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Schlagwort: Training

Besuch aus Deutschland

Schon wieder ein paar Wochen her, dass ich das letzte mal hier etwas von mir hören lassen habe. Es wird wohl unregelmäßig bleiben. Bleibt gespannt.
Die Bilder in diesem Post stammen von Yi und Tobi, danke euch dafür!

15.08.16
Im Morgengrauen mussten wir heute miterleben wie ein paar Kinder von einer Schule nebenan für irgendetwas bestraft wurden. Erst gab es sehr harte Schläge mit einem Stab auf den Hintern. Fünf Stück pro Kind. Schon nach dem ersten Schlag weinten zwei von ihnen. Anschließend mussten sie mit Füßen erhöht, Liegestützposition halten. Bestimmt 30 Minuten lang. Ich schaffe vielleicht eine Minute. Immer wenn sie zu viel geweint haben, sich beschwerten oder ihre Haltung zu schlecht wurde, gab es weitere Schläge.
Es ist Putztag. Statt Training putzen alle ihren Zimmer. Danach werden noch die Matten mit denen wir trainieren gesäubert. Ich muss noch mal temporär aus meinem Zimmer. Vermutlich für fünf Tage. Ich bin wieder in dem Raum, in den ich schon mal ausweichen musste. Er riecht nicht gut. Im Bad tropft das Wasser und hinter den Tapeten schimmelt es. Ich lasse einfach immer Fenster und Tür auf und den Ventilator laufen. Die paar Tage überlebe ich es wohl.
Ich hatte nun eine Woche Stretchingpause. Sie bewirkte Wunder. Anscheinend ist nicht nur das Fasten besonders wohltuend für die Flexibilität, sondern auch das Ruhen. Abends gab’s mal wieder Geburtstagsfeier und -torte. Heute ist Monkey Alex der Befeierte.

Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi
Mais in Hülle und Fülle © Yi & Tobi

16.08.16
Gefühlt mindestens ein mal pro Woche fällt der Strom aus. Manch mal nur kurz, manch mal ein paar Stunden. Ich frage mich ob es sich lohnt so schlechte Stromleitungen zu verlegen und immer wieder einen Elektriker Hand anlegen zu lassen.
Ich bin wieder zuckersüchtig. Zum Glück war ich immer noch kein Geld holen und kann mir kein Eis kaufen.
Nach dem Powerstretching tut mir heute wieder meine Hüfte besonders weh. Ich spüre sie bei jeder Bewegung.

17.08.16
Heute ist der Tag des Geistes. Sowas wie für uns vielleicht Freitag der 13. ist. Deshalb gibt es zum Frühstück keine Pancakes, wie sonst jeden Tag. Die bringen angeblich Unglück. Mal schauen was der Tag mit sich bringt.
Das Unglücklichste was mir heute passiert ist, ist, dass mir eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen ist. Tag fast überstanden. Zähne putzen und ins Bett.

Alter Mann © Yi & Tobi
Alter Mann © Yi & Tobi

18.08.16
Zum Frühstück Stand ich beim Essen an als ich sehe, dass mein Honig nicht am erwarteten Platz ist. Seit gestern ist eine neue Gruppe von neun Amerikanern hier. Ich stelle kurz mein Geschirr ab um ihnen zu erklären, dass die Saucen und Co. Von Schülern gekauft sind und sie sie bitte nicht einfach nehmen sollen ohne zu fragen. Währenddessen sehe ich gerade noch wie meine Chilisauce um einen riesigen Klecks reduziert wird. Die eine entschuldigt sich und meint sie werden dann eigenes kaufen. Ich drehe mich um und will mein Geschirr, das ich vor 10 Sekunden abgestellt habe wieder nehmen und es ist weg. Auch das muss anscheinend geklärt werden. Das Unangenehmste daran finde ich die eigenartige Selbstverständlichkeit, mit der manche Menschen handeln. Dass sie nicht auf die Idee kommen zu fragen, bevor sie sich etwas nehmen. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein Problem.
Heute ist schon eher der Tag des Geistes für mich. Erst die obige Geschichte, dann ist mir wieder eine Rolle Klopapier in eine Pfütze gefallen. (in dem Bad, das zu meinem momentanen Zimmer gehört, ist immer eine Pfütze) Diesmal war der Schaden am Klopapier größer. Dann beim Powertraining wollte Josh sowohl mich als auch Peter gleichzeitig tragen. Nach drei Metern sind wir alle auf mich gefallen. Jetzt brennt meine aufgeschürfte Haut am Rücken und meine Hose wurde zerstört. Die kleinen Schäden zwischendurch.

19.08.16
Als ich auf dem Gipfel des Dharmabergs angekommen bin, fängt der Regen langsam an stärker zu werden. Nach nur kurzer Zeit auf dem Rückweg, bin ich bis auf die Haut durchnässt. Der hier bisher vielleicht stärkste Regen. Lange ist es her, dass ich durch so einen angenehmen Sommerregen gelaufen bin. Wieder angekommen plantsche ich noch ein wenig und springe dann unter die Dusche. Der Strom mag den Regen anscheinend nicht. Das Abendessen findet im Dunkeln statt.
Manchmal fällt mir auf, dass ich Wortfindungsschwierigkeiten habe. Ich glaube das ständige Wechseln zwischen Deutsch, Englisch und Chinesisch überfordert mein Gehirn immer mal wieder.

Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi
Shaolin Tempel Statuen © Yi & Tobi

20.08.16
Ich habe eine erfreuliche Mail erhalten. Für Thailand habe ich nun vermutlich einen Ort an dem ich wohnen und in der Natur arbeiten kann. Ein abgelegener Ort,an dem es kein Strom und kein fließend Wasser gibt. Ich freue mir.

21.08.16
Den Morgen verfolgen einige von uns gemeinsam gespannt den UFC Livestream. Connor McGregor vs. Nate Diaz #2. Spannende Kämpfe. Vor allem der letzte und entscheidende Kampf.

