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Schlagwort: Deutschland

Die Rückkehr

21.11.17

Ich sitze im Auto im Parkhaus vom Flughafen Malaga. Hab möglichst alles verdunkelt um das Neonlicht zumindest etwas fernzuhalten. Der Abgasgerucht macht mir leichte Kopfschmerzen. Glaube ich zumindest. Jetzt bin ich mittlerweile auch schon bestimmt drei Stunden hier. In weiteren zwei Stunden kommen Josephine und Momo an. Warum bin ich nur schon so früh hier? Hach ich weiß es ja. Meine Kontrollbedürftigkeit. Und meine Sicherheitsbedürftigkeit nicht im dunkeln hier her zu fahren. War so schon stressig genug ohne Navi und so. Auf einmal steh ich also im Parkhaus und zahle ein Haufen Geld fürs hier Stehen. Die Reise könnte auch billiger sein. Sogar im Parkhaus gibt es WLAN. Ich habe das Gefühl, dass alle Länder besser mit Internet ausgestattet sind als Deutschland. Vielleicht schlafen wir heute Nacht im Parkhaus. Mal gucken. Auch mal gucken was als nächstes passiert. Ach ja: Heute hab ich eine Tramperin ein Stückchen mitgenommen. Sie lebt in einer Community in der N#he von Orgiva. Hab sie bis dahin gefahren und den Ort sehen dürfen- Leider war dann die Situation etwas komisch und ich bin lieber wieder gefahren. Schienen aber angenehme Menschen zu sein.

Dinge organisieren und Sachen machen bedeckt den Gedankennebel der tieferen Fragen. Oder meditieren natürlich. Habe nun rausgefunden, dass ich doch aufrecht im Bus sitzen kann, wenn die Matratze zusammengerollt ist.

23.11.17

Josephine und Momo sind wieder mit an Board. Gestern hatten wir einen ruhigen Tag am Strand. Nach teurem FlughafenParkhaus, in dem wir dann doch nicht übernachtet haben, war der Parkplatz am Strand kostenlos. Zwar hatten wir Sand direkt unter den Rädern, idyllisch war es aber nicht. Recht viel Müll und Industrie drumherum.

Mein Kopf ist überfüllt mit Dingen. Ganz viel passiert gerade wieder. Neben uns Parkt ein Auto, dessen Motor die ganze Zeit läuft, hör doch auf damit! Dauernd dieses Denken. Unsere Reise wird vermutlich bald schon enden. Ich hab den Start initiiert, Josephine initiiert das Ende. Hab aber gerade gar nichts gegen. Die Wärme ist schön, aber vielleicht drücke ich mich auch nur darum, mich mal wirklich mit der Kälte auseinander zu setzen.

Ich bin auf der Suche, auf der Suche. Die Welt ist voll von Dingen, die niemand braucht. Tourismus, Müll, Straßen. Wir sind ein Auto davon. Heimat gibt es vielleicht überall, ich hab sie aber nicht. Ich fühle mich heimatlos. Im ZEGG hatte ich mich das erste mal richtig zu hause gefühlt. Wir sind hier her und dachten, dass es ganz einfach wird irgendwo gegen Kost und Logie zu arbeiten. Daraus ist nichts geworden. Irgendwie … ach ich fühle mich müde. Ich möchte einen Ort zum ankommen. Das ist auch der Grund warum ich losgefahren bin. Ich möchte irgendwo sein, ankommen. Einen Ort haben zum ausruhen, zum sein. Jetzt sind wir dauernd im Bus und unterwegs, mag ich in diesem Moment nicht mehr. Alles ändert sich aber ständig.

Noch einmal Landschaft aus Spanien
Noch einmal Landschaft aus Spanien

24.11.17

So viel hin und her im Kopf, so viele Gedanken. Also fahren wir morgen los. Es gibt Gründe fürs Bleiben und Gründe fürs Fahren. Entscheidend ist wohl einfach, dass der Raum zu eng ist für drei Leute. Wir Erwachsene brauchen Platz und Zeit für uns. Momo braucht andere Kinder. Es hat einen Monat lang erstaunlich gut funktioniert, aber nun ja. Schon vorbei. Recht überraschend? Vielleicht. Ich bin müde und möchte nicht ausführlicher schreiben, vielleicht morgen wieder.

