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Schlagwort: reise

Die Rückkehr

21.11.17

Ich sitze im Auto im Parkhaus vom Flughafen Malaga. Hab möglichst alles verdunkelt um das Neonlicht zumindest etwas fernzuhalten. Der Abgasgerucht macht mir leichte Kopfschmerzen. Glaube ich zumindest. Jetzt bin ich mittlerweile auch schon bestimmt drei Stunden hier. In weiteren zwei Stunden kommen Josephine und Momo an. Warum bin ich nur schon so früh hier? Hach ich weiß es ja. Meine Kontrollbedürftigkeit. Und meine Sicherheitsbedürftigkeit nicht im dunkeln hier her zu fahren. War so schon stressig genug ohne Navi und so. Auf einmal steh ich also im Parkhaus und zahle ein Haufen Geld fürs hier Stehen. Die Reise könnte auch billiger sein. Sogar im Parkhaus gibt es WLAN. Ich habe das Gefühl, dass alle Länder besser mit Internet ausgestattet sind als Deutschland. Vielleicht schlafen wir heute Nacht im Parkhaus. Mal gucken. Auch mal gucken was als nächstes passiert. Ach ja: Heute hab ich eine Tramperin ein Stückchen mitgenommen. Sie lebt in einer Community in der N#he von Orgiva. Hab sie bis dahin gefahren und den Ort sehen dürfen- Leider war dann die Situation etwas komisch und ich bin lieber wieder gefahren. Schienen aber angenehme Menschen zu sein.

Dinge organisieren und Sachen machen bedeckt den Gedankennebel der tieferen Fragen. Oder meditieren natürlich. Habe nun rausgefunden, dass ich doch aufrecht im Bus sitzen kann, wenn die Matratze zusammengerollt ist.

23.11.17

Josephine und Momo sind wieder mit an Board. Gestern hatten wir einen ruhigen Tag am Strand. Nach teurem FlughafenParkhaus, in dem wir dann doch nicht übernachtet haben, war der Parkplatz am Strand kostenlos. Zwar hatten wir Sand direkt unter den Rädern, idyllisch war es aber nicht. Recht viel Müll und Industrie drumherum.

Mein Kopf ist überfüllt mit Dingen. Ganz viel passiert gerade wieder. Neben uns Parkt ein Auto, dessen Motor die ganze Zeit läuft, hör doch auf damit! Dauernd dieses Denken. Unsere Reise wird vermutlich bald schon enden. Ich hab den Start initiiert, Josephine initiiert das Ende. Hab aber gerade gar nichts gegen. Die Wärme ist schön, aber vielleicht drücke ich mich auch nur darum, mich mal wirklich mit der Kälte auseinander zu setzen.

Ich bin auf der Suche, auf der Suche. Die Welt ist voll von Dingen, die niemand braucht. Tourismus, Müll, Straßen. Wir sind ein Auto davon. Heimat gibt es vielleicht überall, ich hab sie aber nicht. Ich fühle mich heimatlos. Im ZEGG hatte ich mich das erste mal richtig zu hause gefühlt. Wir sind hier her und dachten, dass es ganz einfach wird irgendwo gegen Kost und Logie zu arbeiten. Daraus ist nichts geworden. Irgendwie … ach ich fühle mich müde. Ich möchte einen Ort zum ankommen. Das ist auch der Grund warum ich losgefahren bin. Ich möchte irgendwo sein, ankommen. Einen Ort haben zum ausruhen, zum sein. Jetzt sind wir dauernd im Bus und unterwegs, mag ich in diesem Moment nicht mehr. Alles ändert sich aber ständig.

Noch einmal Landschaft aus Spanien
Noch einmal Landschaft aus Spanien

24.11.17

So viel hin und her im Kopf, so viele Gedanken. Also fahren wir morgen los. Es gibt Gründe fürs Bleiben und Gründe fürs Fahren. Entscheidend ist wohl einfach, dass der Raum zu eng ist für drei Leute. Wir Erwachsene brauchen Platz und Zeit für uns. Momo braucht andere Kinder. Es hat einen Monat lang erstaunlich gut funktioniert, aber nun ja. Schon vorbei. Recht überraschend? Vielleicht. Ich bin müde und möchte nicht ausführlicher schreiben, vielleicht morgen wieder.

29.11.17

Die Entscheidung liegt bereits ein paar Tage zurück. Ich bin bei meinem Vater in der schönen Dachgeschosswohnung in Widdern, Deutschland. Wir haben uns dazu entschlossen zurück zu fahren. Manchmal war mir nicht ganz klar warum, bzw. konnte ich es einfach nur nicht in Worte fassen, da mir so viele Gedanken im Kopf rumgeisterten. Nun kann ich es besser in Worte bringen. Josephine, die ich ab sofort öfter auch Phine nennen werde, hat die Idee migebracht un ich bin aufgesprungen. So ein Bus bietet einfach nicht genug Raum für uns. Ach, das hab ich im letzten Post auch schon kurz erwähnt, lese ich gerade.

Uns hat es also auf schnellstem Weg zurück getrieben. Am ersten Rückfahrtag haben wir es bereits bis nach Frankreich geschafft. 1000 km in einem Tag mit Kind im Auto. Momo ist die geborene Autofahrerin. Nicht einmal beschwert sie sich. Super Momo! Oder Supermomo!. In Frankreich ist die Welt eine ganz andere. Es grünt, viele Bäume, Laubbäume, Regen, Leben. Nicht mehr nur karge Landschaften mit vereinzelten Olivebäumen. Auch die Dörfchen sind wieder so süß und hübsch. Wir fühlen uns schon viel mehr zu hause. Die Sprache ist zwar noch fremd, aber die Franzosen sind gefühlt bereits viel deutscher als es noch die Spanier waren. Es gibt auf einmal keine Toiletten mehr. In Spanien gab es überall Klos. Kostenlos, selbstverständlich.

Zweiter Tag der Rückreise endet ungefähr bei Dijon, mitten in der Pampa. Grün ruhige, dunkle Nacht. Kurz müssen wir uns daran aklimatisieren und unsere Ängste akzeptieren und ziehen lassen. Dann schlafen wir ein. Ich zumindest. Die Nacht ist besonders kalt, aber wir wärmen uns aneinander.

Schlussendlich der letzte Autofahrtag für eine ganze Weile. Die deutsche Grenze. Da ist sie. Es regnet. Es ist kalt. Es ist gut. Es fühlt sich richtig an.

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Orgiva, die erste

02.11.17.

Ich muss grad recht dringend aufs Klo. Muss aber auch noch kurz warten, dass Momo und Josephine vorbei kommen und auf unser Hab und Gut aufpassen. Wir haben uns für eine weitere Nacht auf dem Campingplatz entschieden und ich liege das Laptop aufladend auf dem Kieselsteinboden. Das Kabel ist nicht lang genug für bis ins Auto.

Bis auf zum Supermarkt zu fahren, hatten wir heute einen fahrfreien Tag. Dafür hatten wir besonders viel Meer und Strand. Anscheinend ist es den Einheimischen schon zu kalt und die Touriesaison ist vorbei, jedenfalls hatten wir den Strand ganz für uns alleine. Meerwasserdusche finde ich viel angenehmer als in so ein Campingplatzbad zu gehen.

Als wir im Supermarkt einkaufen waren, wurde ich kurz sehr traurig, als all unser Gemüse in Plastik eingepackt wurde. Es war viel Gemüse und viel Plastik. Ging leider irgendwie nicht anders. Spanier gehen nicht so gut mit ihrer Umwelt um. Schon nachdem wir von Frankreich aus über die Grenze gefahren sind, haben wir schnell viel mehr Müll am Straßenrand gesehen. Auch Graffitis sind mir aufgefallen, die in Frankreich scheinbar nicht vorhanden waren.

Es ist Sommer.