23.08.16
Drei Tage nichts ins Tagebuch geschrieben. Der Alltag geht ohne besondere Vorkommnisse weiter. Die letzten Tage denke ich daran, gerne eine Woche Pause zu haben, um meinem Körper mal wider ein wenig Regenerationszeit zu geben. Ich Plane gerade ein wenig für Thailand.

24.08.16
Nachdem letzten Donnerstag bei meinem kleinen Sturz meine Hose vernichtet wurde, habe ich sie nun geflickt. Erst auf eigene Faust setzte ich die Nadel zu meinem allerersten Nähversuch jemals an. Zum Glück kam irgendwann Peter vorbei und erklärte mir, dass das was ich da mache nicht funktioniere. Da seine Mutter Schneiderin ist, ist er sehr bewandert mit Nadel und Faden. Er zeigte mir wie es besser geht und nun beherrsche ich es auch ein wenig. Hat sogar Spaß gemacht.
Heute Nachmittag habe ich zwei Amerikanerinnen Tai Ji beigebracht. Erneut bereitet mir das lehren Freude. Es ist ein disziplinierter Tag nachdem ich gestern ein sehr beeindruckendes Video gesehen habe. Statt dem Ersten Training meditiere ich nun seit letzter Woche stattdessen ca. eine Stunde. Das ist gut.

25.08.16
Dank Regen ist heute Powertraining ausgefallen. Stattdessen saßen wir im Meditationsraum und Großmeister Mönch, ich weiß seinen Namen immer noch nicht, hat uns eine kurze Zusammenfassung von Buddhas Leben erzählt. Anschließend durften wir ihm alle möglichen Fragen stellen. Ich hatte mal wieder keine Frage. Für mich wurde es zu einer zweistündigen Meditation unter nicht so einfachem Umfeld. Meine Aufgabe bestand darin Verständnis und Mitgefühl für all die Fragen aufzubringen. Das war auch gut.
Bento verlässt heute die Schule. Zum Anlass gab es mal wieder einen Kuchen zum Abendessen. Alle Kuchen bisher schmeckten gleich. Sie bestehen aus einfachem luftigem, sich billig anfühlendem Teig und ganz viel Sahne, verziert mit ein paar Früchten.

26.08.16
Die nun vergangene Woche habe ich jeden Morgen sehr lange meditiert. Immer wieder vergesse ich wieviel Nutzen es mir bringt. Mein Training wird besser, ich fühle mich lebendiger und klarer, alles fällt mir leichter.
Ich habe gestern und heute viel bezgl. Des Thailand Visum recherchiert. Ich hoffe das alles klappt, so wie ich es mir vorstelle. Nicht so leicht fundierte Informationen dazu im Internet zu finden.

Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi
Frühstück in der Kung Fu Schule © Yi & Tobi

27.08.16
Ein entspannter Wochenendtag. Heute habe ich viel Chinesisch gelernt. Außerdem möchte ich anfangen Thai zu lernen. Ich hoffe mein Gehirn wird mit vier Sprachen gleichzeitig irgendwie zurecht kommen. Auch hierbei ist die Meditation wieder sehr hilfreich.

28.08.16
Ich verbringe einige Zeit mit Recherche und Organisation meiner kommenden Pläne. Ende September werde ich eine Woche mit Christian nach Peking fahren. Mit ihm verstehe ich mich gerade sehr gut. Ich freue mich auf die kurze Inlandsreise. Zwei Wochen davor, werden wir vermutlich auf einen besonders tollen Berg hier in der Nähe fahren. Ich weiß den Namen gerade nicht.

29.08.16
Liebes Tagebuch, gerade vernachlässige ich dich mal wieder. Manchmal trage ich Tage nach, weil ich keine Muse habe etwas in dich reinzuschreiben. Auch das vergangene Wochenende habe ich es nicht geschafft dich im Internet zu veröffentlichen.

30.08.16
Heute sind Yi und Tobias angekommen. Sie werden knapp drei Tage zu Besuch hier sein. Ich habe die beiden letztes Jahr bei einer Aufnahmeprüfung für ein Animationsstudium in Ludwigsburg kennengelernt. Seit dem hatten wir keinen Kontakt mehr, bis mich vor ein paar Wochen Yi auf Facebook angeschrieben hat. Das war eine große Überraschung. Manchmal werden wohl doch Kontakt wieder aufgenommen, an die man nicht gedacht hätte.
Es war die ersten Momente leicht eigenartig, dass sie hier sind, dann war es für mich aber sehr schnell sehr angenehm. Da es für mich hier gefühlt mein Zuhause ist, fühle ich mich für sie verantwortlich. Ich bin ja auch quasi der Gastgeber. Mit dieser Situation komme ich auch immer besser klar. Es ist zwar ein leichter Stress für mich, aber ich übe mich darin. Wir haben einen sehr schönen Tag verbracht. Wir waren ein wenig spazieren und auf dem Dharmaberg, ich habe Tobias die erste Shaolinform beigebracht, während Yi uns dokumentierte. Und Abends haben wir noch einen sommerlichen Nachtspaziergang gemacht, bei dem wir am Ende noch auf eine Kung Fu Vorführung einer anderen Schule hier im Dorf gestoßen sind. Es ist doch immer wieder spannend diese beeindruckenden Kinder performen zu sehen. Jetzt bin ich ein wenig erschöpft. Auch Kommunikation kostet mich Energie.

Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi
Tobi und Ich beim Training © Yi & Tobi

31.08.16
Der zweite Besuchstag ist vorbei. Heute haben wir weiter zusammen Kung Fu trainiert. Nun hatte auch Yi die Lust gepackt und sie hat mitgemacht. In nur einem guten Tag habe ich den beiden die erste Shaolin Form WuBuQuan beigebracht. Manch andere brauchen deutlich länger die Form zu lernen. Es war Gradingtag. So wie Ende jeden Monats. Alle haben ihre gelernten Formen präsentiert. Auch Yi und Tobi haben WuBuQuan performt. Ich fand es super, dass sie sich getraut haben. Ich glaube sie hatten viel Spaß beim Lernen und Demonstrieren.
Ich merke, dass ich mich manchmal ein wenig sozial unfähig fühle. Fast einen ganzen Tag lang das Gefühl zu haben verantwortlich für jemanden zu sein schlaucht mich. Das habe ich glaube ich gestern schon geschrieben. Naja, scheint wohl so zu sein. Ich habe gerne meine Freiheit und das ich hauptsächlich nur auf mich achten muss.
Mein Kopf ist überladen. Ich merke meinen Rücken sehr. Fühle mich verspannt. Ich freue mich aufs Wochenende.

