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Schlagwort: Zuhause

Die Rückkehr

21.11.17

Ich sitze im Auto im Parkhaus vom Flughafen Malaga. Hab möglichst alles verdunkelt um das Neonlicht zumindest etwas fernzuhalten. Der Abgasgerucht macht mir leichte Kopfschmerzen. Glaube ich zumindest. Jetzt bin ich mittlerweile auch schon bestimmt drei Stunden hier. In weiteren zwei Stunden kommen Josephine und Momo an. Warum bin ich nur schon so früh hier? Hach ich weiß es ja. Meine Kontrollbedürftigkeit. Und meine Sicherheitsbedürftigkeit nicht im dunkeln hier her zu fahren. War so schon stressig genug ohne Navi und so. Auf einmal steh ich also im Parkhaus und zahle ein Haufen Geld fürs hier Stehen. Die Reise könnte auch billiger sein. Sogar im Parkhaus gibt es WLAN. Ich habe das Gefühl, dass alle Länder besser mit Internet ausgestattet sind als Deutschland. Vielleicht schlafen wir heute Nacht im Parkhaus. Mal gucken. Auch mal gucken was als nächstes passiert. Ach ja: Heute hab ich eine Tramperin ein Stückchen mitgenommen. Sie lebt in einer Community in der N#he von Orgiva. Hab sie bis dahin gefahren und den Ort sehen dürfen- Leider war dann die Situation etwas komisch und ich bin lieber wieder gefahren. Schienen aber angenehme Menschen zu sein.

Dinge organisieren und Sachen machen bedeckt den Gedankennebel der tieferen Fragen. Oder meditieren natürlich. Habe nun rausgefunden, dass ich doch aufrecht im Bus sitzen kann, wenn die Matratze zusammengerollt ist.

23.11.17

Josephine und Momo sind wieder mit an Board. Gestern hatten wir einen ruhigen Tag am Strand. Nach teurem FlughafenParkhaus, in dem wir dann doch nicht übernachtet haben, war der Parkplatz am Strand kostenlos. Zwar hatten wir Sand direkt unter den Rädern, idyllisch war es aber nicht. Recht viel Müll und Industrie drumherum.

Mein Kopf ist überfüllt mit Dingen. Ganz viel passiert gerade wieder. Neben uns Parkt ein Auto, dessen Motor die ganze Zeit läuft, hör doch auf damit! Dauernd dieses Denken. Unsere Reise wird vermutlich bald schon enden. Ich hab den Start initiiert, Josephine initiiert das Ende. Hab aber gerade gar nichts gegen. Die Wärme ist schön, aber vielleicht drücke ich mich auch nur darum, mich mal wirklich mit der Kälte auseinander zu setzen.

Ich bin auf der Suche, auf der Suche. Die Welt ist voll von Dingen, die niemand braucht. Tourismus, Müll, Straßen. Wir sind ein Auto davon. Heimat gibt es vielleicht überall, ich hab sie aber nicht. Ich fühle mich heimatlos. Im ZEGG hatte ich mich das erste mal richtig zu hause gefühlt. Wir sind hier her und dachten, dass es ganz einfach wird irgendwo gegen Kost und Logie zu arbeiten. Daraus ist nichts geworden. Irgendwie … ach ich fühle mich müde. Ich möchte einen Ort zum ankommen. Das ist auch der Grund warum ich losgefahren bin. Ich möchte irgendwo sein, ankommen. Einen Ort haben zum ausruhen, zum sein. Jetzt sind wir dauernd im Bus und unterwegs, mag ich in diesem Moment nicht mehr. Alles ändert sich aber ständig.

Noch einmal Landschaft aus Spanien
Noch einmal Landschaft aus Spanien

24.11.17

So viel hin und her im Kopf, so viele Gedanken. Also fahren wir morgen los. Es gibt Gründe fürs Bleiben und Gründe fürs Fahren. Entscheidend ist wohl einfach, dass der Raum zu eng ist für drei Leute. Wir Erwachsene brauchen Platz und Zeit für uns. Momo braucht andere Kinder. Es hat einen Monat lang erstaunlich gut funktioniert, aber nun ja. Schon vorbei. Recht überraschend? Vielleicht. Ich bin müde und möchte nicht ausführlicher schreiben, vielleicht morgen wieder.

29.11.17

Die Entscheidung liegt bereits ein paar Tage zurück. Ich bin bei meinem Vater in der schönen Dachgeschosswohnung in Widdern, Deutschland. Wir haben uns dazu entschlossen zurück zu fahren. Manchmal war mir nicht ganz klar warum, bzw. konnte ich es einfach nur nicht in Worte fassen, da mir so viele Gedanken im Kopf rumgeisterten. Nun kann ich es besser in Worte bringen. Josephine, die ich ab sofort öfter auch Phine nennen werde, hat die Idee migebracht un ich bin aufgesprungen. So ein Bus bietet einfach nicht genug Raum für uns. Ach, das hab ich im letzten Post auch schon kurz erwähnt, lese ich gerade.

Uns hat es also auf schnellstem Weg zurück getrieben. Am ersten Rückfahrtag haben wir es bereits bis nach Frankreich geschafft. 1000 km in einem Tag mit Kind im Auto. Momo ist die geborene Autofahrerin. Nicht einmal beschwert sie sich. Super Momo! Oder Supermomo!. In Frankreich ist die Welt eine ganz andere. Es grünt, viele Bäume, Laubbäume, Regen, Leben. Nicht mehr nur karge Landschaften mit vereinzelten Olivebäumen. Auch die Dörfchen sind wieder so süß und hübsch. Wir fühlen uns schon viel mehr zu hause. Die Sprache ist zwar noch fremd, aber die Franzosen sind gefühlt bereits viel deutscher als es noch die Spanier waren. Es gibt auf einmal keine Toiletten mehr. In Spanien gab es überall Klos. Kostenlos, selbstverständlich.

Zweiter Tag der Rückreise endet ungefähr bei Dijon, mitten in der Pampa. Grün ruhige, dunkle Nacht. Kurz müssen wir uns daran aklimatisieren und unsere Ängste akzeptieren und ziehen lassen. Dann schlafen wir ein. Ich zumindest. Die Nacht ist besonders kalt, aber wir wärmen uns aneinander.

Schlussendlich der letzte Autofahrtag für eine ganze Weile. Die deutsche Grenze. Da ist sie. Es regnet. Es ist kalt. Es ist gut. Es fühlt sich richtig an.

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