29.11.17

Die Entscheidung liegt bereits ein paar Tage zurück. Ich bin bei meinem Vater in der schönen Dachgeschosswohnung in Widdern, Deutschland. Wir haben uns dazu entschlossen zurück zu fahren. Manchmal war mir nicht ganz klar warum, bzw. konnte ich es einfach nur nicht in Worte fassen, da mir so viele Gedanken im Kopf rumgeisterten. Nun kann ich es besser in Worte bringen. Josephine, die ich ab sofort öfter auch Phine nennen werde, hat die Idee migebracht un ich bin aufgesprungen. So ein Bus bietet einfach nicht genug Raum für uns. Ach, das hab ich im letzten Post auch schon kurz erwähnt, lese ich gerade.

Uns hat es also auf schnellstem Weg zurück getrieben. Am ersten Rückfahrtag haben wir es bereits bis nach Frankreich geschafft. 1000 km in einem Tag mit Kind im Auto. Momo ist die geborene Autofahrerin. Nicht einmal beschwert sie sich. Super Momo! Oder Supermomo!. In Frankreich ist die Welt eine ganz andere. Es grünt, viele Bäume, Laubbäume, Regen, Leben. Nicht mehr nur karge Landschaften mit vereinzelten Olivebäumen. Auch die Dörfchen sind wieder so süß und hübsch. Wir fühlen uns schon viel mehr zu hause. Die Sprache ist zwar noch fremd, aber die Franzosen sind gefühlt bereits viel deutscher als es noch die Spanier waren. Es gibt auf einmal keine Toiletten mehr. In Spanien gab es überall Klos. Kostenlos, selbstverständlich.

Zweiter Tag der Rückreise endet ungefähr bei Dijon, mitten in der Pampa. Grün ruhige, dunkle Nacht. Kurz müssen wir uns daran aklimatisieren und unsere Ängste akzeptieren und ziehen lassen. Dann schlafen wir ein. Ich zumindest. Die Nacht ist besonders kalt, aber wir wärmen uns aneinander.

Schlussendlich der letzte Autofahrtag für eine ganze Weile. Die deutsche Grenze. Da ist sie. Es regnet. Es ist kalt. Es ist gut. Es fühlt sich richtig an.

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Eine neue Reise startet

Viel ist passiert bei mir in letzter Zeit. Viel Veränderung. Nun gehe ich auf eine neue Reise Richtung Spanien. Diesmal nicht alleine, sondern mit Josephine und Momo. Hier könnt ihr Zeilen aus meinem Tagebuch lesen und an unserer Reise teilhaben, wenn ihr möchtet:

04.10.17

Ich bin nicht alleine währen ich diese Zeilen schreibe. Schön, zu lernen meine mir wichtigen Dinge zusammen mit Josephine auszuleben. Ich fühle mich akzeptiert und muss mich mit meinen Bedürfnissen nicht verstecken. Ich glaube, das Zusammenleben mit Josephine und Momo kann richtig gut funktionieren. Gestern habe ich Josephines Mama und Ihren Freund kennengelernt. Mhh, mehr fällt mir dazu gerade gar nicht ein. Ein paar Fakten zum festhalten meiner Geschichte.

Viel bewegender ist gerade noch der Abend des heutigen Tages für mich. Rebecca, Vincent und Ela sind hier. Samstag fliegen sie nach Thailand und brauchen noch eine Unterkunft für ihre letzten Tage nach Berlin. So viel zu tun dauernd. So viel zu lernen – mit den Menschen. Ich richte mich hier ein und lerne mich mit Josephine und Momo zuhause zu fühlen. Und auf einmal sind da noch drei Menschen in der Wohnung. Das triggert einiges bei mir. Ich fühle mich direkt nicht mehr so frei. Habe das Gefühl in meiner Freiheit beschnitten zu werden.