Sommer am Mittelmeer
Sommer am Mittelmeer

04.11.17

Gestern Abend sind wir nach noch mal langer Autofahrt durch die Hitze in Orgiva angekommen. Wir sind an der Ostküste und anschließend ins Landesinnere Richtung Granada gefahren. Auf dem Weg durften wir eigenartige Entdeckungen machen. Mit Müll gesäumte Straßen durch Plantagenanlagen mit vielen Mandarinen und Orangen. Geld verdienen um zu überleben ohne Achtsamkeit auf die Umgebung. Lebensfeindlich wirkt das. Geisterstädte am Meer. Riesige Hotelanlagen, die menschenleer waren. Überall hängen Schilder mit „zu verkaufen“ dran. Eigenartige Welten. Bisher überzeugt mich Spanien noch nicht so. Bis auf das tolle Wetter.

Geisterstadt
Geisterstadt

Wir sind wieder auf einem Campingplatz. Dieser ist aber viel angenehmer und weniger touristisch. Nach dem rückwärts gegen den Baum fahren, es war dunkel, hat unser treues Gefährt einen schönen Stellplatz unter einem großen Olivenbaum gefunden.

Gerade sind wir auf dem Sprung, haben drei Folgen Tom Jerry geguckt und werden jetzt die Stadt erkunden gehen. Außerdem gehen wir auf die Suche nach einem Eis für Momo. Es ist ein etwas regnerischer Tag, doch in diesem Moment kommt die Sonne kurz durch die Wolken.

Abend. Josephine ließt Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt während ich noch eine berufliche Mail abschicke und jetzt ein paar Zeilen schreibe. Heute hat Momo glaube ich einige gelernt, was loslassen und auf andere zugehen angeht, gelernt. Das war auch mit Leid verbunden. Raum halten.

Heute gabs Spaziergang durch Orgiva. Hier gibt’s viele Ausländer. Scheint aber ganz gut zu funktionieren die Kombination mit Einheimischen. Dann hab ich noch etwas am Rechner gearbeitet. Gar nicht so viel passiert heute. Wir bleiben noch zwei weitere ganze Tage in Orgiva. Dann fahren wir auf einen Bauernhof Nähe Malaga um dort für länger zu arbeiten.

Spaziergang durch Orgiva
Spaziergang durch Orgiva

05.11.17

Ein aufregender Tag. Wir sind wieder auf dem Campingplatz von dem wir heute Mittag losgefahren sind. Eigentlich hatten wir uns für zwei Nächte ein Airbnb Zimmer organisiert.

Der Tag hat schön angefangen. Momo hat hier einen gleichaltrigen Freund gefunden, Nils. Josephine eine Freundin, Nils Mutter, Yvonne. Ich hab Ruhe gefunden und seit langem mal wieder tagsüber kurze Momente mit Josephine alleine. Wundervoll.

Also fahren wir los, 12 Uhr ist Check-Out. Unser erster Stopp: Flohmarkt in der Kleinstadt Orgiva. Hier wimmelt es von Hippieausländern. Überall hört man Deutsch. Leider sind vieler der Menschen die Sorte alkoholtrinkender Raucher, die vielleicht ihr Glück irgendwo suchen und am liebsten anarchisch durch die Welt ziehen. Mit denen kann ich meist nicht viel anfangen. Trotzdem wars ganz schön dort und warm noch dazu. Also geht die Fahrt weiter.

Wir haben noch ein wenig Zeit bis zum Check-in in unseren Airbnb-Zimmer, also fahren wiwr auf den Berg und mache nichts. Nichts tun, ist gerade richtig super. Noch mal weiter geht’s. Wir geben die Adresse des Airbnb ein und kommen irgendwo an, wo wir nicht ankommen sollen. Nach längeren Warten finden wir hraus, dass wir ans andere Ende der Stadt müssen. Rückwärts umdrehen und wieder weiter fahren, doch BUMS! Wir landen mit der Hinterachse in einem Graben, Das Auto liegt auf. Was nun? Noch weiter Rückwärts fahren. Nach etwas Herzklopfen schaffen wir es wieder aus der Kuhle raus. Hoffentlich hat das Auto keine Schäden davon getragen. Vor lauter Schreck haben wir nicht mal ein Foto von der fast lustigen Situation gemacht.

Also nun geht’s wirklich weiter. Wir schlängeln uns durch Enge Straßen, auf denen uns zum Glück kein uto entgegen kommt. Endlich kommen wir an. Das Grundstück sieht nett aus, doch schnell wird uns sehr unwohl. Das Zimmer ist wie eine Zelle. Zwei Matratzen in einem kleinen, weißen, runtergekommenen Raum. Die Bilder im Internet haben eine ganz andere Atmosphäre vermittelt. Die Leute rauchen und machen den Eindruck etwas fertig und verdrogt zu sein. Momo will hier schlafen, warum auch immer. Josephine und ich entscheiden schnell, dass wir hier keine Nacht verbringen möchten. Ein Glück haben wir unseren Bus und können immer über all übernachten. Zurück zum Campingplatz, dort fühlen wir uns wohl. Noch einmal durch die Engen Gassen. Es war noch nicht Abenteuer genug, diesmal ist Straße gut befahren und wir müssen drei mal ein Ausweichmanöver vollziehen. Uff genug Stress für heute.

In der Abendsonne kochen, mit Josephine und Momo sein. Auf einmal fühle ich mich so besonders entspannt. Ein schöner Kontrast.

noch mal Sonnenuntergang
noch mal Sonnenuntergang
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Reisemodus, Meer und Camping

29.10.17

Es ist Abend. Momo hat beide ihre Füße in einem von Tims Hausschuhen stecken. Ich hab den Abwasch gemacht um kurz mich aus der Kommunikation ausklinken zu können.

Tagsüber hab ich etwas Zeit am Computer verbrach und anschließend sind wir auf ein recht volles und lautes Straßenfest. Für Veganer gab es bis auf Pommes nichts zu essen. Viel Käse, viel Fleisch und etwas Baguette. Es ist manchmal anstrengend mich davon abzugrenzen. Vor allem wenn mir nahestehende Personen wie Josephine Dinge vor meinen Augen essen. Also habe ich einen Krümel Käse gegessen und zwei Schluck Cidre getrunken um mich danach schlecht zu fühlen. Auch das Gefühl ging schnell vorbei als ich mich kurz allein hingesetzt habe und Momo beim Riesentrompolinspringen, strahlen sah.

Willkommen in Spanien
Willkommen in Spanien

31.10.17

Momo ist noch am einschlafen. Ich tippe ein wenig. Wir stehen auf einem Parkplatz vor einer Felswand mit Wohnungshöhlen drin. Draußen ist noch viel Leben anderer „Camper“.

Gestern bin ich nicht zum schrieben gekommen. Gestern war ein langer Tag:

Wir sind morgens in Frankreich am Fuße der Pyrenäen losgefahren. Geplant war in eine Grotte zu gehen. Daraus ist dann spontan doch nicht gewordene und da wir eine falsche Abzweigung genommen haben, sind wir die schönste Autostrecke meines Lebens gefahren. Durch Zauberwälder in denen Feen und Zwerge wohnen, bis auf dem Gipfel mit eisig, nebliger Aussicht ins Tal. Auf der spanischen Seite begrüßte uns die Sonne durch den aufbrechenden Himmel. Wir sind schon fast da, aber noch ist es recht frisch. Wir suchen uns einen Parkplatz zum übernachten aus, doch als wir ankommen sind wir nicht so glücklich mit dem Ort. Polizei steht da und irgendwie wirkt die Gegend wie eine Mischung aus verlassen und doch nicht. Also noch mal spontane Planänderung: Schnell kochen und eine extra Strecke in der Dunkelheit bis zum Meer. Es macht Spaß mal im Dunkeln zu fahren. Momo schläft. Wir kommen auf einem Parkplatz mit Wohnmobilen spät Abends an. Viel von der Gegend durch die wir gefahren sind, haben wir nicht mitgekriegt, alles war schwarz.