01.09.16
Statt Morgentraining gehen wir zu dritt in den Shaolin Tempel. Yi und Tobi haben dort gestern ein paar Mönche kennengelernt, denen sie versprochen haben sie heute zu zeichnen. Eine gute Gelegenheit auch mal wieder einen Stift in die Hand zu nehmen und meine eingerosteten Zeichenfähigkeiten aufzufrischen. Die beiden haben’s ganz schön drauf. Ich bin sehr angetan von ihren Künsten. Ich versuche mich davon nicht demotivieren zu lassen, sehe neben ihnen aber ganz schön unfähig aus. Auch einer der Mönche hat mich gezeichnet. In nur drei Minuten hat er eine sehr coole Skizze von mir gemacht.
Gerade sind die beiden weggefahren. Wir sind noch unser letztes Eis essend zusammen zur Bushaltestelle gelaufen. Als sie dann außer Sichtweite waren fühlte ich mich auf ein mal sehr traurig. Nicht mal als ich von Deutschland abgeflogen bin habe ich mich so traurig gefühlt. Zwei Menschen die ich kaum kenne besuchen mich hier. Das rührt mich. Die beiden waren so lieb und ich habe mich von ihnen so unglaublich bedingungslos akzeptiert gefühlt. Ich glaube damit konnte ich nicht ganz umgehen. Sie haben manch Qualitäten die ich für mich noch nicht so zulassen kann, wie ich es mir wünsche. Danke Yi und Tobi für den tollen Besuch.
Hier gibt es noch zwei links zu deren Websites:
Yinfinity
Tobias Pinegger

Seit nun mehr als drei Stunden brennt mal wieder Müll im Dorf ab. Ich krieg den Geruch nicht mehr aus der Nase. Es macht mich ein wenig schummerig. Vielleicht es auch nur Einbildung.

04.09.16
Ich habe mich spontan dazu entschieden noch ein mal sieben Tage nichts zu essen. Ich habe wieder das Bedürfnis danach.

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Wettkampf ohne Wettkampf

07.08.16
Von der Welt fühle ich mich hier manchmal abgeschnitten. Wenig kriege ich von Europa mit. Ab und zu zeigt mir Facebook wieder wichtige Ereignisse auf und erinnert mich daran, doch mal in die deutschen Nachrichten zu schauen. Da wird mir dann etwas bang, was in letzter Zeit alles passiert. Ist das immer so mit Nachrichten, dass man sich nach Informationsbeschaffung tendenziell schlechter fühlt?

08.08.16
Mein Rechner macht immer öfter komische Sachen. Mal schauen ob er noch lange durchhält. Gestern beim Skypen ist mir aufgefallen, dass meine Webcam seit der Reparatur anscheinend nicht mehr funktioniert.
Morgen ist ein Kung Fu Wettkampf. Heute wurde ich noch gefragt ob ich nicht doch mitmachen möchte. Okay, also werde ich wohl Tai Ji und Wing Chun performen. Wir werden eine Gruppe von ca. 15 Leuten sein, die hinfährt. Manche werden nur Zuschauer sein. Ich hatte mich erst nicht freiwillig gemeldet, dass ich mit will, da ich das Gefühl hatte nicht gut genug zu sein. Aber Chinesen freuen sich so sehr über Ausländer, dass es wohl fast egal sein wird, wie gut wir sind.

09.08.16
heute gibt es ein wenig Vorbereitungstraining für morgen. Wie wir auf die Bühne laufen etc. Nachtmittags fahren wir dann los.