Na gut, jetzt will ich schon wieder nicht weiter schreiben und lieber Josephine nah sein.

09.10.17

Eine Woche haben Josephine und ich nun am Stück miteinander verbracht. Solange, so intensiv, mit so wenig Abstand zwischendurch habe ich noch mit keiner Frau bisher verbracht. Und dazu gibt’s auch noch ein Kind, Freunde und Familie. Viel viel. Schön und anstrengend. Wir kommen an tiefere Themen in uns, um uns. Gestern Abend und heute morgen war es hart und heilend. Wir hören uns zu, schauen uns weinend an und geben einander Raum zum sein, mit was auch immer gerade da ist. Zumindest versuchen wir es. Wir möchten miteinander lernen und nicht mehr nur alleine. Das mit sich alleine ausmachen haben wir beide schon gelernt, next step ist teilen lernen. Es klingt langsam ab, aber ich fühle mich noch etwas hart und abweisend.

Wir haben nun einen Kindersitz. Vorgestern Hat uns Andreas dabei geholfen das Bett ins Auto zu bauen. Ist richtig professionell geworden. Und auf dem Flohmarkt gab’s ne Parkscheibe für 5ß Cent.

Der Bus nach Spanien
Der Bus nach Spanien

11.10.17

Reisevorbereitungen neigen sich dem Ende entgegen. Fühle mich etwas distanziert von Josephine. Dinge passieren zwischen uns. Dinge dürfen da sein. Es geht weiter. Wir Leben und lieben. Momo öffnet sich mir gegenüber immer mehr. Das erfreut mich. Heute werden Josephine und ich einen Tag mit viel Zeit für uns haben. Es wird auf in die Stadt gehen und wir werden Kulturprogramm machen. Richtiges Erwachsenenzeug. Zwischendurch arbeite ich ein wenig. Am Wochenende geht’s dann zur Family. Bin gespannt noch mal ein paar Tage von Josephine weg zu sein. Ich möchte gerade etwas mehr Freiheit und mein eigenes machen. Das kommt etwas kurz in letzter Zeit. Und nun? Was tu ich jetzt? Ich bin alleine bei Josephine zu Hause und warte auf sie. Irgendwie hänge ich etwas in der Luft. Musik hilft mir vielleicht. Bis dann. *tanz*

16.10.17

Sitze bei Benni in Großen-Linden. 10 Minuten von meiner Familie entfernt wohnt er. Gerade habe ich zwei Tage Weidenhausen mit Cousin, Oma und Co hinter mir. Nur weniger Kilometer weiter, fühlt sich mein Leben wieder ganz anders an, fühlt sich viel freier an. Ich habe Benni erst diesen Sommer kennengelernt. Wir waren zusammen im ZEGG. Obwohl wir noch nicht viel Zeit miteinander verbracht haben, was heißt hier „obwohl“ … Wie auch immer – ich fühle mich total wohl und frei in seiner Gegenwart. Kann sehr ich sein. Er macht gerade einen Online-Selbsterfahrungskurs oder so und ich sitze an meinem Rechner, schaue mir Youtube-Videos an und schreibe diese Zeilen. „Van-Life Episode XX“ „50 € Euro-Paletten-Haus“ „Wild Living“. Spanien ich komme! Wir kommen! Ich hab Kopfschmerzen. Der Tag war schön. Wir waren in Marburg, sind kurz spazieren gegangen, haben ein Klavier abgeliefert und sind im Tegut einkaufen gegangen. Anschließend haben wir gekocht und uns mit Gemüsepfanne und Linsensuppending vollgefressen. Und dann noch mehr Süßes. In Bennis Beisein kann ich sogar meine Esssucht ausleben ohne mich groß schlecht zu fühlen. Ihm geht es mit dem Essen ähnlich wie mir. Sie mögen sich.