Pause in den Pyrenäen
Pause in den Pyrenäen

Heute morgen wachen wir auf, öffnen die Gardinen und blicken aufs Meer. Wow. Eine schöne Morgenüberraschung. Nach dem Frühstück beschließen wir einen ruhigen Tag zu machen und vielleicht garnicht wirklich wo anders hinzufahren. Wir packen unsere Sachen und wollen nur schnell zum Strand. Nach einer kurzen Fahrt und sehr billigem Tanken finden wir einen relativ leeren Sandstrand in einer Kleinstadt. Atlantik, baden, Salzwasser. Wunderschönes Gefühl. Es ist mild. In der Sonne sehr angenehm. Noch einmal umparken, da wir im Parkverbot stehen. Das hab ich kurz mit Momo allein gemacht. Ab und zu haben wir gemeinsame Momente. Darüber freue ich mich sehr. Ich mag, dass wir uns näher kommen und mir Momo mehr und mehr vertraut.

Dann noch mal Planänderung: Weiterfahrt Richtung Süden. Wir wollen mehr Wärme und einen Ort finden an dem wir mal ein paar Tage bleiben können. Wir fahren durch karge Landschaft mit viel Industrie. So hab ich mir die spanische Welt vorgestellt. Und nun sind wir auf diesem Parkplatz mit den Felswohnungen. Da bin ich rumgeklettert. Das war neben dem Baden im Ozean mein Schönstes heute. Aus die Maus.

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01.11.17

Ich bin in einem Modus der funktioniert. Der Reisemodus. Schön schön. Gerade sitzen wir auf einem Campingplatz. Wir haben uns mal für „Luxus“ mit Strom und Internet entschieden. Es ist Feiertag in Spanien. Das durften wir feststellen, als wir vorm verschlossenen Supermarkt standen.

Unsere Autoroute führte uns heute durch kargste Landschaften mit noch mehr Industrie. Eine kurze Pause am Straßenrand. Josephine hatte einen Feigenbaum entdeckt. Leider keine Feigen dran, dafür ein Mensch mit Gewehr, der das Feld bewacht. Lieber weg hier und einen anderen Pinkelort suchen. Unser Campingplatz liegt zwischen einem See und dem Mittelmeer und dazu gibt’s hier ein Schwimmbad mit Rutsche. Wir entscheiden uns fürs Salzwasser. Reisen mit Frau und Kind funktioniert richtig gut. Momo ist super entspannt und macht fast alles mit. Josephine sowieso. Vielleicht steuern wir morgen oder übermorgen einen Ort an, an dem wir mal eine Weile bleiben können.

Aussicht aus dem Auto
Aussicht aus dem Auto
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Die ersten Nächte im Bus

24.10.17

Gleich 12 Uhr und Schlafenszeit in Homburg. Wir sind bei Jakob und Hanin. Dürfen ein wundervolles Zuhause mit Rundumversorgung genießen. Schon die letzten Tage bei meinen Eltern gab es Essen, Unterkunft und noch viel mehr. Hier ist es nicht anders.

Grenzen setzen ist ein großes Thema. Für mich und auf für Josephine und Momo. Morgen fahren wir über die deutsch-französische Grenze. An dieser Grenze zweifelt wohl kaum jemand. Die Zweisamkeitsstunden abends mit Josephine sind jeden Tag besonders. Jeden Tag gehe ich erwartungslos Momo ins Bett bringen und jeden Tag passieren danach unerwartete und intensive Begegnungen mit Josephine. So viel Leben, so viel Bewegung.

Marsch durch die französische Zauberwelt
Marsch durch die französische Zauberwelt

26.10.17

Wir stehen mit dem rot-goldenen Sonnenaufgang auf. Heute Nacht haben wir die erste Nacht im Bus verbracht. Die Reise hat begonnen. Gestern hatten wir einen ganzen Tag im Auto. Morgens früh um 9 sind wir in Homburg losgefahren und 18 Uhr sind wir hier in Larochemillay, mitten in der Pampa, angekommen. Es ist wundervoll grün und ruhig hier. Die Camping Saison ist schon so gut wie vorbei und wir sind anscheinend die einzigen Gäste hier. Für Momo gibt es ein riesiges Arsenal an Fahrrädern und Bobycars und Puppenwägen. Unser Auto darf unter einem Baum mit Aussicht auf Tal und Berge stehen. Der frühe morgen ist feucht frisch, doch die Sonne kündigt einen hoffentlich warmen Tag an.

Gestern hatte ich das erste mal meine Schwierigkeiten mit Momo. Es geht um Aufmerksamkeit bekommen und einnehmen und, dass Situationen in denen ich mal kurz mit Josephine sein möchte, sofort von Momo eingenommen werden. Das nächste mal, werde ich ihr meine Bedürfnisse klar formulieren.

Heute startet ein ruhigerer Tag ohne Autofahren.

Es ist bereits Nachmittag und ich sitze drinnen am Rechner. Hab‘ etwas für Youtube gemacht. Das Wetter ist wundervoll und ich genoss die Sonne recht ausgiebig. Ich brauche Zeit für mich. Ich fühle mich etwas verstoßen von Josephine. Nur so subtil. Ich bin im leichten Unsicherheitsmodus. Dennoch fühle ich mich stärker als gestern.

Nun ist es Abend. Nochmal etwas schreiben. Der Tag war immer wieder geprägt von Trauer und ähnlichen Gefühlen. Das erste mal habe ich auf einem Gaskocher gekocht und auf dem Dach des Buses gelegen. Es gab Eintopf mit von Josephine und Momo gesammelten Esskastanien. Bestimmt essen wir jetzt ganz oft Eintopf.

Mit Qi Gong und Sonne in den Tag
Mit Qi Gong und Sonne in den Tag

28.10.17

Es ist noch fast dunkel. Der Morgen beginnt an Stadtrand von irgendwo in Frankreich. Wir haben die erste Nacht wild gecampt. Scheint ganz gut zu funktionieren. Gestern haben wir eine Pause in Gannat gemacht und einen frei zur Verfügung stehenden Feigenbaum gefunden. Mhhh, lecker … Vielleicht pflücken wir gleich noch Äpfel.

Ein weiterer Loslassprozess war gestern bei mir Thema. Kontrolle loslassen. Vertrauen, dass andere alles auch gut machen werden. Bisher hatte ich immer einen eigenen Raum in dem ich schalten und walten durfte. Hatte einen Rückzugsort. Jetzt haben wir zu dritt einen Rückzugsort. Nun muss ich darauf Vertrauen, dass Josephines und meine Ordnung harmonieren und dass Momo nicht unnötig viel dreck erzeugt. In Realität funktioniert das super, nur meine Gedanken haben Angst vorm Abgeben der Dinge.

Apfelpflücken am Straßenrand
Apfelpflücken am Straßenrand

29.10.17

Morgens bei Tim und Catherine. Über eine Ecke kennt Josephine die beiden. Sie leben in Cambo les Bains an der Grenze zu Spanien. Direkt am Gebirge und Atlantik. Tagsüber ist es hier Sommer, nachts ist es kalt. Es wachsen Palmen und wir haben eine Frucht gepflückt, die ich vorher noch nie gesehen habe. Schmeckt ein bisschen wie Passionsfrucht. Unsere beiden Hosts sind sehr sympathisch. Wir können mal wieder eine warme Dusche in komfortablen Bad genießen und schlafen auf ihrem Parkplatz. Hier ist es recht wohlhabend. Heute werden wir die Gegend erkunden.

Gestern hatten wir wieder einen ganzen Tag Autofahrt. Wir haben einen Apfelbaum gefunden und mehrere Kilo Äpfel gepflückt. Oft vergesse ich Dinge, die ich hier reinschreiben will. Der ganze Tag ist immer voll. Ich freu mich auf einen Ort, an dem wir mal einige Tage bleiben können.

Kochen im Bus
Kochen im Bus
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Eine neue Reise startet

Viel ist passiert bei mir in letzter Zeit. Viel Veränderung. Nun gehe ich auf eine neue Reise Richtung Spanien. Diesmal nicht alleine, sondern mit Josephine und Momo. Hier könnt ihr Zeilen aus meinem Tagebuch lesen und an unserer Reise teilhaben, wenn ihr möchtet:

04.10.17

Ich bin nicht alleine währen ich diese Zeilen schreibe. Schön, zu lernen meine mir wichtigen Dinge zusammen mit Josephine auszuleben. Ich fühle mich akzeptiert und muss mich mit meinen Bedürfnissen nicht verstecken. Ich glaube, das Zusammenleben mit Josephine und Momo kann richtig gut funktionieren. Gestern habe ich Josephines Mama und Ihren Freund kennengelernt. Mhh, mehr fällt mir dazu gerade gar nicht ein. Ein paar Fakten zum festhalten meiner Geschichte.

