zu lernen und wieder schneller zu entspannen. Jetzt ist schon fast Schlafenszeit. Gerade habe ich mich so fit gefühlt, dass ich Powertraining machen wollte. Die Energie hebe ich mir lieber für morgen auf.

16.06.16
Lebe im Moment. Daran muss ich mich immer wieder erinnern.
An jedem meiner Unterarme befindet sich ein riesiger angeschwollener blauer Fleck vom Sparring gestern. Nach dem einen Jahr werden meine Unterarme stählern sein.
Heute gab’s sowas wie einen Frühjahrsputz für mich. Statt dem morgendlichen Training habe ich die meisten Winkel meines Zimmers gereinigt. Sogar Fenster habe ich geputzt, was ich bei mir zu Hause mehr als ein Jahr lang nicht gemacht habe.
Jetzt kommt vielleicht wieder etwas Spannendes. Während des Powertrainings bin ich mit Alex ins Gespräch gekommen. Es gibt eine Übung, die ich nicht ansatzweise schaffe. Langsame Liegestütze. Das heißt Liegestütz bis runter und unten eine Minute lang halten. Nachdem davor schon einige andere Übungen gemacht wurden. Ich schaffe nicht mal 20 Sekunden. Da Alex der Powermensch ist fragte ich ihn, ob er die Übung schafft. Er meinte es sei kein Problem für ihn. Es sei alles nur eine Kopfsache. Ich bin ja auch stark dafür, dass alles nur eine Kopfsache ist, aber in dem Moment dachte ich mir: Das meiste ist zwar eine Kopfsache, aber es gibt auch physische Grenzen. Er sagte, ich habe wohl einfach den Part meines Gehirns nicht trainiert, der für meine Liegestützmuskeln verantwortlich ist. Da machte es ein kleines Klick in meinem Kopf. Ich habe mittlerweile schon recht viele Liegestütze in meinem Leben gemacht und dafür kann ich sie noch nicht besonders gut. Mein Nacken ist der wohl verspannteste Bereich in meinem Körper und sehr wichtig dafür. In bestimmten sozialen Situationen ist das der Bereich, in dem ich am ehesten Spannung verspüre. Es hat alles ein wenig mehr Sinn ergeben. Dinge, die ich eigentlich schon wusste haben sich neu zusammengesetzt und ein weiteren Beitrag zum Zusammensetzen des Puzzles beigetragen.
Nach dem Powertraining hat mich Peter massiert. Er kann das sehr gut und hat eine fiese Stelle unterhalb meines linken Schulterblatts massiert. Es war sehr Schmerzhaft. Genau die Stelle, die für die ganzen Verspannungen hauptverantwortlich ist. Ich bin gespannt auf weitere Erkenntnisse. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich nichts weiß und noch so unglaublich viel von allen Menschen lernen kann.

17.06.16
Nun scheint es langsam richtig heiß zu werden. Heute Nacht haben anscheinend die meisten schlecht geschlafen. So auch ich. Ich fühle mich nach dem Aufwachen besonders müde.
Die Schule wird immer sozialer. Heute sind schon wieder drei neue Schüler gekommen. Zwei Teenager aus Russland und ein Äthiopier. Hier sind gerade Schüler aus mehr als 10 verschiedenen Nationen. Doch sind alle irgendwie gleich. Den größten Unterschied verspüre ich zu den Einheimischen. Vermutlich aber auch nur wegen mangelhafter Kommunikation. Schon wieder super viel gegessen.
Auf der einen Seite mag ich das sozialere Leben. Auf der anderen Seite habe ich auch das Gefühl mich darin manchmal zu verlieren und Dinge zu tun, die unnötig sind. Auch ein Verlangen nach Bestätigung. Die Balance finden.

18.06.16
Heute ist außer Sonnenbaden und Fargo schauen nicht viel passiert. Schon wieder ist ein neuer Schüler angekommen. Wir nähern uns langsam der 30 Schüler.

19.06.16
Gestern Mittag war mein letztes Essen. Heute Mittag hab ich im Hof ein wenig chinesisches Schach mit Anja gespielt und dabei erfahren, dass wohl die meisten diese Woche ihr Bi Gu Fasten starten. Also doch auch ich wohl früher als erwartet. Heute Abend werde ich eine Kleinigkeit essen. Morgen dann auch noch mal ein wenig essen und Shifu darum bitten mir den Rest der Tai Chi 24 Form beizubringen, damit ich es während des Fastens üben kann. Ich werde also vermutlich morgen den letzten Tag meinen Computer und damit mein digitales Tagebuch zur Verfügung haben. Irgendwie ist das gerade alles so plötzlich. Aber na gut, ich freu mich aufs Fasten. Mindestens 10 Tage möchte ich es machen. Der nächste Blogbeirtag wird voraussichtlich in zwei Wochen erscheinen.