Autoaussicht Richtung Süden
Autoaussicht Richtung Süden

19.10.17

Morgen startet die Reise. Gerade ist das Auto noch in der Werkstatt. „Hoffentlich passt die Benzinpumpe, die ich bestellt habe.“ meinte der Werkstattmensch. Das hoffe ich auch. Ich bin wieder in Berlin bei Josephine und Momo. Es ist ein schönes Wiederankommen hier. Ich fühle mich gut entspannt, auch wenn die Federkernmatratze mir heute Nacht etwas zugesetzt hat. Momos Papa ist gerade hier, was mich mich etwas unfreier in der Wohnung fühlen lässt. (vielleicht muss hier auch nur ein „mich“ stehen) Ich warte gerade darauf, dass sie rausgehen und ich etwas Ruhe zum meditieren finden kann.

20.10.17

Wir reisen gleich ab. Ein kurzes Durchatmen zwischen Packen und Saubermachen. Die Wohnung von Josephine wird übergeben und dann holen wir Momo vom Kindergarten ab. Der Bus ist bepackt und sieht nun richtig lebendig aus. Auch der goldene Blume-des-Lebens-Aufkleber macht sich richtig gut auf dem blauen VW. Für Josephine und Momo beginnt die Reise heute. Für mich beginnt sie gefühlt erst Dienstag, da unsere ersten zwei Stationen meine Eltern sein werden. Trotzdem bin ich freudig gespannt auf unsere erste mittellange Autofahrt nach Leipzig.

Es ist Abend. Wir sind bei meiner Mama und haben große Mengen Backofengemüse gegessen. Momo ist meiner Mama gegenüber erstaunlich offen, dafür, dass sie tendenziell sehr introvertiert ist. Es fühlt sich alles sehr familiech an. „Familiär“ klingt weniger passend. Ich versuche viel darauf zu achten meinen eigenen Raum zu haben und zu wahren. Für die lange Reise wird das essenziell sein. Josephine sieht das auch so. Das ist super.

21.10.17

Momo und Josephine spielen gerade Friseur … ach nee, jetzt ist es Prinzessinenball. Mama, Frau und Kind auf engem Raum. Der Tag war sonnig und beinhaltete Spielplatz. Zum Glück habe ich nun fast keine To Dos mehr und kann mich auf das Jetzt mehr oder weniger einlassen. Mit Kind ist es auf jeden Fall alles anders. Ich werde mit mir konfrontiert. Darf loslassen lernen. Darf Grenzen setzen lernen. Darf lernen in dieser Dreierkonbination mich frei zu fühlen. Ein immer wiederkehrendes Thema.

Amuse-toi! Bon joué. Französisch Crashkurs vorm Schlafengehen. Naben dem Spanischlernen ein wenig mein verborgenes Französisch hervor zu locken, schadet auch nicht für die Durchreise nach Spanien. Vier Jahre hatte ich die Sprache mal in der Schule gelernt. Wenn ich mir jetzt wieder etwas anschaue, kommt mir vieles bekannt vor und ich kann auf Wissen aufbauen. Noch kurz meditieren und dann kuschel ich mich zu den bereits schlafenden Josephine und Momo ins Bett. Buenas Noches. Bonne nuit.

Spaziergang in Widdern
Spaziergang in Widdern

22.10.17

Next Stop Widdern. Es ist Abends. Habe kurz meditiert und nun ein paar wenige Minuten für mich alleine, bevor ich ins Bett gehe. Heute Nachmittag sind wir Reisegruppe bei meinem Papa angekommen. Es gab einige schöne Momente. Wir saßen im Wohnzimmer, Mit Edelgard, der Frau von meinem Papa, mein Opa kam auch noch dazu und mein Papa kochte in der Küche nebenan, die räumlich nicht wirklich vom Wohnzimmer getrennt ist. Die drei Frauen häkelten und schauten sich Youtube Tutorials an. Alle Generationen waren versammelt und machten ihr Ding an einem gemütlichen regnerischen Sonntag Nachmittag. Das fühlte sich heimelich an. Aber schnell werden auch wieder alte Muster getriggert. Es ist schön hier zu sein. Dass es nur zwei Nächte sein werden, ist aber auch gut. Die Wärme ruft – und jetzt das vorgewärmte Bett.