Chenglish Chinesische Übersetzung Schild
Chenglish

10.08.16
Zurück von unserer kleinen Reise. Ich bin etwas geschlaucht. Neue Eindrücke sind anstrengend. Es war schön weitere Dinge von China zu erfahren. Das anstrengendste am Reisen kann das Autofahren sein. Auf der Hinfahrt bin ich erst auf dem Trittbrett die ersten paar Meter gefahren. Dann wurde festgestellt, dass wir nur 12 Sitze für 14 Personen in den zwei gemieteten Bussen für unsere Fahrt zum Kung Fu Wettkampf haben. Also habe ich mich in den Kofferraum verfrachtet. Da gab’s zumindest Beinfreiheit, allerdings keine Schulterfreiheit.
Angekommen in Changyuan ist die Luft sehr versmogt. Die Stadt ist erwartungsgemäß hässlich. Es ist angeblich eine sehr reiche Stadt. Im Gegensatz zu Dengfeng gibt es hier sehr viele Hochhäuser. Alle sehen gleich grau aus. Das Hotel in dem wir unterkommen hat westliche Standards. Ein leicht heruntergekommenes, aber qualitativ recht hochwertiges Hotel. Angeblich das wohl beste in der Stadt. Das Abendessen ist überzeugend. Mein erstes wirklich chinesisches Essen. An einem riesigen runden Tisch mit drehbarer Glasplatte in der Mitte. Alle Speisen werden dort serviert und jeder nimmt sich wovon er möchte. Das Konzept gefällt mir sehr. Es gibt viele Leckereien. Leider ist aber auch das meiste mit Fleisch. Also beschränkt sich meine Auswahl etwas. Nach dem Abendessen gehen die meisten noch eine Runde um den Block drehen. Ich bleibe im Hotel und gehe lieber früh schlafen. Ich möchte fit sein und bin von letzter Nach noch müde.
Neuer Tag beginnt mit okayem Frühstück. Anschließend fahren wir durch die Stadt zur Kung Fu Show / Turnier. (Wieder im Kofferraum.) Wir sind mal wieder die Stars. Alle wollen Fotos mit uns machen. Alle starren uns an. Viele haben noch nie Ausländer gesehen. Wir betreten die recht große Hallo. Hunderte von Kindern und auch einige Erwachsene stehen aufgereiht auf dem Parkett. Wir bilden eine dieser Reihen. Dann beginnt die Show mit ein paar Reden. Anschließend werden wir zur Seite verwiesen und einige sehenswürdige Perfomances werden dargeboten. Wir wärmen uns für unseren kommenden Auftritt ein wenig auf und schauen dem Spektakel zu. Dann eine Planänderung. Wir fahren zurück zum Hotel, wir werden wohl erst Nachmittags unser Können vorführen. Also die leichte Aufgeregtheit für später aufheben. Aus irgendeinem Grund bleiben wir nicht um uns die anderen anzuschauen.
Bis zum Mittagessen vertreiben wir uns die Zeit mit einkaufen und im Hotelzimmer gammeln. Chinesisches Fernsehen ist auch nicht groß anders als in Deutschland. Das Mittagessen ist wieder aufwendig wie das Abendessen. Ein Festmahl. Zu viel für uns. Eine Reste bleiben übrig. Wir sollen startklar im Hotelzimmer warten, bis wir gesagt bekommen, dass es losgeht. Unser Mittagsschlaf wird unterbrochen. Wir treffen uns in Andis Zimmer zu einem Meeting. Wieder mal Neuigkeiten für uns. Wir dürfen nicht am Wettkampf teilnehmen. Die Polizei, die lokale Regierung oder so, hat etwas dagegen, dass Ausländer hier Kung Fu performen. Der vorgeschobenen Grund ist, dass sie Angst um unsere Sicherheit haben, dass die Chinesen irgendwie komisch mit uns interagieren könnten. Was auch immer. Der eigentliche Grund ist bestimmt ein anderer. Wer weiß. Ein wenig schade. Es wäre spannend gewesen vor einem so riesigen Publikum etwas vorzuführen. Wir hätten ein wenig über unseren eigenen Schatten springen müssen. Als Trost fahren wir in die Schule von Shifus Shifu. Cosmin hat dort für eine Weile Englisch unterrichtet. Die Schule zu sehen finde ich spannend. Immer in den Besonderen Situationen habe ich keine Kamera einstecken oder ich bin nicht motiviert zu Filmen. Die Kinder wirkten glücklich. Der Shifu scheint auch ein sehr guter Lehrer zu sein. Disziplin gepaart mit Wärme und Herz. Das Gebäude ist ganz schön heruntergekommen. Viel dreckiger als unsere Schule. Dort führen wir nun unserer Formen vor kleinem Publikum vor. Die Stimmung ist sehr entspannt. Anschließend bekommen wir von Shifus Shifu noch etwas MeiHuaQuan beigebracht. Ein schöner Fastabschluss des Tages. Dann doch noch mal zur Kung Fu Show. Wir dürfen zwar nicht teilnehmen, aber Zertifikate dafür, dass wir teilgenommen haben, kriegen wir dennoch. Eigenartig. In der Wartezeit modeln wir fleißig weiter. Auf der Rückfahrt werfen wir Jonathan in Zhengzhou raus. Er muss sein Visum verlängern gehen. Die Gelegenheit nutzen wir zum Abendessen. Zhengzhou bei Nacht in einem kleinem Bistro. Die Kleinigkeiten sind die spannendsten Erfahrungen. Die die am nächsten am Leben alltäglichen dran sind.
Endlich wieder zu Hause. So fühlt es sich hier schon an. Ich habe das Gefühl, all das hier mehr wertzuschätzen, nachdem ich wieder andere Teile Chinas gesehen habe.

Kung Fu Kids Changyuan
Kung Fu Kids Changyuan

11.08.16
Wir bekommen unsere Urkunden von unserem „Auftritt“. Das fühlt sich sehr fake an. Ist es ja auch …
Powertraining war heute softer. Wu Shifu ist momentan nicht da. Er dreht angeblich einen Film, bzw. ist für die Kampfszenen verantwortlich. Ich hoffe er kommt bald wieder.

12.08.16
Heute haben wir wieder den großen Berg bestiegen. Der den ich an Tag drei das erste mal erklommen bin. Heute war es ähnlich anstrengend. Ich bin fitter und es war deutlich heißer. Meine Füße tun angenehm weh.
Heute ist eine Show vorm Tempel. Außerdem wird eine Hochzeit im Dorf gefeiert. Die Show ist enttäuschend. Alles ist fake. Trommelmusik wird von Trommelmenschen performt, die nicht trommeln. Das gleiche mit Gitarren. Dann doch noch echte Livemusik. Ein Soloflötenspieler. Nicht gut. Besser doch Musik vom Band. Im Hintergrund laufen eigenartige billig produzierte Visualisierungen. Nach kurzer Zeit gehen wir zurück ins Dorf ein Bier trinken in einer der lokalen „Kneipen“. Wir werden von der Hochzeitsmusik beschallt. Ich fühle mich wie auf einer schlechten Party in Deutschland. Die Lieder kommen mir großteils bekannt vor. Back Street Boys und Schlagerähnliche Musik. Meist in chinesisch gecovert. Es gibt ein Feuerwerk. Die Feier geht gar nicht so lange wie erwartet.

13.08.16.
Ein Tag großteils vorm PC. Eigenartige Youtube Videos schaue ich mir an. Mein Hirn wirkt leicht verwirrt.

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China, oh China.

Hallo deutschsprachige Welt und Googletranslaterwelt. Für jeden Tag veröffentliche ich mindestens eine Zeile Text. Immer öfter kommt es mir so vor, dass sich Dinge wiederholen und sich Unwichtiges einschleicht. Vielleicht werde ich in kommenden Beiträgen das Format ändern und eine Zusammenfassung für einen Zeitraum schreiben. Wer mag, kann mir dazu gerne Feedback geben.
Hier noch ein mal wie gehabt.