Viel bewegender ist gerade noch der Abend des heutigen Tages für mich. Rebecca, Vincent und Ela sind hier. Samstag fliegen sie nach Thailand und brauchen noch eine Unterkunft für ihre letzten Tage nach Berlin. So viel zu tun dauernd. So viel zu lernen – mit den Menschen. Ich richte mich hier ein und lerne mich mit Josephine und Momo zuhause zu fühlen. Und auf einmal sind da noch drei Menschen in der Wohnung. Das triggert einiges bei mir. Ich fühle mich direkt nicht mehr so frei. Habe das Gefühl in meiner Freiheit beschnitten zu werden.

Na gut, jetzt will ich schon wieder nicht weiter schreiben und lieber Josephine nah sein.

09.10.17

Eine Woche haben Josephine und ich nun am Stück miteinander verbracht. Solange, so intensiv, mit so wenig Abstand zwischendurch habe ich noch mit keiner Frau bisher verbracht. Und dazu gibt’s auch noch ein Kind, Freunde und Familie. Viel viel. Schön und anstrengend. Wir kommen an tiefere Themen in uns, um uns. Gestern Abend und heute morgen war es hart und heilend. Wir hören uns zu, schauen uns weinend an und geben einander Raum zum sein, mit was auch immer gerade da ist. Zumindest versuchen wir es. Wir möchten miteinander lernen und nicht mehr nur alleine. Das mit sich alleine ausmachen haben wir beide schon gelernt, next step ist teilen lernen. Es klingt langsam ab, aber ich fühle mich noch etwas hart und abweisend.

Wir haben nun einen Kindersitz. Vorgestern Hat uns Andreas dabei geholfen das Bett ins Auto zu bauen. Ist richtig professionell geworden. Und auf dem Flohmarkt gab’s ne Parkscheibe für 5ß Cent.

Der Bus nach Spanien
Der Bus nach Spanien

11.10.17

Reisevorbereitungen neigen sich dem Ende entgegen. Fühle mich etwas distanziert von Josephine. Dinge passieren zwischen uns. Dinge dürfen da sein. Es geht weiter. Wir Leben und lieben. Momo öffnet sich mir gegenüber immer mehr. Das erfreut mich. Heute werden Josephine und ich einen Tag mit viel Zeit für uns haben. Es wird auf in die Stadt gehen und wir werden Kulturprogramm machen. Richtiges Erwachsenenzeug. Zwischendurch arbeite ich ein wenig. Am Wochenende geht’s dann zur Family. Bin gespannt noch mal ein paar Tage von Josephine weg zu sein. Ich möchte gerade etwas mehr Freiheit und mein eigenes machen. Das kommt etwas kurz in letzter Zeit. Und nun? Was tu ich jetzt? Ich bin alleine bei Josephine zu Hause und warte auf sie. Irgendwie hänge ich etwas in der Luft. Musik hilft mir vielleicht. Bis dann. *tanz*

16.10.17

Sitze bei Benni in Großen-Linden. 10 Minuten von meiner Familie entfernt wohnt er. Gerade habe ich zwei Tage Weidenhausen mit Cousin, Oma und Co hinter mir. Nur weniger Kilometer weiter, fühlt sich mein Leben wieder ganz anders an, fühlt sich viel freier an. Ich habe Benni erst diesen Sommer kennengelernt. Wir waren zusammen im ZEGG. Obwohl wir noch nicht viel Zeit miteinander verbracht haben, was heißt hier „obwohl“ … Wie auch immer – ich fühle mich total wohl und frei in seiner Gegenwart. Kann sehr ich sein. Er macht gerade einen Online-Selbsterfahrungskurs oder so und ich sitze an meinem Rechner, schaue mir Youtube-Videos an und schreibe diese Zeilen. „Van-Life Episode XX“ „50 € Euro-Paletten-Haus“ „Wild Living“. Spanien ich komme! Wir kommen! Ich hab Kopfschmerzen. Der Tag war schön. Wir waren in Marburg, sind kurz spazieren gegangen, haben ein Klavier abgeliefert und sind im Tegut einkaufen gegangen. Anschließend haben wir gekocht und uns mit Gemüsepfanne und Linsensuppending vollgefressen. Und dann noch mehr Süßes. In Bennis Beisein kann ich sogar meine Esssucht ausleben ohne mich groß schlecht zu fühlen. Ihm geht es mit dem Essen ähnlich wie mir. Sie mögen sich.

Autoaussicht Richtung Süden
Autoaussicht Richtung Süden

19.10.17

Morgen startet die Reise. Gerade ist das Auto noch in der Werkstatt. „Hoffentlich passt die Benzinpumpe, die ich bestellt habe.“ meinte der Werkstattmensch. Das hoffe ich auch. Ich bin wieder in Berlin bei Josephine und Momo. Es ist ein schönes Wiederankommen hier. Ich fühle mich gut entspannt, auch wenn die Federkernmatratze mir heute Nacht etwas zugesetzt hat. Momos Papa ist gerade hier, was mich mich etwas unfreier in der Wohnung fühlen lässt. (vielleicht muss hier auch nur ein „mich“ stehen) Ich warte gerade darauf, dass sie rausgehen und ich etwas Ruhe zum meditieren finden kann.

20.10.17

Wir reisen gleich ab. Ein kurzes Durchatmen zwischen Packen und Saubermachen. Die Wohnung von Josephine wird übergeben und dann holen wir Momo vom Kindergarten ab. Der Bus ist bepackt und sieht nun richtig lebendig aus. Auch der goldene Blume-des-Lebens-Aufkleber macht sich richtig gut auf dem blauen VW. Für Josephine und Momo beginnt die Reise heute. Für mich beginnt sie gefühlt erst Dienstag, da unsere ersten zwei Stationen meine Eltern sein werden. Trotzdem bin ich freudig gespannt auf unsere erste mittellange Autofahrt nach Leipzig.

Es ist Abend. Wir sind bei meiner Mama und haben große Mengen Backofengemüse gegessen. Momo ist meiner Mama gegenüber erstaunlich offen, dafür, dass sie tendenziell sehr introvertiert ist. Es fühlt sich alles sehr familiech an. „Familiär“ klingt weniger passend. Ich versuche viel darauf zu achten meinen eigenen Raum zu haben und zu wahren. Für die lange Reise wird das essenziell sein. Josephine sieht das auch so. Das ist super.

21.10.17

Momo und Josephine spielen gerade Friseur … ach nee, jetzt ist es Prinzessinenball. Mama, Frau und Kind auf engem Raum. Der Tag war sonnig und beinhaltete Spielplatz. Zum Glück habe ich nun fast keine To Dos mehr und kann mich auf das Jetzt mehr oder weniger einlassen. Mit Kind ist es auf jeden Fall alles anders. Ich werde mit mir konfrontiert. Darf loslassen lernen. Darf Grenzen setzen lernen. Darf lernen in dieser Dreierkonbination mich frei zu fühlen. Ein immer wiederkehrendes Thema.

Amuse-toi! Bon joué. Französisch Crashkurs vorm Schlafengehen. Naben dem Spanischlernen ein wenig mein verborgenes Französisch hervor zu locken, schadet auch nicht für die Durchreise nach Spanien. Vier Jahre hatte ich die Sprache mal in der Schule gelernt. Wenn ich mir jetzt wieder etwas anschaue, kommt mir vieles bekannt vor und ich kann auf Wissen aufbauen. Noch kurz meditieren und dann kuschel ich mich zu den bereits schlafenden Josephine und Momo ins Bett. Buenas Noches. Bonne nuit.