Gardinen bunt machen
Gardinen bunt machen

23.10.17

Frühstückstisch ohne Frühstück. Momo hat schon was gegessen. Ich möchte mein erstes (Obst-)Essen noch etwas herauszögern. Mein Papa schmiert sich gerade Brote. Edelgard ist schon aus dem Haus und auf Arbeit. Jetzt beginnt der Tag. Ich fühle mich etwas in der Luft hängend und genervt von Gerede, das mich nicht interessiert.

Bei einem kurzen Spaziergang durch das schöne alte Dörfchen, das offiziell die zweitkleinste Stadt Baden-Württembergs ist, sind wir Robin und Silke begegnet.

Wir haben gerade zu viert Gardinen für unser Auto bemalt. Ich darf wieder loslassen lernen und Momo drei von sechs Gardinen bemalen lassen. Es wird ein Kinderauto. Dazu darf ich lernen meinem Papa im Vortragsmodus zu beobachten. Ich nehme mich mal wieder zurück. So mach ich das ja gerne, wenn ich nicht weiß meine Wünsche klar auszuddrücken.

Gestern ist das Auto einmal wieder nicht ohne Gas angesprungen. Waren die 300 € für die Benzinpumpe unnötig? Die kommenden Tage werden es zeigen. Morgen fahren wir nach Hom burg zu Jakob. Einem langjärigen Freund von mir.

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Besuch aus Deutschland

Schon wieder ein paar Wochen her, dass ich das letzte mal hier etwas von mir hören lassen habe. Es wird wohl unregelmäßig bleiben. Bleibt gespannt.
Die Bilder in diesem Post stammen von Yi und Tobi, danke euch dafür!

15.08.16
Im Morgengrauen mussten wir heute miterleben wie ein paar Kinder von einer Schule nebenan für irgendetwas bestraft wurden. Erst gab es sehr harte Schläge mit einem Stab auf den Hintern. Fünf Stück pro Kind. Schon nach dem ersten Schlag weinten zwei von ihnen. Anschließend mussten sie mit Füßen erhöht, Liegestützposition halten. Bestimmt 30 Minuten lang. Ich schaffe vielleicht eine Minute. Immer wenn sie zu viel geweint haben, sich beschwerten oder ihre Haltung zu schlecht wurde, gab es weitere Schläge.
Es ist Putztag. Statt Training putzen alle ihren Zimmer. Danach werden noch die Matten mit denen wir trainieren gesäubert. Ich muss noch mal temporär aus meinem Zimmer. Vermutlich für fünf Tage. Ich bin wieder in dem Raum, in den ich schon mal ausweichen musste. Er riecht nicht gut. Im Bad tropft das Wasser und hinter den Tapeten schimmelt es. Ich lasse einfach immer Fenster und Tür auf und den Ventilator laufen. Die paar Tage überlebe ich es wohl.
Ich hatte nun eine Woche Stretchingpause. Sie bewirkte Wunder. Anscheinend ist nicht nur das Fasten besonders wohltuend für die Flexibilität, sondern auch das Ruhen. Abends gab’s mal wieder Geburtstagsfeier und -torte. Heute ist Monkey Alex der Befeierte.

Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi
Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi

16.08.16
Gefühlt mindestens ein mal pro Woche fällt der Strom aus. Manch mal nur kurz, manch mal ein paar Stunden. Ich frage mich ob es sich lohnt so schlechte Stromleitungen zu verlegen und immer wieder einen Elektriker Hand anlegen zu lassen.
Ich bin wieder zuckersüchtig. Zum Glück war ich immer noch kein Geld holen und kann mir kein Eis kaufen.
Nach dem Powerstretching tut mir heute wieder meine Hüfte besonders weh. Ich spüre sie bei jeder Bewegung.