24.07.16
Noch den ganzen Tag scheint mein Verdauungstakt zu kämpfen zu haben. Das einzige worauf ich wirklich Lust habe ist Obst. Das ist gerade das Gute an der Krankheit. Meine Esslust ist fast nicht vorhanden und ich esse fast nur das nötigste. Den Tag verbringe ich wieder größtenteils im Bett. Nachdem ich gestern Hardcore Henry gesehen habe, den ich höchst unterhaltsam fand, schaue ich mir heute Hateful Eight an. Gefällt mir sehr gut.

25.07.16
Heute hat Shifu gemeint, dass die Zeremonie am Freitag anscheinend einigen nicht gefallen hat und er das nächstes Jahr nicht mehr machen wird. Er wollte uns Gutes tun und hat unterschätzt wie unterschiedlich Kulturen in der Hinsicht sein können.

26.07.16
Sommernächte können schlaflos sein. So die letzte und vielleicht auch diese. In der letzten musste ich mehrmals auf’s Klo rennen. Heute sind viele Störgeräusche mit denen mein Geist nicht zurecht kommen mag. Mücken kann ich mittlerweile recht problemlos töten. Ob das gut ist … Kopfhörer und gut Musik lassen mich die Umwelt ausblenden.

WangZhiGou Kung Fu Dorf Shaolin Tempel
WangZhiGou Kung Fu Dorf

27.07.16
Heute habe ich wieder keine Lust auf Sparring und übe stattdessen Formen. Ich bringe Mohammed, einem neuen Schüler aus dem Oman, ein wenig Tai Ji bei. Ich stelle wieder fest, dass mir Leuten etwas beibringen viel Spaß macht. Es sind wieder zwei neue Schüler angekommen. Einer davon wird ein Jahr hier bleiben. Davon gibt es immer nur sehr wenige. Er ist erst 17. Das finde ich leicht beeindruckend.

28.07.16
Powertrainingtag. Es gab schon schlimmere. Ich hab immer noch am meisten Probleme mit den Liegestützübungen. Ich habe das Gefühl, dass ein langes Fasten mir mit dem dabei helfen kann. Mein Nacken ist immer so verspannt. Weiter machen. Heute ist Peter wiedergekommen, ich mag ihn. Gerade schaue ich die Serie Death Note. Die erste Animeserie die mich fesselt.

29.07.16
Wow, es ist schon wieder eine Woche um. Diesmal ist es nicht nur eine Woche, sondern es sind die ersten drei Monate, die ich nun hier bin. Wenn die Zeit weiterhin so schnell vergeht, ist es schon bald Ende Oktober und ich werde nach Thailand gehen.
Ich habe mal wieder angenehmen Muskelkater. Im unteren Rücken. Das ist super, dort brauche ich dringend mehr Muskulatur.

30.07.16
Manchmal mag ich Menschen. Manchmal mag ich sie nicht. Meistens mag ich sie nicht, wenn sie reden. Wenn sie schweigen, sind sie mir sympathischer. Ich interagiere gerne mit ihnen. Sich gegenseitig anschauen, berühren und gemeinsam bewegen ist spannend. Auch eine gute Unterhaltung mag nicht schaden, doch die sind rar. Deshalb meide ich oft Menschengruppen. Sollte ich das veröffentlichen?

Kung Fu Show Shaolin Tempel
Kung Fu Show

31.07.16
Ich gehe auf die Suche nach Bananenchips in den kleinen Läden hier im Dorf. Im zweiten Laden Suche ich recht lange, kann nichts finden und kaufe dann aus Höflichkeit etwas anderes kleines. Ich gebe der Verkäuferin 5 Kuai und weiß, dass es 4 Kuai kostet. Sie behält das Geld. Nach dem ich sie darauf hinweise, dass es 4 Kuai kostet, meint sie: nein, 5. Solche Situationen fallen mir schwer. Ich mag Leute nicht, die sich so verhalten. Ich werde dort nicht mehr einkaufen. Auch wenn 1 Kuai nicht mal 20 Cent sind. Das gehört sich nicht.
Heute sind wir in einer kleinen Gruppe zu einer Kung Fu Show gegangen. Die Show ging vielleicht 20 Minuten. Keine drei Euro hat es gekostet, das war der Grund warum ich mitgegangen bin. Sehr begeistert war ich nicht. Ich schien das alles schon mal gesehen zu haben. Die Performance war größtenteils gut, aber das gewisse Etwas hat gefehlt. Die Show ist vier mal täglich und dementsprechend begeistert sahen die Performenden auch aus. Als die Show fertig war, wurden wir durch einen Gang der von dutzenden Merchandisingständen gesäumt war, geschleust. Wieder ein mal typisch China.

01.08.16
Ich mag das essen hier langsam nicht mehr so sehr. Nach drei Monaten oft das gleiche, wünsche ich mir mehr Abwechslung und mehr das, worauf ich gerade Lust habe. Immer öfter kommt mir das Essen zu fettig und zu salzig vor.
Heute ist wieder ein guter Tag. Gegen Ende des zweiten Trainings fühle ich mich plötzlich federleicht. Mein ganzer Körper scheint kaum noch etwas zu wiegen. Heute Abend bin ich super motiviert und möchte gerne viel neues lernen. Ein Hoch.
Ich habe mich nun für einen Vipassanakurs im November in Thailand angemeldet. Darauf freue ich mich.

02.08.16
Meine Hüften tun bei vielen Bewegungen weh. Sie müssen sich nun an viel mehr Flexibilität gewöhnen. Ich möchte gerne meine Tai Ji Formen verbessern und besonders niedrige Beinstellungen machen können. Und den hohen Tritt in der Luft halten können. Training, Training. Nachts kann ich im Moment schlecht schlafen. Hitze Geräusche und Moskitos erschweren das Leben. Also schlafe ich nach Frühstück und Mittagessen.