Spaziergang in Widdern
Spaziergang in Widdern

22.10.17

Next Stop Widdern. Es ist Abends. Habe kurz meditiert und nun ein paar wenige Minuten für mich alleine, bevor ich ins Bett gehe. Heute Nachmittag sind wir Reisegruppe bei meinem Papa angekommen. Es gab einige schöne Momente. Wir saßen im Wohnzimmer, Mit Edelgard, der Frau von meinem Papa, mein Opa kam auch noch dazu und mein Papa kochte in der Küche nebenan, die räumlich nicht wirklich vom Wohnzimmer getrennt ist. Die drei Frauen häkelten und schauten sich Youtube Tutorials an. Alle Generationen waren versammelt und machten ihr Ding an einem gemütlichen regnerischen Sonntag Nachmittag. Das fühlte sich heimelich an. Aber schnell werden auch wieder alte Muster getriggert. Es ist schön hier zu sein. Dass es nur zwei Nächte sein werden, ist aber auch gut. Die Wärme ruft – und jetzt das vorgewärmte Bett.

Gardinen bunt machen
Gardinen bunt machen

23.10.17

Frühstückstisch ohne Frühstück. Momo hat schon was gegessen. Ich möchte mein erstes (Obst-)Essen noch etwas herauszögern. Mein Papa schmiert sich gerade Brote. Edelgard ist schon aus dem Haus und auf Arbeit. Jetzt beginnt der Tag. Ich fühle mich etwas in der Luft hängend und genervt von Gerede, das mich nicht interessiert.

Bei einem kurzen Spaziergang durch das schöne alte Dörfchen, das offiziell die zweitkleinste Stadt Baden-Württembergs ist, sind wir Robin und Silke begegnet.

Wir haben gerade zu viert Gardinen für unser Auto bemalt. Ich darf wieder loslassen lernen und Momo drei von sechs Gardinen bemalen lassen. Es wird ein Kinderauto. Dazu darf ich lernen meinem Papa im Vortragsmodus zu beobachten. Ich nehme mich mal wieder zurück. So mach ich das ja gerne, wenn ich nicht weiß meine Wünsche klar auszuddrücken.

Gestern ist das Auto einmal wieder nicht ohne Gas angesprungen. Waren die 300 € für die Benzinpumpe unnötig? Die kommenden Tage werden es zeigen. Morgen fahren wir nach Hom burg zu Jakob. Einem langjärigen Freund von mir.

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China ist zu Ende – ein wenig Hongkong

Wow, einen Monat alter Text. Es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich hier etwas veröffentlicht habe … heute gibt es etwas Nachholbedarf. Die letzten Wochen möchte ich allerdings in einem eigenen Beitrag veröffentlichen. Das passiert die kommenden Tage.

21.10.16
Peter hat mich gerade massiert. Mein linke Schulter ist hart wie Stein. Vor allem seit nun fast zwei Wochen ist es schlimmer geworden. Die Massage war sehr schmerzhaft, aber gut. Peter hat Ahnung von dem was er da drückt und macht. Sehr cool.

23.10.16
Kurz vor Veränderungen scheine ich immer noch mal besonders faul zu werden. Das ist jetzt kurz vor der Abreise und war auch kurz bevor ich nach China gefahren bin.
Wenn ich in die letzten Wochen und Monate zurück blicke war der aufregendste Tag der, an dem ich mein letztes Video produziert habe. Dieses Wochenende habe ich hauptsächlich unproduktiv vor dem Computer verbracht. Noch drei Tage Training, dann geht’s los!

24.10.16
Kurz vor Ende meines Aufenthalts hier, hat Shifu doch noch meinen Namen gelernt. Die letzten Tage hat er mich die ersten Male mit Namen angesprochen. Ich glaube er mag mich. Ich mag ihn.

Hongkong Wolkenkratzer
Hongkong Wolkenkratzer

25.10.16
Seit ich hier bin hat sich meine Facebook Freundesliste verdoppelt. Allerdings hat sich die Anzahl an Freunden nicht verdoppelt.
Shifu hat mich gebeten in den mir zwei letzten verbleibenden Tagen Wing Chun zu unterrichten. Es hat mich gefreut, dass meine Fähigkeiten für gut genug empfindet, es zu lehren.

26.10.16
Nun ist es auch für mich soweit. Die Zeit ist gekommen um verabschiedet zu werden. Dutzende male habe ich es bei anderen mitverfolgt, jetzt stehe ich vor der Gruppe und spreche ein paar Worte.
Heute haben noch mehr Leute Interesse an Wing Chun als gestern. Es macht Spaß Leuten etwas beizubringen. Ich glaube, ich mache das ganz gut. Fast alle lernen sehr schnell. Ich habe ihnen innerhalb von drei Stunden eine Form beigebracht, die ich über einen Zeitraum von bestimmt einem Monat gelernt habe. Mit Vorerfahrung anderer Kampfkünste, ist es einfacher neue Moves zu lernen. Der Körper ist an bestimmte Bewegungen bereits gewöhnt und der Geist darauf ausgelegt neue Moves zu lernen.
Nun werde ich doch noch etwas aufgeregt kurz vor der Abfahrt. Es ist ein leicht komisches Gefühl dies hier hinter mir zu lassen. Freue mich aber dennoch auf das Neue.
Veränderung macht mich so lebendig. Alles fühlt sich intensiver an.
Heute Abend saß ich wie die letzten, hmm bestimmt fast zwei Wochen, mit Cosmin zusammen in meinem Zimmer. Plötzlich kommt Alex rein und fragt, ob wir mit ein die „Dorfkneipe“ wollen und zum Abschied etwas trinken. Morgen gehen auch noch zwei andere Schüler. Ich habe mich gefreut, dass sie gefragt haben und mich der Runde angeschlossen. Nach einer kurzen Unterhaltung mit Karen, habe ich mich dann aks sie angefangen haben Bier Pong zu spielen, auch schon wieder zurückgezogen. Ich musste doch wieder feststellen, dass die meisten sozialen Runden dieser Art nichts f+r mich sind. Leute sind oft so schnell komisch, sobald sie denken tun und lassen zu können was sie wollen. Kindische Verhaltensweisen und auf der Suche nach so viel sozialer Bestätigung, mittels aufplustern durch Egoverhalten.

Hongkong Skyline bei Nacht
Hongkong Skyline bei Nacht

27.10.16
Der Tag ist gekommen nach Hongkong aufzubrechen. Ich bin nun schon hier.
Der morgen war leicht spannend. Ich habe mich von allen Leuten verabschiedet. Es ist ein schönes Gefühl, dass ich doch anscheinend einigen etwas geben konnte.
Das schreiben fällt gar nicht so einfach. Ich bin etwas geschafft von der Reise und schwitze mich in meinen langen Unterhosen mit Jeans bei 30 °C zu Tode. Heute morgen waren es noch 7 °C und ich wollte mein Gepäck möglichst leicht packen, da mein Rucksack die vorgeschriebenen nur 10 kg übersteigt.
Geplant war mit dem Bus nach Luoyang zum Flughafen zu Fahren, um Geld zu sparen. Vor allem, weil das von Andi organisierbare Taxi so besonders teuer gewesen wäre. Am Ausgang des Shaolin Tempels wurde ich dann direkt angesprochen und ich habe mich doch zu einer Taxifahrt breit schlagen lassen. Nur weil sie fast nur halb so viel gekostet hat. Nach kurzer Bedenken, dass der Taxifahrer leichte Muskelzuckungen parkinsonartig hatte, habe ich mich damit abgefunden und mich auf das Abenteuer eingelassen.
Hier steht mein Rechner nicht mehr unter Strom, wenn er am Netzteil hängt.
Ach ja … die Fahrt nach Luoyang. Sie war meine bisher abenteuerlichste Fahrt jemals. Die Strecke hatte besonders viele Schlaglöcher, wobei deren Größe nicht mit deutschen Schlaglöchern vergleichbar ist. Streckenweise gab es auch einfach keine Straße. Baustellen schienen ab und zu angefangen worden zu sein und dann wurden sie vergessen.
Meine Planung ist mal wieder mehr als überpünktlich. Gut vier Stunden vor Abflug sitze ich bereits im Wartebereich. Der Flughafen ist sehr winzig und ich scheine erst der vierte Passagier an diesem Tag zu sein. Nach einer Weile füllt sich die Wartehalle doch noch. Ich komme in eineUnterhaltung mit zwei deutschen Unternehmern, die Traktoren in China produzieren lassen. Nicht gerade spektakuläre Menschen. Fliegen ist immer noch etwas aufregend für mich. Wobei… eigentlich fühle ich mich schon fast daran gewöhnt. Ab und zu ertappe ich noch Gedanken, die an Abstürzen oder andere komische Dinge denken, versuche sie aber schnell zu ignorieren und stattdessen in meinen Körper hinein zu fühlen.
Hongkong Airport. Hier war ich doch schon mal. Das letzte mal habe ich es aber nicht in die Stadt geschafft. Mein erster Eindruck ist sehr positiv.Es wirkt sehr ordentlich und super organisiert. Kein Vergleich mit Mainland China. Die Mentalität wirkt auch direkt ganz anders. Die Menschen sind rücksichtsvoll und achtsam, spucken nicht und werfen keinen Müll in die Ecken. Ich fühle mich wie in einem sauberen Berlin mit hauptsächlich Asiaten.
Ich warte an der Bahnstation, an der ich mich mit May verabredet habe. Sie ist mein Couchsurfkontakt. Hallo Hongkonggirl. Sie is mir spontan sympathisch. Gerade mal eine Minute von der Station entfernt stehen wir auch schon vor ihrer Haustür. Der Aufzug bringt uns in den einundzwanzigsten Stock. Der Flur ist eng. Die Apartment Tür geöffnet fallen wir in die Wohnzimmerküche. Ein Fenster gibt es hier nicht. Mays zwei Mitbewohnerinnen scheinen auch ganz nett. Eine bessere Beschreibung fällt mir gerade nicht ein.
Ich habe leichte Kopfschmerzen und muss jetzt schlafen.