17.08.16
Heute ist der Tag des Geistes. Sowas wie für uns vielleicht Freitag der 13. ist. Deshalb gibt es zum Frühstück keine Pancakes, wie sonst jeden Tag. Die bringen angeblich Unglück. Mal schauen was der Tag mit sich bringt.
Das Unglücklichste was mir heute passiert ist, ist, dass mir eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen ist. Tag fast überstanden. Zähne putzen und ins Bett.

Alter Mann © Yi & Tobi
Alter Mann © Yi & Tobi

18.08.16
Zum Frühstück Stand ich beim Essen an als ich sehe, dass mein Honig nicht am erwarteten Platz ist. Seit gestern ist eine neue Gruppe von neun Amerikanern hier. Ich stelle kurz mein Geschirr ab um ihnen zu erklären, dass die Saucen und Co. Von Schülern gekauft sind und sie sie bitte nicht einfach nehmen sollen ohne zu fragen. Währenddessen sehe ich gerade noch wie meine Chilisauce um einen riesigen Klecks reduziert wird. Die eine entschuldigt sich und meint sie werden dann eigenes kaufen. Ich drehe mich um und will mein Geschirr, das ich vor 10 Sekunden abgestellt habe wieder nehmen und es ist weg. Auch das muss anscheinend geklärt werden. Das Unangenehmste daran finde ich die eigenartige Selbstverständlichkeit, mit der manche Menschen handeln. Dass sie nicht auf die Idee kommen zu fragen, bevor sie sich etwas nehmen. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein Problem.
Heute ist schon eher der Tag des Geistes für mich. Erst die obige Geschichte, dann ist mir wieder eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen. (in dem Bad, das zu meinem momentanen Zimmer gehört, ist immer eine Pfütze) Diesmal war der Schaden am Klopapier größer. Dann beim Powertraining wollte Josh sowohl mich als auch Peter gleichzeitig tragen. Nach drei Metern sind wir alle auf mich gefallen. Jetzt brennt meine aufgeschürfte Haut am Rücken und meine Hose wurde zerstört. Die kleinen Schäden zwischendurch.

19.08.16
Als ich auf dem Gipfel des Dharmabergs angekommen bin, fängt der Regen langsam an stärker zu werden. Nach nur kurzer Zeit auf dem Rückweg, bin ich bis auf die Haut durchnässt. Der hier bisher vielleicht stärkste Regen. Lange ist es her, dass ich durch so einen angenehmen Sommerregen gelaufen bin. Wieder angekommen plantsche ich noch ein wenig und springe dann unter die Dusche. Der Strom mag den Regen anscheinend nicht. Das Abendessen findet im Dunkeln statt.
Manchmal fällt mir auf, dass ich Wortfindungsschwierigkeiten habe. Ich glaube das ständige Wechseln zwischen Deutsch, Englisch und Chinesisch überfordert mein Gehirn immer mal wieder.

Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi
Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi

20.08.16
Ich habe eine erfreuliche Mail erhalten. Für Thailand habe ich nun vermutlich einen Ort an dem ich wohnen und in der Natur arbeiten kann. Ein abgelegener Ort,an dem es kein Strom und kein fließend Wasser gibt. Ich freue mir.

21.08.16
Den Morgen verfolgen einige von uns gemeinsam gespannt den UFC Livestream. Connor McGregor vs. Nate Diaz #2. Spannende Kämpfe. Vor allem der letzte und entscheidende Kampf.

23.08.16
Drei Tage nichts ins Tagebuch geschrieben. Der Alltag geht ohne besondere Vorkommnisse weiter. Die letzten Tage denke ich daran, gerne eine Woche Pause zu haben, um meinem Körper mal wider ein wenig Regenerationszeit zu geben. Ich Plane gerade ein wenig für Thailand.