20.06.16
Gerade habe ich Shifu gesagt, dass ich gerne ab morgen zehn Tage fasten möchte. Hier wird es Bi Gu genannt. Er meinte, dass zehn Tage zu viel seien, ich solle drei Tage machen. Da ich es schon einmal vier Tage gemacht habe, konnte ich ihn davon überzeugen wenigstens für sieben Tage die Erlaubnis zu kriegen. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten dann noch mal länger Fasten.

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Es wird weiblicher

Diese Woche gibt es nur einfachen Text. Nicht mal ein Foto ist dabei. Na hoffentlich wird mein nächster Post dafür besonders spektakulär.

05.05.16
Mein erstes Essen gab es heute zu Abend. Das Kurzzeitfasten war einfach und tat ganz gut. Dafür habe ich dann aber direkt wieder ein wenig zu viel zu Abend gegessen.
Das Leitungswasser ist gerade braun. Vermutlich, weil sie etwas an der Wasserleitung repariert hatten. Ich will also bei Steve nebenan fragen, ob ich von ihm etwas Trinkwasser bekommen kann, da trete ich in etwas eigenartiges. Ein riesiges Insekt. Es könnte so etwas ähnliches wie ein brauner Grashüpfer gewesen sein. Sorry liebes, du mir einen Schock einjagendes Insekt, dass ich dich zertreten habe.

06.06.16
Ein neues Mädel ist seit heute da. Ich hab gerade erst einen kurzen Wortwechsel mit ihr gehabt und nicht mal ihren Namen richtig mitgekriegt. Ohh, es sind sogar zwei neue. Für den kommenden Monat werden ein Mädel aus Hong Kong und eine aus England hier sein. Mehr Frau tut gut.
Da das Leitungswasser immer noch braun ist und ich dem ganzen immer mehr mistraue, hab‘ ich jetzt für 5 Kuai, also ca. 70 Cent, einen 19 Liter Wasserkanister gekauft. Das Wasser schmeckt auch besser.
Seit nach dem Abendessen, jetzt schon seit vielleicht zwei Stunden, quakt hier irgend ein Tier. Es scheint sehr viel Ausdauer zu besitzen. Ich hoffe es wird bald müde, sodass mir das müde werden leichter gemacht wird.

07.06.16
Ich befürchte, dass die Küche mit dem dreckigen Wasser kocht. Heute hab ich mal wieder Durchfall. Die Luft war die letzten Tage auch nicht so gut. Jetzt muss mein Immunsystem stark sein.
Beim Powerstretching hab ich mich sehr schlapp gefühlt: Mal schauen ob wie gewohnt die Mittagsruhe wieder meinen Energievorrat auffüllt.
Ich fühle mich an dem Punkt angekommen, dass ich ohne Probleme das Training überstehe. Nur darf ich dabei nicht vergessen mich auch immer wieder zu pushen. Denn einfach nur das Training überstehen bringt mich nicht weiter. Ich muss meine Grenzen weiter ausbauen. Dennoch zwischendurch ein paar faulere Tage zu haben ist denk ich legitim.

08.06.16
Heute morgen wieder Hard Qi Gong. Diesmal mit Alex. Es war seit ein paar Wochen wirklich mal wieder „hard“. Direkt nach der ersten Übung, bei der wir gegenseitig unsere Arme gezielt aneinander schlagen, fühlten sich meine Unterarme an, als hätte ich enormen Muskelkater. Ich möchte möglichst viel Training mit Alex machen. Er ist von allen Schülern der mit der meisten Energie und Motivation. Er pusht mich gut.
Heute nach ein paar Wochen Pause gab es wieder richtiges Sparring mit Schutz. Ich habe gegen Sam gekämpft, dessen erstes mal Sparring es war. Erst wollte ich gar nicht, aber da Sam ein vermeintlich leichter Gegner ist, bin ich doch in den „Ring“ gestiegen. Es war auch tatsächlich für mich ein recht entspannter Kampf. Er hat seinen Kopf kaum gedeckt. Ich hatte also freie Bahn ihn zu treffen. Da ich Leuten nicht weh tun mag, waren meine Schläge auch recht Soft.
Ich mag Sparring, da es mich in Sekundenschnelle meinen Geist fokussieren lässt. Ich muss hell wach sein um meinen Gegner wahrnehmen und schnelle Entscheidungen treffen zu können.
Sachos ist heute nun gegangen. Nach ca. zwei Jahren Training ist er „Disciple“ von Shifu geworden. Auch wenn ich nicht so viel mit ihm zu tun hatte, fand ich seine Abschiedsrede doch etwas rührend. Er scheint eine gewaltige Veränderung hier in der Schule vollzogen zu haben. Möge er eine gute Zeit haben.