Merchandise Shaolin Tempel
Merchandise Shaolin Tempel

03.08.16
Jetzt ist Libellensaison. Seit gestern schwirren sie in Scharen durch die Luft.

04.08.16
Eigentlich immer scheue ich mich vor dem Powertraining. Wenn es dann aber vorbei ist fühle ich mich stets super. So wie auch gerade. Ich bin wieder hochmotiviert und denke, dass ich nach Thailand direkt wieder hier her gehe und das zweite halbe Jahr zu Ende bringen möchte.
Seit gestern ist eine Zehnergruppe Spanier hier. Zum Glück bleiben sie nur 10 Tage, denn wir sind insgesamt zu viele Schüler. Darunter leidet dann etwas die Qualität des Unterrichts.

05.08.16
Als mein Duschgel sich dem Ende neigt habe ich hier in China neues gekauft. Das hat mir nicht gefallen und habe aufgehört es zu benutzen. Nun habe ich mich seit über einem Monat nur noch mit Wasser gewaschen. Ich fühle mich sauber.

06.08.16
Dengfeng – die Stadt des Kung Fu. Heute ist es auch die Stadt des Geldausgebens. Meine letzten 200 Kuai habe ich heute für ein wenig Wohlfühlen genutzt. Obst und Co. Im Supermarkt, anschließend meine erste Massage hier. Eine Stunde 60 Kuai, ca. 8 €. Kuai ist übrigens umgangssprachlich. Die eigentliche Währung heißt Renminbi bzw. Yuan. Zum Schluss noch eine große Portion Dumplings und mit dem Taxi zurück.
Mein vermeintlicher Kreditkarten PIN Code war doch keiner. Jetzt muss ich mir erst einen besorgen, damit ich Geld abheben kann. Bargeld wechseln war beim letzten mal so umständlich, dass ich es wenn möglich vermeiden möchte.

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neue kleine Erkenntnisse Tag für Tag

13.06.16
Heute Nachmittag war Sandatraining besonders ungut. Die lokale Recyclinganlage hat mal wieder den Müll verbrannt. So schlimm hat es bisher noch nie gerochen. Als ob eine riesige Ladung Autoreifen in Flammen stünde. In jeder möglichen Sekunde habe ich mir das T-Shirt vor die Nase gehalten. Bis auf Alex hat das sonst niemand gemacht. Ich frag mich, wie die das Training überstanden haben. Nach ca. einer Stunde war die Luft wieder klarer. Ich hatte ein komisches Gefühl im Hals und etwas Kopfschmerzen. Vielleicht war es auch zum Teil mein Kopf der einen Widerwillen entwickelt hat bei dem Gestank zu trainieren.
Ich weiß nicht ob mein English hier besser oder schlechter wird. Ich spreche zwar fast ausschließlich English, aber einige sprechen es so schlecht, dass ich manchmal das Gefühl habe mir auch die schlechten Fähigkeiten abzugucken.

14.06.16
An diesem Tag habe ich nichts geschrieben. Ich schreibe einen Tag rückwirkend. Mein Qi ist mal wieder schwächer. Der Tag ist recht entspannt. Alle sind gut drauf. Spannende Zeilen.

15.06.16
Die letzten drei Nächte hab ich sehr unruhig geschlafen. Ständig wache ich auf und drehe mich von Seite zu Seite. Es fühlt sich so an, als ob mein Körper viel regeneriert. Sobald sich ich mich sehr entspanne, fängt alles an sich eigenartig anzufühlen. Muskelzucken, Kribbeln und andere schwer beschreibbare Empfindungen. Ich habe leichte Kopfschmerzen. Eigenartig.
Heute war wieder Sparrinngtag. Ich musste wieder gegen Sam kämpfen. War wieder recht einfach. Und eine Runde gegen Locke. Während des Sparrings kam ein neuer Schüler aus Ungarn an. Peter. Er wird sechs Monate hier bleiben. Er hat schon viel Martial Arts Erfahrung, hat sogar ein paar „Cage Fights“ gemacht. Er hat auch direkt beim Sparring mitgemacht. Er ist wohl der erfahrenste Kämpfer von allen Schülern hier. Beeindruckend. Er hat sogar Shifu zu Boden geworfen.
Es ist wieder ein freudiger Tag mit guter Laune. Ich merke, dass ich immer entspannter werde. Dennoch hab ich eben in sozialen Interaktionen gemerkt, wie sich manchmal leichte Spannung in meinem Körper aufbaut. Vielleicht hilft mir das körperliche Training damit besser umgehen zu lernen und wieder schneller zu entspannen. Jetzt ist schon fast Schlafenszeit. Gerade habe ich mich so fit gefühlt, dass ich Powertraining machen wollte. Die Energie hebe ich mir lieber für morgen auf.

16.06.16
Lebe im Moment. Daran muss ich mich immer wieder erinnern.
An jedem meiner Unterarme befindet sich ein riesiger angeschwollener blauer Fleck vom Sparring gestern. Nach dem einen Jahr werden meine Unterarme stählern sein.
Heute gab’s sowas wie einen Frühjahrsputz für mich. Statt dem morgendlichen Training habe ich die meisten Winkel meines Zimmers gereinigt. Sogar Fenster habe ich geputzt, was ich bei mir zu Hause mehr als ein Jahr lang nicht gemacht habe.
Jetzt kommt vielleicht wieder etwas Spannendes. Während des Powertrainings bin ich mit Alex ins Gespräch gekommen. Es gibt eine Übung, die ich nicht ansatzweise schaffe. Langsame Liegestütze. Das heißt Liegestütz bis runter und unten eine Minute lang halten. Nachdem davor schon einige andere Übungen gemacht wurden. Ich schaffe nicht mal 20 Sekunden. Da Alex der Powermensch ist fragte ich ihn, ob er die Übung schafft. Er meinte es sei kein Problem für ihn. Es sei alles nur eine Kopfsache. Ich bin ja auch stark dafür, dass alles nur eine Kopfsache ist, aber in dem Moment dachte ich mir: Das meiste ist zwar eine Kopfsache, aber es gibt auch physische Grenzen. Er sagte, ich habe wohl einfach den Part meines Gehirns nicht trainiert, der für meine Liegestützmuskeln verantwortlich ist. Da machte es ein kleines Klick in meinem Kopf. Ich habe mittlerweile schon recht viele Liegestütze in meinem Leben gemacht und dafür kann ich sie noch nicht besonders gut. Mein Nacken ist der wohl verspannteste Bereich in meinem Körper und sehr wichtig dafür. In bestimmten sozialen Situationen ist das der Bereich, in dem ich am ehesten Spannung verspüre. Es hat alles ein wenig mehr Sinn ergeben. Dinge, die ich eigentlich schon wusste haben sich neu zusammengesetzt und ein weiteren Beitrag zum Zusammensetzen des Puzzles beigetragen.
Nach dem Powertraining hat mich Peter massiert. Er kann das sehr gut und hat eine fiese Stelle unterhalb meines linken Schulterblatts massiert. Es war sehr Schmerzhaft. Genau die Stelle, die für die ganzen Verspannungen hauptverantwortlich ist. Ich bin gespannt auf weitere Erkenntnisse. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich nichts weiß und noch so unglaublich viel von allen Menschen lernen kann.