24.08.16
Nachdem letzten Donnerstag bei meinem kleinen Sturz meine Hose vernichtet wurde, habe ich sie nun geflickt. Erst auf eigene Faust setzte ich die Nadel zu meinem allerersten Nähversuch jemals an. Zum Glück kam irgendwann Peter vorbei und erklärte mir, dass das was ich da mache nicht funktioniere. Da seine Mutter Schneiderin ist, ist er sehr bewandert mit Nadel und Faden. Er zeigte mir wie es besser geht und nun beherrsche ich es auch ein wenig. Hat sogar Spaß gemacht.
Heute Nachmittag habe ich zwei Amerikanerinnen Tai Ji beigebracht. Erneut bereitet mir das lehren Freude. Es ist ein disziplinierter Tag nachdem ich gestern ein sehr beeindruckendes Video gesehen habe. Statt dem Ersten Training meditiere ich nun seit letzter Woche stattdessen ca. eine Stunde. Das ist gut.

25.08.16
Dank Regen ist heute Powertraining ausgefallen. Stattdessen saßen wir im Meditationsraum und Großmeister Mönch, ich weiß seinen Namen immer noch nicht, hat uns eine kurze Zusammenfassung von Buddhas Leben erzählt. Anschließend durften wir ihm alle möglichen Fragen stellen. Ich hatte mal wieder keine Frage. Für mich wurde es zu einer zweistündigen Meditation unter nicht so einfachem Umfeld. Meine Aufgabe bestand darin Verständnis und Mitgefühl für all die Fragen aufzubringen. Das war auch gut.
Bento verlässt heute die Schule. Zum Anlass gab es mal wieder einen Kuchen zum Abendessen. Alle Kuchen bisher schmeckten gleich. Sie bestehen aus einfachem luftigem, sich billig anfühlendem Teig und ganz viel Sahne, verziert mit ein paar Früchten.

26.08.16
Die nun vergangene Woche habe ich jeden Morgen sehr lange meditiert. Immer wieder vergesse ich wieviel Nutzen es mir bringt. Mein Training wird besser, ich fühle mich lebendiger und klarer, alles fällt mir leichter.
Ich habe gestern und heute viel bezgl. Des Thailand Visum recherchiert. Ich hoffe das alles klappt, so wie ich es mir vorstelle. Nicht so leicht fundierte Informationen dazu im Internet zu finden.

Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi
Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi

27.08.16
Ein entspannter Wochenendtag. Heute habe ich viel Chinesisch gelernt. Außerdem möchte ich anfangen Thai zu lernen. Ich hoffe mein Gehirn wird mit vier Sprachen gleichzeitig irgendwie zurecht kommen. Auch hierbei ist die Meditation wieder sehr hilfreich.

28.08.16
Ich verbringe einige Zeit mit Recherche und Organisation meiner kommenden Pläne. Ende September werde ich eine Woche mit Christian nach Peking fahren. Mit ihm verstehe ich mich gerade sehr gut. Ich freue mich auf die kurze Inlandsreise. Zwei Wochen davor, werden wir vermutlich auf einen besonders tollen Berg hier in der Nähe fahren. Ich weiß den Namen gerade nicht.

29.08.16
Liebes Tagebuch, gerade vernachlässige ich dich mal wieder. Manchmal trage ich Tage nach, weil ich keine Muse habe etwas in dich reinzuschreiben. Auch das vergangene Wochenende habe ich es nicht geschafft dich im Internet zu veröffentlichen.