09.06.16
Heute ist Drachenbotfest. Was genau es damit auf sich hat, weiß ich noch nich. Das einzige was ich weiß, ist, dass ich kugelrund vollgefressen bin. Es gab zu Mittag Besonders leckeres frittiertes Brot, frittierte Teigtaschen gefüllt mit Glasnudeln und Grünzeug, Dumplings (gefüllte Nudelteigtaschen mit anderen Grünzeug) und zum quasi zum Nachtisch Glutenreis mit Aprikose in Bambusblätter gewickelt. So viel hab ich seit dem letzten Grillen und Serienabend vor ca. einem knappen Jahr, in Leipzig nicht mehr gegessen. Das Essen hat mich irgendwie sehr glücklich gemacht. Ich mag die Menschen hier immer mehr und fühle mich gut aufgehoben. Jetzt kommt der Mittagsschlaf und danach gibt’s Powertraining um das ganze Futter zu verbrennen.
Power Training war heute wieder mit Wu Shifu. Er treibt uns immer gut an unsere Grenzen. Es war gut anstrengend und dazu noch in heißer Sonne. Am Ende haben wir uns gegenseitig noch etwas massiert. Auch Wu Shifu hat kurz Hand angelegt. Das sieht dann so aus, dass er mit großer Wucht auf die Wirbelsäule drückt. Für einen Moment fühlt es sich so an als müsse man sterben. Danach ist es befreiend.
Ich fühle mich fit. Um so mehr ich trainiere, desto mehr kann ich trainieren. Dennoch denke ich, ein paar Ruhetage am Wochenende sind ganz gut für meinen Körper.

10.06.15
Ich mag die Gesellschaft beim Essen immer mehr. Gestern ist schon wieder ein neues Mädel aus Italien gekommen. Und heute noch zwei neue Schüler, davon auch noch ein Mädel. Damit sind gerade sechs Frauen hier vor Ort. Rebecca, mit der ich mich auch immer besser verstehe, geht nächsten Dienstag. Heute wieder drei mal den Berg gelaufen. Bei über 30° im Schatten war es deutlich anstrengender. Jetzt fühle ich mich angenehm erschöpft.

11.06.16
Heute mal wieder Dengfeng. Ich bin mit Anya, Rebecca und Daniela hingefahren. Hab mich dann direkt abgeseilt und bin nur in den Supermarkt. Josh war bisher der einzige, der auch nur das Nötigste in Dengfeng machen wollte. Alle anderen gehen sich immer noch massieren lassen und in den Coffee Shop etc. Josh ist vor zwei Tagen temporär weggegangen um sein Visum zu erneuern. Also war ich heute das erste mal ein bisschen alleine in Dengfeng unterwegs.
Die Temperatur steigt gefühlt weiter an. Mit ihr auch die Luftfeuchtigkeit. Die Luft steht. Das Leitungswasser ist immer noch etwas dreckig. Ich habe einiges an Süßigkeiten gegessen. Heute habe ich das erste mal Kopfschmerzen. Meine Stimmung ist gut. Gerade habe ich die erste Folge der Serie Fargo gesehen. Ich bin schwer beeindruckt.
Die äußeren Einflüsse hier in China sind bedingt deutlich schlechter als in Deutschland. Die Luft, das Wasser und beim Essen, auch wenn es sehr lecker ist, weiß ich nicht wie es produziert ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass all das verhältnismäßig irrelevant ist für meine Gesundheit und meinen Gemütszustand. Das Entscheidende scheint mein Kopf und mein Qi zu sein. Wenn das beides gut läuft, scheint der Input relativ egal zu sein.

12.06.16
So spät wie heute bin ich bisher noch nicht aufgestanden. 7:30 hat die Uhr gezeigt. Es ist Sonntag. Alle scheinen entspannt und gut drauf zu sein. Ich habe das Gefühl, dass die erhöhte Frauenanzahl für mehr Kommunikation und Austausch unter den Schülern sorgt. Heute hatte ich keine Lust mich zu sehr um den Blog und ein Video zu kümmern. Ich habe weiter Fargo geschaut. Ich kann die Serie mit bestem Gewissen allen weiterempfehlen.

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