Hongkong Couchsurfing Aussicht
Hongkong Couchsurfing Aussicht

28.10.16
Heute Nacht ist noch ein weiteres Mädel gekommen. Sie schläft auch wie ich im Wohnzimmer. Ich wurde schon vorgewarnt, dass hier immer mal Leute kommen und gehen.
Für heute habe ich ein paar Dinge auf meiner To Do Liste. Als erstes das Visum für Thailand. Werde gleich auf in die Hitze. Auf in die Freiheit der Metropole.
Pause in der Shoppingmall. Der Sessel sah gemütlich aus. Obwohl es hier unendlich viele freie WLANS gibt, funktioniert es mal wieder bei mir nicht. Irgendetwas mache ich falsch.
Hongkong ist gigantisch. Ein Zentrum des Einkaufens. Großteils laufe ich nur von Gebäude zu Gebäude, welche mit Überführungen verbunden sind. Der Platz ist so knapp bemessen, dass alles in die Höhe gebaut wurde.
Auch wenn mich das Einkaufen hier nicht wirklich interessiert, bin ich von der Großstadt doch sehr angetan bisher. Die Menschen sind alle freundlich und hilfsbereit. Es ist sauber! So sauber. Ach das erwähnte ich ja schon mal. Hier muss man ein recht hohes Bußgeld zahlen, wenn man seinen Müll hinterlässt oder auf den Boden spuckt.
Das ist das erste mal für mich, in einer so monströsen Metropole zu sein. Das einzig wichtige, das Visum zu beantragen, habe ich als erstes hinter mich gebracht. Montag kann ich es bereits abholen. Ich versuche die gewonnene Freiheit anzunehmen. Gar nicht so einfach wie gedacht. Aber ich fühle mich auf jeden Fall freier, als wenn ich in einer chinesischen Stadt unterwegs bin. Hier guckt mich niemand an, als ob ich vom Mond kommen würde. Ich kann mich mit Englisch verständigen. Yay! Es ist recht teuer. Ähnliche Preise wie in Deutschland.
Gerade kriege ich so viel neuen Input und habe so wenig ruhige Minuten zwischendurch, dass ich garnicht mit dem Schreiben hinterher komme. Es ist nun nach Zwölf und der erste Tag Hongkong neigt sich dem Ende entgegen. Ich habe eben für May gekocht und wir haben uns lange Unterhalten. Ich finde es spannend Ihre Sichtweisen zum lokalen Leben und zu Mainland China zu hören. Hongkong ist schon sehr anders.
Soeben ist Mays Mitbewohnerin und ihre Freundin nach Hause gekommen. Ich glaube sie mag ich auch. Wir haben uns für morgen Abend zum kochen verabredet. Sie hat mir den Tip gegeben in eine Bruce Lee Ausstellung zu gehen. Das werde ich machen.

Hongkong Tai O Fischerdorf
Hongkong Tai O Fischerdorf

29.10.16
Eine durchaus wichtige Sache, die ich sehr an Hongkong mag, ist, dass ich mich hier unglaublich sicher fühle. Vermutlich so sicher wie an noch keinem anderen Ort bisher zuvor. Alles ist so organisiert. Die Leute sind alle höchst respekt- und rücksichtsvoll.
Den Tag über bin ich wieder durch die Straßen gewandert. Die Mischung aus westlicher und asiatischer Welt gefällt mir. Irgendwie eigenartig, dass dieser Konsumterror mir ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Oder welcher Part dieser Eindrücke ist dafür verantwortlich?
Wenn ich mit dem MTR, der örtlichen U-Bahn, fahre, sind die meisten der Menschen alleine unterwegs, zumindest in der realen Welt. Virtuell sind sie mittels Smartphone wohl mit ihren Freunden vernetzt, spielen und lesen Nachrichten. Kaum einer ist nicht an seinem mobilen Gerät zu Gange. Wenige unterhalten sich. Ist es erstaunlich ruhig. Eine zombieartige Ruhe, die mir nicht befremdlich vorkommt. Ich empfinde es als angenehm von niemandem belästigt zu werden.
Zu Abend haben Ming, Mays Mitbewohnerin und ihre Freundin für mich gekocht. Es gab ein traditionelles Hongkong-Gericht: Reis mit einem spinatähnlichen Gemüse, Bean Curd Creme, Ei-Fleischersatz-Schnittlauch-Omlettdingens, ein weiteres leicht saures Sojading und eine Tomaten-Tofu-Suppe. Alles hat sehr gut geschmeckt, aber auf eine Art, auf die ich niemals selber kommen könnte es zuzubereiten. Weiterhin fühle ich mich sehr wohl hier. Ich konnte heute auch noch etwas mehr entspannen als gestern. Vielleicht auch, weil ich das Gefühl habe, dass die Mädels sich jetzt anscheinend wohl damit fühlen mich zu beherbergen. Ich bin ihr erster Couchsurfer.
Immer öfter schaffe ich es mich in alltäglichen Situationen, in den ich nicht sonderlich entspannt bin, mich zu besinnen und mir dem Sein bewusst zu werden.
Heute ist etwas anders als zuvor.