30.08.16
Heute sind Yi und Tobias angekommen. Sie werden knapp drei Tage zu Besuch hier sein. Ich habe die beiden letztes Jahr bei einer Aufnahmeprüfung für ein Animationsstudium in Ludwigsburg kennengelernt. Seit dem hatten wir keinen Kontakt mehr, bis mich vor ein paar Wochen Yi auf Facebook angeschrieben hat. Das war eine große Überraschung. Manchmal werden wohl doch Kontakt wieder aufgenommen, an die man nicht gedacht hätte.
Es war die ersten Momente leicht eigenartig, dass sie hier sind, dann war es für mich aber sehr schnell sehr angenehm. Da es für mich hier gefühlt mein Zuhause ist, fühle ich mich für sie verantwortlich. Ich bin ja auch quasi der Gastgeber. Mit dieser Situation komme ich auch immer besser klar. Es ist zwar ein leichter Stress für mich, aber ich übe mich darin. Wir haben einen sehr schönen Tag verbracht. Wir waren ein wenig spazieren und auf dem Dharmaberg, ich habe Tobias die erste Shaolinform beigebracht, während Yi uns dokumentierte. Und Abends haben wir noch einen sommerlichen Nachtspaziergang gemacht, bei dem wir am Ende noch auf eine Kung Fu Vorführung einer anderen Schule hier im Dorf gestoßen sind. Es ist doch immer wieder spannend diese beeindruckenden Kinder performen zu sehen. Jetzt bin ich ein wenig erschöpft. Auch Kommunikation kostet mich Energie.

Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi
Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi

31.08.16
Der zweite Besuchstag ist vorbei. Heute haben wir weiter zusammen Kung Fu trainiert. Nun hatte auch Yi die Lust gepackt und sie hat mitgemacht. In nur einem guten Tag habe ich den beiden die erste Shaolin Form WuBuQuan beigebracht. Manch andere brauchen deutlich länger die Form zu lernen. Es war Gradingtag. So wie Ende jeden Monats. Alle haben ihre gelernten Formen präsentiert. Auch Yi und Tobi haben WuBuQuan performt. Ich fand es super, dass sie sich getraut haben. Ich glaube sie hatten viel Spaß beim Lernen und Demonstrieren.
Ich merke, dass ich mich manchmal ein wenig sozial unfähig fühle. Fast einen ganzen Tag lang das Gefühl zu haben verantwortlich für jemanden zu sein schlaucht mich. Das habe ich glaube ich gestern schon geschrieben. Naja, scheint wohl so zu sein. Ich habe gerne meine Freiheit und das ich hauptsächlich nur auf mich achten muss.
Mein Kopf ist überladen. Ich merke meinen Rücken sehr. Fühle mich verspannt. Ich freue mich aufs Wochenende.

01.09.16
Statt Morgentraining gehen wir zu dritt in den Shaolin Tempel. Yi und Tobi haben dort gestern ein paar Mönche kennengelernt, denen sie versprochen haben sie heute zu zeichnen. Eine gute Gelegenheit auch mal wieder einen Stift in die Hand zu nehmen und meine eingerosteten Zeichenfähigkeiten aufzufrischen. Die beiden haben’s ganz schön drauf. Ich bin sehr angetan von ihren Künsten. Ich versuche mich davon nicht demotivieren zu lassen, sehe neben ihnen aber ganz schön unfähig aus. Auch einer der Mönche hat mich gezeichnet. In nur drei Minuten hat er eine sehr coole Skizze von mir gemacht.
Gerade sind die beiden weggefahren. Wir sind noch unser letztes Eis essend zusammen zur Bushaltestelle gelaufen. Als sie dann außer Sichtweite waren fühlte ich mich auf ein mal sehr traurig. Nicht mal als ich von Deutschland abgeflogen bin habe ich mich so traurig gefühlt. Zwei Menschen die ich kaum kenne besuchen mich hier. Das rührt mich. Die beiden waren so lieb und ich habe mich von ihnen so unglaublich bedingungslos akzeptiert gefühlt. Ich glaube damit konnte ich nicht ganz umgehen. Sie haben manch Qualitäten die ich für mich noch nicht so zulassen kann, wie ich es mir wünsche. Danke Yi und Tobi für den tollen Besuch.
Hier gibt es noch zwei links zu deren Websites:
Yinfinity
Tobias Pinegger

Seit nun mehr als drei Stunden brennt mal wieder Müll im Dorf ab. Ich krieg den Geruch nicht mehr aus der Nase. Es macht mich ein wenig schummerig. Vielleicht es auch nur Einbildung.

04.09.16
Ich habe mich spontan dazu entschieden noch ein mal sieben Tage nichts zu essen. Ich habe wieder das Bedürfnis danach.

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