17.06.16
Nun scheint es langsam richtig heiß zu werden. Heute Nacht haben anscheinend die meisten schlecht geschlafen. So auch ich. Ich fühle mich nach dem Aufwachen besonders müde.
Die Schule wird immer sozialer. Heute sind schon wieder drei neue Schüler gekommen. Zwei Teenager aus Russland und ein Äthiopier. Hier sind gerade Schüler aus mehr als 10 verschiedenen Nationen. Doch sind alle irgendwie gleich. Den größten Unterschied verspüre ich zu den Einheimischen. Vermutlich aber auch nur wegen mangelhafter Kommunikation. Schon wieder super viel gegessen.
Auf der einen Seite mag ich das sozialere Leben. Auf der anderen Seite habe ich auch das Gefühl mich darin manchmal zu verlieren und Dinge zu tun, die unnötig sind. Auch ein Verlangen nach Bestätigung. Die Balance finden.

18.06.16
Heute ist außer Sonnenbaden und Fargo schauen nicht viel passiert. Schon wieder ist ein neuer Schüler angekommen. Wir nähern uns langsam der 30 Schüler.

19.06.16
Gestern Mittag war mein letztes Essen. Heute Mittag hab ich im Hof ein wenig chinesisches Schach mit Anja gespielt und dabei erfahren, dass wohl die meisten diese Woche ihr Bi Gu Fasten starten. Also doch auch ich wohl früher als erwartet. Heute Abend werde ich eine Kleinigkeit essen. Morgen dann auch noch mal ein wenig essen und Shifu darum bitten mir den Rest der Tai Chi 24 Form beizubringen, damit ich es während des Fastens üben kann. Ich werde also vermutlich morgen den letzten Tag meinen Computer und damit mein digitales Tagebuch zur Verfügung haben. Irgendwie ist das gerade alles so plötzlich. Aber na gut, ich freu mich aufs Fasten. Mindestens 10 Tage möchte ich es machen. Der nächste Blogbeirtag wird voraussichtlich in zwei Wochen erscheinen.

20.06.16
Gerade habe ich Shifu gesagt, dass ich gerne ab morgen zehn Tage fasten möchte. Hier wird es Bi Gu genannt. Er meinte, dass zehn Tage zu viel seien, ich solle drei Tage machen. Da ich es schon einmal vier Tage gemacht habe, konnte ich ihn davon überzeugen wenigstens für sieben Tage die Erlaubnis zu kriegen. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten dann noch mal länger Fasten.

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Es wird weiblicher

Diese Woche gibt es nur einfachen Text. Nicht mal ein Foto ist dabei. Na hoffentlich wird mein nächster Post dafür besonders spektakulär.

05.05.16
Mein erstes Essen gab es heute zu Abend. Das Kurzzeitfasten war einfach und tat ganz gut. Dafür habe ich dann aber direkt wieder ein wenig zu viel zu Abend gegessen.
Das Leitungswasser ist gerade braun. Vermutlich, weil sie etwas an der Wasserleitung repariert hatten. Ich will also bei Steve nebenan fragen, ob ich von ihm etwas Trinkwasser bekommen kann, da trete ich in etwas eigenartiges. Ein riesiges Insekt. Es könnte so etwas ähnliches wie ein brauner Grashüpfer gewesen sein. Sorry liebes, du mir einen Schock einjagendes Insekt, dass ich dich zertreten habe.

06.06.16
Ein neues Mädel ist seit heute da. Ich hab gerade erst einen kurzen Wortwechsel mit ihr gehabt und nicht mal ihren Namen richtig mitgekriegt. Ohh, es sind sogar zwei neue. Für den kommenden Monat werden ein Mädel aus Hong Kong und eine aus England hier sein. Mehr Frau tut gut.
Da das Leitungswasser immer noch braun ist und ich dem ganzen immer mehr mistraue, hab‘ ich jetzt für 5 Kuai, also ca. 70 Cent, einen 19 Liter Wasserkanister gekauft. Das Wasser schmeckt auch besser.
Seit nach dem Abendessen, jetzt schon seit vielleicht zwei Stunden, quakt hier irgend ein Tier. Es scheint sehr viel Ausdauer zu besitzen. Ich hoffe es wird bald müde, sodass mir das müde werden leichter gemacht wird.

07.06.16
Ich befürchte, dass die Küche mit dem dreckigen Wasser kocht. Heute hab ich mal wieder Durchfall. Die Luft war die letzten Tage auch nicht so gut. Jetzt muss mein Immunsystem stark sein.
Beim Powerstretching hab ich mich sehr schlapp gefühlt: Mal schauen ob wie gewohnt die Mittagsruhe wieder meinen Energievorrat auffüllt.
Ich fühle mich an dem Punkt angekommen, dass ich ohne Probleme das Training überstehe. Nur darf ich dabei nicht vergessen mich auch immer wieder zu pushen. Denn einfach nur das Training überstehen bringt mich nicht weiter. Ich muss meine Grenzen weiter ausbauen. Dennoch zwischendurch ein paar faulere Tage zu haben ist denk ich legitim.