Hongkong kleine Gassen
Hongkong kleine Gassen

30.10.16
Als ich aufwache sind zwei neue Gesichter in der Wohnung. Sie scheinen nicht besonders überrascht von meiner Anwesenheit. Einige Minuten später kommen weitere fünf junge Menschen an. Auch sie widmen mir keinerlei Aufmerksamkeit. Es scheint so etwas wie Nachhilfeunterricht zu geben. Wenn ich das bisher richtig mitgekriegt habe, teilen sich mindestens sechs Leute das Apartment für unterschiedliche Zwecke, sodass es zu allen Zeiten ausgelastet ist. Wohnraum ist so teuer, dass er effektiv genutzt werden muss.
Heute ist der erste Tag seit zwei Monaten, an dem ich so etwas wie Frühstück zu mir nehme. Mal schauen was es mit mir macht.
Der Tag ist vorbei und ich fühle ich sehr veranstrengt. Vor allem die letzten Stunden haben mich geschlaucht. Tagsüber habe ich eine Fahrradtour mit May unternommen. Es war sehr schön. Das letzte mal auf einem Rad zu sitzen ist für mich nun schon ein halbes Jahr her. Wir haben uns Räder ausgeliehen, so wie das wohl die meisten Hongkonger machen. Hier fährt fast niemand Fahrrad. Die Stadt ist nicht dafür ausgelegt. Wenn man Fahrrad fährt, dann hauptsächlich auf Fahrradrouten. Links vor rechts. Auch beim Fahrradfahren ist das eine Umstellung.
Abends sind wir dann zum Essen zu Mays Eltern gefahren. Es war wieder etwas, auf das ich so nicht gekommen wäre. Diesmal fand ich es aber nicht besonders spannend oder lecker. Kaum gewürzt und irgendwie hat es etwas fad geschmeckt. Die Suppe war ganz gut. Dennoch habe ich mich gefreut, dass sie für mich vegetarisch gekocht haben und mich so willkommen geheißen haben. Mit gebrochenen Englischfähigkeiten und der Übersetzungshilfe von May, haben sie mich einiges gefragt. Sie haben nicht alle Tage die Gelegenheit mit Ausländern zu reden. Irgendwie habe ich mich aber die ganze Zeit nicht ganz frei gefühlt. Ich meinte irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen und wurde in mir bekannte Situationen zurückversetzt, mich einiges an Energie kosten. Es lief auch etwas Fernsehen. Teilweise gibt es englischsprachige Sender, die die gleichen Shows wie in Deutschland, USA, etc. bringen. Ich war froh, dann irgendwann zu gehen.
Erneut überkam mich wieder ein Gefühl von: dass ich nicht Reisen muss. Alles wichtige kann ich auch in Deutschland erleben.
Be with yourself.

Hongkong Kowloon
Hongkong Kowloon

31.10.16
Das mit dem Visum hat geklappt. 60 Tage darf ich nun nach Thailand. Und vermutlich noch mal um 30 Tage verlängern. Nach dem Abholen fahre ich nach Tai O, ein Fischerdorf im Südwesten Hongkongs. Der Weg ist recht weit, der Bus fährt durchs Grüne. Es ist Montag, alle arbeiten und kaum Touristen sind unterwegs. Das macht den Ausflug angenehm. Das Dorf ist klein, gemütlich und recht arm. Ich mache eine Bootstour. Etwas von der Küste entfernt, bleiben wir im Wasser stehen. Dann fahren wir etwas hin und her. Nun verstehe ich, wir hoffen Delphine zu sehen. Ein Raunen geht durchs Boot. Jemand hat einen Delphin gesichtet. In der Ferne springt einer zwei mal kurz aus dem Wasser. Bis die Augen sich auf den Ort ausgerichtet haben, ist er auch schon wieder weg und ich Starre erneut ins vermüllte Wasser. Mission erledigt – Delphine beobachten. Wir drehen wieder um.
Es ist später Nachmittag und noch vor der Feierabend-Rushhour gehe ich Zutaten fürs Backen und Kochen einkaufen. Ich habe heute Schlüssel für die Wohnung gekriegt und kann mich in aller Ruhe in der Küche austoben. Darauf freue ich mir.
Und so tue ich.
Müdigkeit überkommt mich und ich habe das Gefühl in unbewusste Verhaltensmuster zu verfallen. Bald wird es außergewöhnlich bewusste Dunkelheit geben.

Hongkong Strsße bei Nacht
Hongkong Strsße bei Nacht

01.11.16
Der November beginnt mit meinem vorletzten Tag in Hongkong. Vielleicht nie wieder werde ich hierher zurück kommen. Heute Nacht gegen vier Uhr kamen zwei Mädels nach Hause. Die eine, die hier mit im Wohnzimmer schläft, diejenige, die nicht wirklich kommuniziert und eine Freundin von ihr.
Dieser Tag wird zu einer Wanderung zum Viktoria Gipfel. Mittlerweile fühle ich mich schon routiniert mit der U-Bahn. Die wichtigsten Haltestellen kenne ich bereits und muss schon deutlich weniger auf die Ausschilderungen schauen. Auf dem zum Berg komme ich mit einer Französin ins Gespräch. Mir fällt gerade auf, dass ich garnicht nach ihrem Namen gefragt habe. Wir sind dann eine ganze Weile gemeinsam gelaufen und haben ein wenig Smalltalk betrieben. Sie war nicht sonderlich spektakulär, aber es war okay jemanden zu haben, mit dem ich mich etwas unterhalten kann. Wir haben bestimmt fast zwei Stunden miteinander verbracht. Ab und zu hatte ich das Gefühl etwas in meiner Freiheit eingeschränkt zu sein, bei so Sachen, wie kurz stehen zu bleiben und weiter zu gehen, wann ich es will. Na gut, also habe ich etwas Rücksicht auf einen anderen Menschen genommen. Nachdem wir einmal im Kreis um den Gipfel gelaufen sind, trennten sich unsere Wege. Ich habe mir eine Eiskugel gekauft. Auf einen Schild stand etwas mit umgerechnet ca. zwei Euro pro Kugel. Ich wollte aber unbedingt ein Eis. Die Kugel war sehr klein. Als ich bezahlt habe, haben sie mir umgerechnet SECHS EURO für die berechnet. Das war überraschend. War wohl eine Spezialsorte. Ab und zu passieren dumme Tourifehler.
Wieder gehe ich recht zeitig zurück um zu backen und zu kochen. An diesem Abend sitze ich mit den zwei hier Hauptwohnenden gemeinsam am Esstisch. May und Ming. Ich bin verwirrt. Ist Ming nun ein Mädel oder ein Kerl. Ich bin mir aus verschiednen Gründen sehr unsicher.
Ich habe wohl zu viel Salz verwendet für hongkongische Geschmäcker. So wie die beiden es rüberbringen, fühle ich mich erstaunlich verletzt, kann aber ganz gut mit umgehen. Sie reden ab und zu über bestimmte Menschen nicht so positiv. Vor allem über Chinesen. Aber auch diverse andere Menschengruppierungen müssen dran glauben. Ich versuche mich so wohl wie möglich zu fühlen. Gelingt sogar einigermaßen. Immer dieses ganze Unbewusstsein … ach jetzt infiziert mich Cosmin noch mehr. Er spricht davon sehr oft. Eben habe ich eine Aussage verwendet, die er stetig zu sagen pflegte.

Hongkong Straßenszene
Hongkong Straßenszene

02.11.16
Langer Schlaf ist vorbeugend gut. Davon werde ich die kommenden zwei Nächte vermutlich nicht zu viel kriegen. Ich würde am liebsten einen Tag in der Wohnung verbringen und ein paar Dinge am Rechner erledigen. Ein bisschen Videos bearbeiten. Ming ist allerdings auch zu Hause und seine Freundin ist gerade vorbeigekommen. Ich fühle mich entspannter alleine unterwegs, als mit anderen hier in der Wohnung zu sein. Also werde ich zu meiner letzten Tour in die asiatische Metropole aufbrechen. Mein heutiges Ziel ist eine Ausstellung über Bruce Lee. Ming hat sie mir empfohlen. Das Museum war verhältnismäßig etwas abgelegener und weniger bevölkert. Mehr Ruhe. Eine gute Stunde habe ich in der Ausstellung verbracht. Hauptsächlich Text und Videos. Nun habe ich ein bisschen mehr ein Gefühl bekommen, wie Bruce Lee draufgewesen sein könnte.
Anschließend gehe ich zum Treffpunkt des Abendprogramms. Ich habe noch drei Stunden Zeit, bis May, Ming und Alex ankommen werden. Das Viertel ist einenr der Hotspots in Hongkong. Direkt am Wasser verbringe ich den Großteil der Zeit mit Filmen und Fotografieren der Skypline.
Nur einen Satz später und 180 Minuten meiner Geschichte sind vergangen. Wir gehen zu viert in die Chung King Mansions. Unser Plan ist etwas essen zu gehen. Ich werde vorher grob informiert, was es mit dem Gebäude auf sich hat, allerdings nicht darüber was gleich passieren soll. Eine Gruppe mittelöstlicher Typen kommt auf uns zugerannt, alle mit Flyern in der Hand. Ming sagt, ich solle einen auswählen. Erst nachdem ich alle Flyer in die Hand gedrückt bekommen habe, verstehe ich, dass ich auswählen muss, wo wir essen gehen werden. Alle Flyerverteiler reden irgendetwas auf mich ein, ich muss sie ausblenden um mit der Situation irgendwie klar zu kommen. Ich wähle zufällig einen Flyer aus und strecke meinen Arm schnell hoch in die Luft, als ob ich eine rote Karte ziehe. Es hat funktioniert, ein raunen geht durch die Masse und das auf mich einreden legt sich. Wir folgen einem indischaussehendem Mann, der uns nach wenigen Metern an den nächsten weiterleitet. Dieser bringt uns zu einem Fahrstuhl und sagt, wir sollen in den dritten Stock fahren. Das war die wohl bisher au0ergewöhnlichste Restaurantauswahl meines Lebens.
Nach dem Essen sind wir noch durch die Straßen gelaufen und haben verschiedenstes Streetfood probiert. Außerdem waren wir noch in einer Spielautomatenhalle.
Meine letzten Sätze strotzen gerade zu vor kreativem Schreiben. Gerade habe ich mit Ming noch viel zu lange geredet, dafür dass es schon 3:20 ist. Mein Kopf muss jetzt ausschalten. In drei Stunden klingelt mein Wecker.

Hongkong Skyline und Meer
Hongkong Skyline und Meer

03.11.16
Bye bye Hongkong. Ich verlasse die Stadt mit dem Gefühl sehr viel in dieser Woche über sie und ihre Menschen erfahren zu haben. Großteils geht der Dank hierbei an meine Couchsurfhosts. Dadurch konnte ich direkt Kontakt mit Einheimischen knüpfen und erfahren, wie sie so drauf sind und denken. Natürlich ist auch das nur ein Ausschnitt einer möglichen Lebensweise. Dennoch fühle ich mich, als ob ich in den letzten sieben Tagen mehr über Hongkong, als in den davorigen sechs Monaten über China mitgekriegt habe. In China habe ich mich kein einziges mal lange mit einem Einheimischen über die Kultur, Politik etc. unterhalten. Etwas schade vielleicht.
Gerade sitze ich schon in Bangkok im Bus, warte auf meine Abfahrt zum Reisebüro, indem ich mein Zugtickticket nach Koh Pangnan abholen kann. Vor mir sitzt ein älteres deutsches Parr, die sich gegenseitig anmurren und schlechte stimmung verbreiten wollen. Das lasse ich nicht zu! Komische Menschen, die sich direkt nach der Ankunft in einem neuen Land über Dinge aufregen. Von oben sieht Bangkok sehr hässlich und langweilig aus. Zumindest das, was ich vom nördlichen Teil sehen konnte. Alles ist in Rechtecke aufgeteilt. Straßen, Wohnblocks, Felder. Die Natur wurde unterdrückt. Ich hatte heute bisher noch keine Lust zu filmen. Im vergleich zu Hongkong wirkt Bangkok direkt deutlich ärmer. Schon der Flughafen ist viel dreckiger. Die kurzen ersten Kontakte mit Menschen waren, bis auf den Immigrationspolizisten (Ich habe das Gefühl, diese Menschen werden darauf geschult böse zu gucken und unfreundlich zu sein.), waren sehr positiv. Eine Frau fragt mich wo ich hin möchte. Sie ist von einem Taxistand im Flughafen. Ich erkläre es ihr und sie meint, dass ein Taxi bei ihrem Stand zu teuer ist. Ich solle bessser eins draußen nehmen. Für nun ca. 4 € ist es doch der Bus geworden. Ich denke, es ist eine gut Entscheidung keine Zeit in Bangkok zu verbringen. Hongkong ist erst mal genug Großstadt für die nächste Zeit.
Ich bekomme den Schlafentzug zu spüren. Die Luft auf dem Bahnsteig ist stickig heiß. Ich fühle mich etwas im Zombiemodus.
Nun liege ich im Zug. Der Vorhang macht es fast gemütlich, auch wenn ich etwas zu groß für das Bett bin. Mein erster Schlafzug. Hier ist alles gefühlt noch ärmer als in China. Vor der Abfahrt wurden noch abenteuerliche Reparaturen am Zug vollzogen. Immer noch sind die Leute sehr hilfreich und freundlich. Es sprechen auch viel mehr Menschen Englisch als in China. Es sind unglaublich viele Touristen hier unterwegs.
Gefühlte drei Stunden Schlaf später, ist es gerade mal neun Uhr. Noch neun Stunden Fahrt. Es ist holperig,laut wohlig. So viel Privatsphäre hatte ich die letzte Woche nicht gehabt. Erfreut stelle ich fest, dass es hier funktionierendes WLAN gibt. Das hat nicht mal Hongkong hingekriegt. Erstaunlich.
Eine gute Weile später werde ich wieder gezwungen offline zu sein. War auch zu schön. Ich kann immer nur kurze Stücke schlafen. Die Neonröhren werden anscheinend die ganze Nacht nicht ausgeschaltet.
Manche Erfahrungen werden nicht von mir dokumentiert. Teilweise sind es sogar besonders tolle Momente. Momente die ich für die Momente heilig erachte und in ihrer Pracht sowieso nicht festgehalten werden können. Die kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen, Situationen die nicht in Videos zu sehen sind un in Texten zu lesen. Erfahrungen, die jeder selbst erleben muss und eine Reise für jeden selbst ein individuell heiliges Erlebnis ist.
In meiner letzten Hongkongnacht hatte ich noch diese ausführliche Unterhaltung mit Ming. Er hat mich gefragt, dass wenn er mehr über Deutschland erfahren möchte ohne es zu bereisen, wie er an gut authentische Informationen kommt. Der Clue daran: die Sprache. Infos über ein Land werden hauptsächlich von Leuten des Landes publiziert und damit in der jeweiligen Landessprache. Wenn die Nachrichten in einer anderen Sprache existieren sollen, werden sie meist aus der Sicht des jeweiligen anderen Landes produziert, wodurch eine teilweise sehr verschobene Wahrnehmung geschildert wird. Es wäre eventuell bereichernd, wenn mehr Blogger in English schreiben um auch anderen Kulturen einen authentischen Einblick in fremdes Leben zu gewähren.
So langsam ist es mir genug Zug. Die Klimaanlage kühlt etwas zu gut. Vielleicht noch drei Stunden Fahrt. Mal schauen wie pünktlich wir sein werden. Außerdem bin ich gespannt, wie ich erfahren werde, wann ich aussteigen muss. Bisher gab es noch keine durchsagen.
Ich bin mitten im Touristenzentrum. Angekommen am Bahnhof werde ich direkt zu einem Bistro geführt wo ich auf den Bus warte. Ich trinke meine erste Kokosnuss. Vermutlich eine teure. Die Kokosnüsse hier sind anders, als die, die man in Deutschland kaufen kann. Sie sind grün, haben mehr Wasse. Das Fleisch ist weniger und weicher. Man kann es löffeln. Von denen werde ich die kommenden Monate bestimmt noch einiges verzehren.
Der Verkehr hier ist deutlich sicherer als in China. Die Leute machen keine verrückten Manöver und gehupt wird nur, wenn es wirklich nötig ist. Noch ein Tag bin ich Teil dieser sich komisch anfühlenden Touristenmasse, werde ich Teil von mir und dem Universum. Ja, das bin ich auch jetzt schon.
Auf der Fähre gibt es wieder mir vertraut erscheinende chinesische Schriftzeichen. Lesen kann ich sie immer noch nicht. Das Wetter ist schlecht. Ich dachte die Regenzeit sei schon vorbei. Schlechtes heißt aber immerhin sommerliche Temperaturen. Je weiter wir aufs Meer hinaus kommen, desto schlechter wird die Sicht, desto stärker wird der Regen.
Ich wandere durch die gemütlichen Straßen. Die Insel gibt mir ein gutes Gefühl. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Dunkelheit
Wow, morgen werde ich das wirklich machen. Die letzte Woche war so unmeditativ, wie lange keine mehr. Ich bin noch total im Neusein mit Thailand und allem. Aber hey, sobald ich da drin bin, wird sich alles wieder ändern und ich werde zwangsläufig ruhiger werden.

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