08.06.16
Heute morgen wieder Hard Qi Gong. Diesmal mit Alex. Es war seit ein paar Wochen wirklich mal wieder „hard“. Direkt nach der ersten Übung, bei der wir gegenseitig unsere Arme gezielt aneinander schlagen, fühlten sich meine Unterarme an, als hätte ich enormen Muskelkater. Ich möchte möglichst viel Training mit Alex machen. Er ist von allen Schülern der mit der meisten Energie und Motivation. Er pusht mich gut.
Heute nach ein paar Wochen Pause gab es wieder richtiges Sparring mit Schutz. Ich habe gegen Sam gekämpft, dessen erstes mal Sparring es war. Erst wollte ich gar nicht, aber da Sam ein vermeintlich leichter Gegner ist, bin ich doch in den „Ring“ gestiegen. Es war auch tatsächlich für mich ein recht entspannter Kampf. Er hat seinen Kopf kaum gedeckt. Ich hatte also freie Bahn ihn zu treffen. Da ich Leuten nicht weh tun mag, waren meine Schläge auch recht Soft.
Ich mag Sparring, da es mich in Sekundenschnelle meinen Geist fokussieren lässt. Ich muss hell wach sein um meinen Gegner wahrnehmen und schnelle Entscheidungen treffen zu können.
Sachos ist heute nun gegangen. Nach ca. zwei Jahren Training ist er „Disciple“ von Shifu geworden. Auch wenn ich nicht so viel mit ihm zu tun hatte, fand ich seine Abschiedsrede doch etwas rührend. Er scheint eine gewaltige Veränderung hier in der Schule vollzogen zu haben. Möge er eine gute Zeit haben.

09.06.16
Heute ist Drachenbotfest. Was genau es damit auf sich hat, weiß ich noch nich. Das einzige was ich weiß, ist, dass ich kugelrund vollgefressen bin. Es gab zu Mittag Besonders leckeres frittiertes Brot, frittierte Teigtaschen gefüllt mit Glasnudeln und Grünzeug, Dumplings (gefüllte Nudelteigtaschen mit anderen Grünzeug) und zum quasi zum Nachtisch Glutenreis mit Aprikose in Bambusblätter gewickelt. So viel hab ich seit dem letzten Grillen und Serienabend vor ca. einem knappen Jahr, in Leipzig nicht mehr gegessen. Das Essen hat mich irgendwie sehr glücklich gemacht. Ich mag die Menschen hier immer mehr und fühle mich gut aufgehoben. Jetzt kommt der Mittagsschlaf und danach gibt’s Powertraining um das ganze Futter zu verbrennen.
Power Training war heute wieder mit Wu Shifu. Er treibt uns immer gut an unsere Grenzen. Es war gut anstrengend und dazu noch in heißer Sonne. Am Ende haben wir uns gegenseitig noch etwas massiert. Auch Wu Shifu hat kurz Hand angelegt. Das sieht dann so aus, dass er mit großer Wucht auf die Wirbelsäule drückt. Für einen Moment fühlt es sich so an als müsse man sterben. Danach ist es befreiend.
Ich fühle mich fit. Um so mehr ich trainiere, desto mehr kann ich trainieren. Dennoch denke ich, ein paar Ruhetage am Wochenende sind ganz gut für meinen Körper.

10.06.15
Ich mag die Gesellschaft beim Essen immer mehr. Gestern ist schon wieder ein neues Mädel aus Italien gekommen. Und heute noch zwei neue Schüler, davon auch noch ein Mädel. Damit sind gerade sechs Frauen hier vor Ort. Rebecca, mit der ich mich auch immer besser verstehe, geht nächsten Dienstag. Heute wieder drei mal den Berg gelaufen. Bei über 30° im Schatten war es deutlich anstrengender. Jetzt fühle ich mich angenehm erschöpft.

11.06.16
Heute mal wieder Dengfeng. Ich bin mit Anya, Rebecca und Daniela hingefahren. Hab mich dann direkt abgeseilt und bin nur in den Supermarkt. Josh war bisher der einzige, der auch nur das Nötigste in Dengfeng machen wollte. Alle anderen gehen sich immer noch massieren lassen und in den Coffee Shop etc. Josh ist vor zwei Tagen temporär weggegangen um sein Visum zu erneuern. Also war ich heute das erste mal ein bisschen alleine in Dengfeng unterwegs.
Die Temperatur steigt gefühlt weiter an. Mit ihr auch die Luftfeuchtigkeit. Die Luft steht. Das Leitungswasser ist immer noch etwas dreckig. Ich habe einiges an Süßigkeiten gegessen. Heute habe ich das erste mal Kopfschmerzen. Meine Stimmung ist gut. Gerade habe ich die erste Folge der Serie Fargo gesehen. Ich bin schwer beeindruckt.
Die äußeren Einflüsse hier in China sind bedingt deutlich schlechter als in Deutschland. Die Luft, das Wasser und beim Essen, auch wenn es sehr lecker ist, weiß ich nicht wie es produziert ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass all das verhältnismäßig irrelevant ist für meine Gesundheit und meinen Gemütszustand. Das Entscheidende scheint mein Kopf und mein Qi zu sein. Wenn das beides gut läuft, scheint der Input relativ egal zu sein.

12.06.16
So spät wie heute bin ich bisher noch nicht aufgestanden. 7:30 hat die Uhr gezeigt. Es ist Sonntag. Alle scheinen entspannt und gut drauf zu sein. Ich habe das Gefühl, dass die erhöhte Frauenanzahl für mehr Kommunikation und Austausch unter den Schülern sorgt. Heute hatte ich keine Lust mich zu sehr um den Blog und ein Video zu kümmern. Ich habe weiter Fargo geschaut. Ich kann die Serie mit bestem Gewissen allen weiterempfehlen.

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